Auf­wärts­trend dank Draghi-put

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE -

Die Ak­ti­en­märk­te stüt­zen sich auf den Draghi-put. Das Vor­ge­hen des Chefs der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank, Ma­rio Draghi, gleicht dem Gre­en­span-put des ehe­ma­li­gen Vor­sit­zen­den des Fed: Die No­ten­bank soll kei­ne Ver­mö­gen­s­prei­se ins Vi­sier neh­men und kei­ne Bla­sen an­ste­chen, viel­mehr muss sie den Leit­zins sen­ken und die Li­qui­di­tät aus­wei­ten, wenn ei­ne Bla­se platzt. Draghi wan­delt je­doch auf ei­nem schma­le­ren Grat als da­mals Alain Gre­en­span und heu­te Ben Bernan­ke, denn das Man­dat der EZB ist ein­sei­tig auf Preis­sta­bi­li­tät ge­rich­tet und nicht wie das des Fed du­al, in­klu­si­ve ma­xi­ma­ler Be­schäf­ti­gung.

Draghi tut das ei­ne, oh­ne das an­de­re zu las­sen. Er stellt die Preis­sta­bi­li­tät in den Vor­der­grund und wei­gert sich, für die Staats­an­lei­hen der Pe­ri­phe­rie­län­der ei­nen Blan­koch­eck aus­zu­stel­len – et­wa mit ei­ner Ober­gren­ze für die Ren­di­te und der Be­reit­schaft zum un­be­grenz­ten Kauf von Ob­li­ga­tio­nen. An­der­seits stellt die EZB den Ban­ken un­li­mi­tiert Li­qui­di­tät zur Ver­fü­gung und impft sie da­durch ge­gen die dro­hen­de Epi­de­mie von Kon­kur­sen nach ei­nem Staats­bank­rott in der Eu­ro­zo­ne.

Durch die­se Prä­ven­ti­on setzt Draghi den Aus­übungs­preis des Puts tie­fer an als Gre­en­span, der erst das Plat­zen der In­ter­net­bla­se oder zu­vor den Kon­kurs des Hedge Funds LTCM auf­fing – solch spä­tes Ein­schrei­ten kä­me in ei­ner Ban­ken­kri­se na­tur­ge­mäss teu­er. As­sis­tiert wird Draghi von Bernan­ke, der ver­gan­ge­ne Wo­che das Ter­rain für ei­ne wei­te­re Geld­men­genaus­wei­tung in Über­see vor­be­rei­tet hat. Doch Dr. Draghi kann die Ban­ken nicht hei­len, und die Pe­ri­phe­rie­län­der bräuch­ten eben­falls ei­ne Imp­fung. Grie­chen­land wird um­schul­den, je nach Aus­gang der Ver­hand­lun­gen mit den Ban­ken ge­plant oder un­ge­ord­net. Der Schul­den­schnitt dürf­te an­ge­sichts der schwie­ri­gen La­ge Por­tu­gals – und ent­ge­gen der Zu­si­che­rung der Po­li­tik – kein Ein­zel­fall blei­ben, und dann neh­men die Fi­nanz­märk­te wei­te­re Län­der ins Vi­sier. Die­se Ge­fahr bleibt oh­ne Imp­fung vi­ru­lent, denn die The­ra­pie aus Aus­te­ri­tät und Wachs­tums­re­form ist schmerz­voll, dar­um schwie­rig durch­zu­set­zen und wirkt lang­sam.

Bernan­kes Li­qui­di­täts­schü­be QE1 und QE2 hat­ten den S&P 500 in ei­nen Auf­wärts­trend ge­drückt und die Vo­la­ti­li­tät ge­senkt. Die­se Ef­fek­te ha­ben er­staun­lich lang an­ge­hal­ten. Hoch ver­schul­det sind die USA aber nach wie vor. Auch Drag­his Li­qui­di­tät gibt der Bör­se Schub nach oben und übt mehr Kraft aus als zu­erst er­war­tet. Im Hin­ter­grund lau­ert in­des die Schul­den­kri­se.

über die Re­ak­ti­on der Fi­nanz­märk­te auf die Geld­po­li­tik

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