Us-kon­junk­tur ist an­fäl­lig

La­ger­auf­bau dämpft Aus­blick – Pro­ble­me am Ar­beits- und Im­mo­bi­li­en­markt be­las­ten Kon­sum

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - CHRIS­TOPH GISIGER,

WBIP und Vor­lau­fin­di­ka­tor äh­rend Eu­ro­pa ei­ne schar­fe Kon­junk­tur­ab­küh­lung droht und Chi­na ge­gen ei­ne Wachs­tums­ver­lang­sa­mung kämpft, hat die ame­ri­ka­ni­sche Wirt­schaft seit Herbst an Dy­na­mik ge­won­nen. Die­sen Ein­druck er­we­cken die neus­ten ma­kro­öko­no­mi­schen Da­ten. Ein Blick in das Ge­trie­be des USKon­junk­tur­mo­tors zeigt je­doch, dass der Scha­den aus der Re­zes­si­on nur pro­vi­so­risch re­pa­riert ist und es rasch zu neu­en De­fek­ten kom­men könn­te.

Vom Dou­ble Dip ist in den USA kaum mehr die Re­de: Die In­dus­trie­pro­duk­ti­on hat an­ge­zo­gen und das Brut­to­in­land­pro­dukt ist mit 2,8% im vier­ten Quar­tal so kräf­tig ge­wach­sen wie letzt­mals vor ein­ein­halb Jah­ren. Doch die­se Ex­pan­si­on ba­siert pri­mär auf ei­ner La­ger­auf­sto­ckung. Das tat­säch­li­che Wirt­schafts­wachs­tum hat ge­gen­über dem drit­ten Quar­tal so­gar von 3,2 auf 0,8% ab­ge­nom­men (vgl. Gra­fik 1). Das trübt den Aus­blick für die kom­men­den Mo­na­te: In der Re­gel geht die Pro­duk­ti­on nach ei­nem star­ken La­ger­auf­bau zu­rück.

Gros­se Her­aus­for­de­run­gen ste­hen vor al­lem im Ar­beits­markt an. Er hat im De­zem­ber zwar 200 000 neue Stel­len ge­schaf­fen, und für Ja­nu­ar rech­nen Öko­no­men mit ei­ner Zu­nah­me um wei­te­re 150 000 Jobs (Die ent­spre­chen­den Zah­len pu­bli­ziert das Us-ar­beits­mi­nis­te­ri­um am Frei­tag.) Die Ar­beits­lo­sen­quo­te ist mit 8,5% aber nach wie vor un­ge­wöhn­lich hoch. Selbst wenn fort­an mo­nat­lich 200 000 neue Stel­len hin­zu­kom­men, braucht es zwei­ein­halb Jah­re, um das Be­schäf­ti­gungs­ni­veau von vor der Kri­se zu er­rei­chen.

Struk­tu­rel­le Pro­ble­me

Noch schwe­rer wie­gen die struk­tu­rel­len Pro­ble­me: Ein Vier­tel der 16- bis 19-Jäh­ri­gen hat kei­nen Job, und von den ins­ge­samt 13 Mio. Ar­beits­lo­sen fin­det fast ein Drit­tel seit ei­nem Jahr oder län­ger kei­ne Stel­le mehr. Im­mer mehr ge­ben die Su­che nach ei­nem Ar­beits­platz auf. Ge­mes­sen an der ge­sam­ten er­werbs­fä­hi­gen Be­völ­ke­rung ver­harrt die Ar­beits­lo­sen­quo­te da­her auf über 15% (Gra­fik 2).

So­lan­ge sich der Ar­beits­markt nicht deut­lich er­holt, bleibt die La­ge auch im Im­mo­bi­li­en­sek­tor pro­ble­ma­tisch. Bis­her hat der Auf­schwung in den USA meist zu­erst im Häu­ser­markt ein­ge­setzt, zu­mal die­ser am sen­si­bels­ten auf ei­ne sti­mu­lie­ren­de Geld­po­li­tik re­agiert. Da sich die Wirt­schaft je­doch im Ent­schul­dungs­pro­zess be­fin­det, funk­tio­niert das Re­zept die­ses Mal nicht. Ob­schon sich die Zin­sen für ei­ne dreis­sig­jäh­ri­ge Hy­po­thek der­zeit mit 3,8% auf ei­nem Re­kord­tief be­we­gen, wur-

Ar­beits­markt den 2011 le­dig­lich 300 000 neue Häu­ser ver­kauft. Das sind 6% we­ni­ger als im Vor­jahr und ist der ge­rings­te Zu­wachs seit Be­ginn der Da­ten­er­he­bung 1963.

Ein Haupt­grund da­für ist, dass sich aus Man­gel an Kre­di­ten und we­gen der flü­gel­lah­men Wirt­schaft kaum neue Haus­hal­te bil­den. Zu­dem drückt ein enor­mes Schat­ten­in­ven­tar zum Ver­kauf ste­hen­der Lie­gen­schaf­ten auf die Be­wer­tun­gen. So sind die Häu­ser­prei­se im No­vem­ber ver­g­li­chen zum Vor­jahr 3,7% ge­sun­ken, wie der S&P/ Ca­se-shil­ler-in­dex zeigt (Gra­fik 3).

Oh­ne Trend­wen­de am Häu­ser­markt wird sich auch der Kon­sum nicht rich­tig be­le­ben. Und ihm ver­dan­ken die USA 70% des Brut­to­in­land­pro­dukts. Die Stim­mung der Ver­brau­cher hat sich laut den Markt­for­schern des Con­fe­rence Bo­ard im Ja­nu­ar leicht ge­trübt. Der Crash im Im­mo­bi­li­en­sek­tor hat zu­dem das Net­to­ver­mö­gen der Haus­hal­te auf das Ni­veau von Mitte der Neun­zi­ger­jah­re re­du­ziert (Gra­fik 4). Das hemmt – zu­sam­men mit der un­si­che­ren La­ge am Ar­beits­markt – die Aus­ga­ben­be­reit­schaft der Kon­su­men­ten, wie das durch­wach­se­ne Weih­nachts­ge­schäft deut­lich macht. Von fun­da­men­ta­len Pro­ble­men zeugt eben­so, dass über 38 Mio. Ame­ri­ka­ner oder ein Ach­tel der Us-be­völ­ke­rung Le­bens­mit­tel­mar­ken be­zie­hen.

Vor­lau­fin­di­ka­to­ren be­ach­ten

Die Ge­fahr ei­nes kon­junk­tu­rel­len Rück­falls ist nicht ge­bannt. Wird die welt­wei­te Wirt­schafts­ab­küh­lung auch die US-KON­junk­tur brem­sen? Oder über­nimmt Ame­ri­ka die ge­wohn­te Rol­le als glo­ba­le Kon­junk­tur­lo­ko­mo­ti­ve? Vor­lau­fin­di­ka­to­ren ge­ben dar­auf kei­ne kla­re Ant­wort: Der Ism-ein­kaufs­ma­na­ger­index für den Gross­raum Chi­ca­go, der we­gen sei­ner Pro­gno­se­fä­hig­keit für das gan­ze Land be­deut­sam ist, no­tiert im Ja­nu­ar auf 60,2 – ver­g­li­chen zum De­zem­ber ist das ei­ne leich­te Ab­schwä­chung. Öko­no­men sind von ei­ner ge­rin­gen Zu­nah­me aus­ge­gan­gen. Im­mer­hin: Wer­te über 50 ste­hen für ei­ne wach­sen­de Wirt­schaft. Eben­falls auf Ex­pan­si­ons­kurs ist seit Ok­to­ber der LEI-VOR­lau­fin­di­ka­tor des Con­fe­rence Bo­ard. Vor ei­ner na­hen­den Re­zes­si­on warnt hin­ge­gen der ECRI-IN­DEX des Eco­no­mic Cy­cle Re­se­arch In­sti­tut, ob­wohl auch er sich zu­letzt et­was kon­so­li­diert hat.

Das bes­te Sze­na­rio ist, dass sich die Us-kon­junk­tur ir­gend­wie durch­schlägt. Nach 1,7% Wirt­schafts­wachs­tum im letz­ten Jahr rech­nen Öko­no­men für 2012 im Mit­tel mit ei­nem Plus von 2,4%. Das sind frei­lich bes­se­re Per­spek­ti­ven als in Eu­ro­pa und Ja­pan. Für ei­ne Wirt­schaft, die seit gut zwei­ein­halb Jah­ren die Re­zes­si­on be­en­det hat, ist es je­doch we­nig er­bau­lich. Des­sen ist sich auch die Us-no­ten­bank be­wusst. Sie will des­halb noch lan­ge an den tie­fen Leit­zin­sen fest­hal­ten und hält sich für wei­te­re Lo­cke­rungs­mass­nah­men be­reit.

Nicht al­le Ame­ri­ka­ner su­chen ei­nen Job. Vie­le ha­ben die Su­che auf­ge­ge­ben.

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