Aus­län­di­sche An­le­ger nut­zen güns­ti­ge Ein­stiegs­ge­le­gen­heit

In­ves­to­ren aus dem Aus­land ver­hal­fen der bra­si­lia­ni­schen Bör­se zu ei­nem gu­ten Jah­res­start – Die Ana­lys­ten zwei­feln je­doch an der Fort­set­zung der Hausse

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - ALEX­AN­DER BUSCH,

Aus­län­di­sche An­le­ger in­ves­tie­ren seit Jah­res­be­ginn so viel an der Bör­se São Pau­los wie seit sieb­zehn Jah­ren nicht mehr. Der Leit­in­dex Bo­ve­s­pa ist im Ja­nu­ar um rund 10% ge­stie­gen – nach ei­nem ent­täu­schen­den 2011, in dem der In­dex 18% ver­lor hat­te. Wäh­rend die aus­län­di­schen An­le­ger im ver­gan­ge­nen Jahr per sal­do 14 Mrd. bra­si­lia­ni­sche Re­als ab­zo­gen, leg­ten sie al­lein im Ja­nu­ar net­to be­reits 6,3 Mrd. Re­als, um­ge­rech­net rund 3,4 Mrd. Fran­ken, in bra­si­lia­ni­sche Ak­ti­en an. Et­was mehr als ein Drit­tel des Bör­sen­um­sat­zes im Ja­nu­ar ent­fiel auf aus­län­di­sche In­ves­to­ren.

Will Lan­des, Ma­na­ger des Latein­ame­ri­ka-fonds von Blackrock, er­war­tet, dass die Bör­sen in Bra­si­li­en ne­ben Chi­na die­ses Jahr un­ter den schnell wach­sen­den Volks­wirt­schaf­ten die wich­tigs­ten In­ves­ti­ti­ons­zie­le aus­län­di­scher An­le­ger blei­ben wer­den. Der Grund für das neue In­ter­es­se liegt ei­ner­seits an Bra­si­li­en selbst: die ver­bes­ser­ten Kre­dit­ra­tings des Lan­des durch die Agen­tu­ren, die an­hal­ten­den Leit­zins- sen­kun­gen durch die Zen­tral­bank so­wie die Auf­fas­sung, dass vie­le Ak­ti­en bra­si­lia­ni­scher Un­ter­neh­men in­zwi­schen preis­wert sind. So hat die Zen­tral­bank zu­letzt den Leit­zins von 11 auf 10,5% her­ab­ge­setzt. Die Öko­no­men von Ban­co Itaúu­ni­ban­co er­war­ten, dass der Leit­zins bis zum Jah­res­en­de auf 9% sin­ken wird und die In­ves­to­ren zu­neh­mend von An­lei­hen auf Ak­ti­en um­schich­ten wer­den. Im No­vem­ber ver­bes­ser­te Stan­dard & Poor’s zu­dem das Ra­ting für Bra­si­li­ens aus­län­di­sche Schul­den auf BBB. Da­mit kön­nen auch aus­län­di­sche in­sti­tu­tio­nel­le In­ves­to­ren wie Pen­si­ons­fonds ver­stärkt an Bra­si­li­ens Bör­se in­ves­tie­ren.

Gu­te Si­gna­le aus Chi­na

Mit den ver­bes­ser­ten Kon­junk­tur­aus­sich­ten Chi­nas ge­win­nen die Ak­ti­en der Roh­stoff- und Ener­gie­kon­zer­ne zu­sätz­li­che At­trak­ti­vi­tät. Da­von pro­fi­tie­ren vor al­lem die Blue Chips, wie et­wa die Öl­un­ter­neh­men Pe­tro­bras und OGX, die Erz­kon­zer­ne Va­le oder MMX und die Stahl­ko­cher CSN (29%) und Ger­dau (24%). Da die­se Roh­stoff- und Ener­gie­kon­zer­ne ein gros­ses Ge­wicht im In­dex ha­ben, re­agiert die­ser ent­spre­chend stark auf die Kurs­an­stie­ge der Stan­dard­wer­te. Bra­si­li­ens der­zeit lau­fen­de In­ves­ti­ti­ons­of­fen­si­ve in der In­fra­struk­tur si­chert den Zu­lie­fe­rern ei­nen wach­sen­den Um­satz. Die Fuss­ball­welt­meis­ter­schaft 2014 so­wie die Olym­pi­schen

Bör­se Bra­si­li­en Spie­le in Rio de Janei­ro 2016 ha­ben das Pro­gramm trotz der ho­hen bü­ro­kra­ti­schen Hür­den zu­sätz­lich be­schleu­nigt. Zu­dem ha­ben sich in Bra­si­li­en die Kon­junk­tur­aus­sich­ten ver­bes­sert: Die meis­ten In­vest­ment­ban­ken rech­nen nun mit ei­nem Wachs­tum der bra­si­lia­ni­schen Wirt­schaft zwi­schen 3,5 und 4% in die­sem Jahr, nach rund 3% im Jahr 2011. «Das Wachs­tum Bra­si­li­ens er­weist sich als wi­der­stands­fä­hi­ger als noch vor Kur­zem er­war­tet», sagt Pe­dro Mar­tins Ju­ni­or von Bank of Ame­ri­ca Mer­rill Lynch in São Pau­lo. Die wirt­schaft­li­che Er­ho­lung in den USA so­wie die an­hal­tend gu­ten Kon­junk­tur­aus­sich­ten in Chi­na spie­len da­bei ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Die Ana­lys­ten rech­nen mit lang­sa­mer wach­sen­den Un­ter­neh­mens­ge­win­nen der im In­dex ver­tre­te­nen Kon­zer­ne – im Durch­schnitt sol­len sie aber im­mer noch 10% stei­gen.

At­trak­ti­ve Be­wer­tung

Die bra­si­lia­ni­schen Ak­ti­en sind der­zeit preis­wert: Mit ei­nem ge­schätz­ten Kurs- Ge­winn-ver­hält­nis (KGV) von 9 für En­de 2012 ist die Be­wer­tung un­ter dem his­to­ri­schen Durch­schnitt von 12 und nur we­nig über dem Tief­punkt von 2008, als das KGV 8 be­trug. Den­noch ha­ben die Ana­lys­ten die Kurs­zie­le im Ver­gleich zum Vor­jahr deut­lich nach un­ten kor­ri­giert. Wäh­rend sie vor ei­nem Jahr noch zu­ver­sicht­lich ei­nen Jah­res­end­stand des Bo­ve­s­pa von durch­schnitt­lich 85 000 pro­gnos­ti­zier­ten, lie­gen die Er­war­tun­gen jetzt bei rund 70 000. Gleich­zei­tig ist das Ri­si­ko ge­stie­gen, dass auch in die­sem Jahr das ge­senk­te In­dex­ziel nicht er­reicht wird. Die Sor­gen kon­zen­trie­ren sich auf Eu­ro­pa.

«Bis­her sieht es nicht nach ei­nem Crash in Eu­ro­pa, son­dern nur nach ei­ner Re­zes­si­on aus», sagt Car­los Si­quei­ra, Stra­te­ge bei BTG Pac­tu­al. «Kommt es zu ei­ner Kri­se in Eu­ro­pa, wer­den auch die bra­si­lia­ni­schen Ak­ti­en dar­un­ter lei­den.» Des­halb er­war­tet Si­quei­ra auch ei­ne an­hal­ten­de Er­ho­lung der bra­si­lia­ni­schen Bör­se erst im zwei­ten Halb­jahr. In­zwi­schen rech­nen die Ana­lys­ten in São Pau­lo we­gen des stei­len Kurs­an­stiegs mit Ge­winn­mit­nah­men.

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