Mo­der­ni­sie­rung un­ter Vor­be­halt

Die eth­ni­schen Ma­lay­en blei­ben vo­r­erst be­vor­zugt

Finanz und Wirtschaft - - SERIE ASIEN - ALEX­AN­DER TRENTIN

Wäh­rend Ras­sis­mus in vie­len Ge­set­zen die­ser Welt ver­bo­ten ist, wird er in Ma­lay­sia durch die Ver­fas­sung ver­ord­net. Den knapp mehr als die Hälf­te der Be­völ­ke­rung um­fas­sen­den mus­li­mi­schen eth­ni­schen Ma­lay­en – Bu­mi­pu­te­ra, Söh­ne des Lan­des ge­nannt – wird ei­ne be­son­de­re Po­si­ti­on zu­ge­si­chert. Grund war die Furcht vor der Über­macht der wirt­schaft­lich er­folg­rei­chen Chi­ne­sen und In­der, die wäh­rend der bri­ti­schen Herr­schaft im 19. Jahr­hun­dert nach Ma­lay­sia ein­wan­der­ten.

In den Sieb­zi­ger­jah­ren wur­den Ge­set­ze zur Be­vor­zu­gung der Bu­mi­pu­te­ra er­las­sen. An der Bör­se von Kua­la Lum­pur ko­tier­te Un­ter­neh­men muss­ten zu min­des­tens 30% eth­ni­schen Ma­lay­en ge­hö­ren. Vie­le Re­gie­rungs­pro­jek­te durf­ten nur an Bu­mi­pu­te­ra ver­ge­ben wer­den. Auch ha­ben sie Zu­griff auf spe­zi­el­le An­la­ge­fonds mit hö­he­rer Ren­di­te und wur­den bei der Auf­nah­me an Uni­ver­si­tä­ten prä­fe­riert. Die Be­vor­zu­gung bei staat­li­chen Auf­trä­gen ver­schaff­te ei­ni­gen gut ver­netz­ten Ma­lay­en gros­se Ver­mö­gen. Ein gros­ser Teil der Mit­tel­schicht wird durch die Pri­vi­le­gi­en sub­ven­tio­niert. Die ur­sprüng­li­che Be­grün­dung des Pro­gramms – der brei­ten Mas­se da­durch An­teil am Wohl­stand zu ver­schaf­fen – er­scheint nun über­holt.

Lang­sa­me Li­be­ra­li­sie­rung

Pre­mier­mi­nis­ter Na­jib Raz­ak ver­sucht seit Be­ginn sei­ner Amts­zeit 2009 ge­gen den Wi­der­stand in sei­ner Par­tei Um­no und der ex­tre­mis­ti­schen Ma­lay­en-or­ga­ni­sa­ti­on Per­ka­sa die­se Vor­rech­te ein­zu­schrän­ken. Ei­ni­ges wur­de schon er­reicht. Für vie­le Bran­chen müs­sen bör­sen­no­tier­te Un­ter­neh­men kei­ne Quo­te an ma­lay­ischen Ei­gen­tü­mern mehr er­fül­len. Eben­so wur­den die Re­geln für Sti­pen­di­en ge­lo­ckert, um In­der und Chi­ne­sen nicht all­zu sehr zu be­nach­tei­li­gen. Doch ganz kann die Sub­ven­ti­on der Be­völ­ke­rungs­mehr­heit noch nicht auf­ge­ge­ben wer­den, trotz im­mer lau­ter wer­den­der Pro­tes­te der chi­ne­si­schen und in­di­schen Min­der­heit.

Ne­ben der wirt­schaft­li­chen Li­be­ra­li­sie­rung wird von Na­jib auch ei­ne po­li­ti­sche Be­frei­ung an­ge­strebt. Doch das An­se­hen der Re­gie­rung wur­de durch den fast zwei Jah­re an­dau­ern­den Pro­zess ge­gen Op­po­si­ti­ons­füh­rer An­war Ibra­him we­gen ho­mo­se­xu­el­ler Prak­ti­ken schwer ge­schä­digt. An­war soll­te wohl aus dem Weg ge­räumt wer­den, nach­dem die von ihm ge­führ­te Op­po­si­ti­on 2008 die Wah­len in fünf von zwölf Bun­des­staa­ten ge­won­nen hat­te. An­war wur­de An­fang die­sen Jah­res zwar frei­ge­spro­chen, aber die Un­ter­drü­ckung re­gie­rungs­feind­li­cher Grup­pen bleibt Rea­li­tät. De­mons­tran­ten wer­den oh­ne Ge­richts­ver­fah­ren durch das be­rüch­tig­te Ge­setz In­ter­nal Se­cu­ri­ty Act in Haft ge­nom­men, al­lein mit der Be­grün­dung, die Si­cher­heit Ma­lay­si­as zu ge­fähr­den. Das Ge­setz soll im März die­sen Jah­res aus­ser Kraft ge­setzt wer­den. Auch die Me­di­en sind ein­ge­schränkt und gross­teils in Hand der Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on. Ge­mäss der Or­ga­ni­sa­ti­on Re­por­ter oh­ne Gren­zen liegt Ma­lay­sia welt­weit auf Platz 122 in Be­zug auf Pres­se­frei­heit, hin­ter Län­dern wie Kam­bo­dscha oder der Ukrai­ne.

Mehr­fa­che Kon­flikt­li­ni­en

Falls die Op­po­si­ti­on ge­winnt, wird das aber noch kein En­de der po­li­ti­schen Un­ru­hen be­deu­ten. Nicht nur zwi­schen Ma­lay­en, In­dern und Chi­ne­sen lau­fen die Kon­flikt­li­ni­en. Trotz of­fi­zi­ell ge­pre­dig­ter To­le­ranz bleibt die Angst auch bei ge­mäs­sig­ten Mos­lems vor ei­ner Is­la­mi­sie­rung stark. So do­mi­niert die is­la­mis­ti­sche Par­tei PAS den nörd­li­chen Bun­des­staat Ke­lan­tan, in dem strikt mus­li­mi­sche Ge­set­ze an­ge­wen­det wer­den.

Auch zwi­schen der Halb­in­sel Ma­lay­sia und den auf Bor­neo ge­le­ge­nen Bun­des­staa­ten Sa­ra­wak und Sa­bah gibt es gros­se wirt­schaft­li­che und kul­tu­rel­le Un­ter­schie­de. Wäh­rend auf der Halb­in­sel ge­le­ge­ne Pro­vin­zen ih­ren Wohl­stand durch In­dus­trie und Di­enst­leis­tun­gen aus­bau­en konn­ten, hinkt die von Holz­ab­bau und Palm­öl ab­hän­gi­ge Wirt­schaft auf Bor­neo hin­ter­her. Zur Über­ra­schung der Re­gie­rungs­par­tei konn­te sie sich bei den Wah­len 2008 am bes­ten in Sa­ra­wak und Sa­bah hal­ten, ob­wohl die­se am we­nigs­ten von der staat­li­chen För­der­po­li­tik pro­fi­tier­ten.

Früch­te der Öl­pal­me: Ma­lay­si­as wich­tigs­tes land­wirt­schaft­li­ches Ex­port­gut ist Palm­öl.

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