Die Ral­ly wird zahm

ÜBER­SICHT Us-ma­kro­da­ten über­tö­nen Spe­ku­la­tio­nen über nächs­te Ltro-ak­ti­on

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - MARK DITT­LI

Zwei ge­gen­sätz­li­che Kräf­te wir­ken der­zeit auf die Kapitalmärkte ein: Auf der ei­nen Sei­te ste­hen die No­ten­ban­ken, al­len vor­an das Fed und die EZB, die kei­nen Zwei­fel an ih­rem Wil­len las­sen, die Märk­te mit Li­qui­di­tät zu über­flu­ten. Auf der an­de­ren Sei­te steht das Gros der Ma­kro­da­ten, die in wei­ten Tei­len Eu­ro­pas auf ei­ne Re­zes­si­on und in den USA auf ei­ne nach­las­sen­de Wachs­tums­dy­na­mik hin­deu­ten. In den ver­gan­ge­nen Wo­chen hat­te das Li­qui­di­täts­ar­gu­ment an den Ri­si­ko­märk­ten klar die Über­hand: Der MSCI De­ve­l­o­ped World In­dex leg­te im Ja­nu­ar 5,4% zu, der MSCI Emer­ging Mar­kets In­dex ge­wann 11%. Be­son­ders ge­fragt in die­ser Ral­ly wa­ren Sek­to­ren mit ho­hem Be­ta (Sen­si­ti­vi­tät ge­gen­über dem Re­fe­ren­z­in­dex): In Eu­ro­pa ver­zeich­ne­ten die Sek­to­ren In­dus­trie, Berg­bau und Bau Ge­win­ne von 15% und mehr. Die Sto­xxSu­bin­di­zes für Ban­ken und Ver­si­che­run­gen leg­ten im Ja­nu­ar mehr als 11% zu. Ge­mäss Da­ten von So­cié­té Gé­né­ra­le ver­zeich­ne­ten die Märk­te die gröss­te Über­per­for­mance von Ak­ti­en mit ho­hem Be­ta seit März 2009.

Nun stellt sich die Fra­ge, ob die Ral­ly ge­nü­gend Treib­stoff für wei­te­re Avan­cen hat. Die Stra­te­gen der Zürcher In­vest­ment­bou­tique Dy­na­part­ners rech­nen mit ei­ner kurz­zei­ti­gen Kon­so­li­die­rung, set­zen je­doch wei­ter­hin auf Ak­ti­en – der Rü­cken­wind der No­ten­ban­kGeld­schwem­me spre­che für ei­ne Fort­set­zung der Hausse.

Au­gen auf Por­tu­gal

Dass mit dem St­ab­wech­sel von Je­an-clau­de Tri­chet zu Ma­rio Draghi an der Spit­ze der EZB ein fun­da­men­ta­ler Men­ta­li­täts­wech­sel statt­ge­fun­den hat, wird im­mer evi­den­ter. Als wich­tigs­te Ein­zel­mass­nah­me, die zu ei­ner nam­haf-

Ak­ti­en- vs. Bond­markt ten Ent­span­nung der Eu­ro­kri­se bei­ge­tra­gen hat, gilt im­mer noch die Ltro-ak­ti­on von Draghi im De­zem­ber, mit de­rer sich Ge­schäfts­ban­ken von der EZB Li­qui­di­tät für drei Jah­re si­chern konn­ten. Die nächs­te LTRO-RUN­DE fin­det am 29. Fe­bru­ar statt: Be­reits kur­siert die Spe­ku­la­ti­on, dass sich die Ban­ken dann ei­ne Bil­li­on Eu­ro – 1000 Mrd. – aus­lei­hen wer­den.

Die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger Staats­an­lei­hen aus Ita­li­en und Spa­ni­en – die Haupt­nutz­nies­ser der Ltro-ak­ti­on – be­weg­ten sich zu Wo­chen­be­ginn nur un­we­sent­lich. Die ita­lie­ni­schen stie­gen fünf Ba­sis­punk­te auf 5,97%. Im Au­ge be­hal­ten müs­sen In­ves­to­ren je­doch das Zins­ni­veau in Por­tu­gal. Die Ren­di­te fünf­jäh­ri­ger por­tu­gie­si­scher Staats­an­lei­hen sprang von Frei­tag bis Mon­tag um 289 Bp auf 21,72% und ermässigte sich am Di­ens­tag leicht auf 20,59%.

An Eu­ro­pas Ak­ti­en­märk­ten war die Luft zu Wo­chen­be­ginn draus­sen: Der Eu­ro Sto­xx 50 und der Dax ver­lo­ren 0,8%, der SMI büss­te ge­drückt von Ab­ga­ben in Nest­lé 1% ein. Der Sto­xx-su­bin­dex Ban­ken ver­lor seit Frei­tag 2,3%.

Tie­fe­re Haus­prei­se

Aus den USA kam an Ma­kro­da­ten we­nig, was die Stim­mung hät­te he­ben kön­nen. Der Ein­kaufs­ma­na­ger­index des Gross­raums Chi­ca­go ermässigte sich im Ja­nu­ar auf 60,2, nach 62,2 im De­zem­ber. Der Ca­se-shil­ler-in­dex, der die Im­mo­bi­li­en­prei­se in den zwan­zig gröss­ten Bal­lungs­zen­tren der USA misst, büss­te im No­vem­ber sai­so­nal ad­jus­tiert 0,7% ein. Auf Jah­res­ba­sis hat das Preis­ni­veau am USIm­mo­bi­li­en­markt 3,7% ver­lo­ren. Der In­dex ent­täusch­te, weil er in den zwei Vor­mo­na­ten je­weils ge­stie­gen war und un­ter In­ves­to­ren die Hoff­nung ge­nährt hat­te, die Häu­ser­prei­se hät­ten Bo­den ge­fun­den. Schliess­lich ent­täusch­te am Di­ens­tag auch das Us-kon­su­men­ten­ver­trau­en: Der vom Con­fe­rence Bo­ard er­ho­be­ne In­dex fiel im Ja­nu­ar auf 61,1, nach 64,8 im De­zem­ber. Öko­no­men hat­ten im Mit­tel mit 68 ge­rech­net.

Wall­s­treet star­te­te am Di­ens­tag ver­hal­ten: Vier St­un­den vor Han­dels­schluss stand der S&P-500 0,2% im Mi­nus. Die kla­re Di­ver­genz in der Ein­schät­zung der kon­junk­tu­rel­len La­ge zeigt sich wei­ter­hin am Bond­markt: Die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger Tre­a­su­ry No­tes sank seit Frei­tag 12 Ba­sis­punk­te auf 1,8%. Von ge­lun­ge­ner Re­fla­tio­nie­rung der Wirt­schaft ist am Bond­markt nichts zu se­hen. Wenn nicht dort, so doch im­mer­hin am Gold­markt: Das Edel­me­tall zähl­te zu Wo­chen­be­ginn zu den we­ni­gen Ge­win­nern am Roh­stoff­ta­bleau mit ei­nem mar­gi­na­len Preis­ge­winn von 0,1% auf 1733 $ je Un­ze.

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