War­um DKSH In­ter­es­se weckt

SCHWEIZ Bör­sen­start des Asi­en-spe­zia­lis­ten? – Road­show – Ak­ti­en­kurs am Otc-markt steigt – Be­rei­che­rung für SIX

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - WOLF­GANG GAM­MA

Die Über­le­gun­gen zu ei­nem Bör­sen­gang im Haus DKSH schei­nen ernst­haf­te­rer Na­tur zu sein, als dass sie al­lein mit Sze­na­ri­oden­ken über­schrie­ben wer­den kön­nen, wie das das Un­ter­neh­men seit Jah­ren zu ver­mit­teln ver­sucht. «Fi­nanz und Wirt­schaft» lie­gen In­for­ma­tio­nen vor, wo­nach der Markt­ent­wick­ler und Asi­en­spe­zia­list DKSH be­reits po­ten­zi­el­le In­ves­to­ren ge­trof­fen hat, um ei­nen Bör­sen­gang zu dis­ku­tie­ren.

Be­stä­tigt wur­de, dass DKSH auf die Ka­pi­tal­markt­fä­hig­keit Wert legt, um sich die­se Op­ti­on zur Un­ter­neh­mens­fi­nan­zie­rung of­fen­zu­hal­ten – auch das ei­ne Ge­pflo­gen­heit des Hau­ses. Fra­gen ei­ner kurz be­vor­ste­hen­den Bör­sen­zu­kunft des Un­ter­neh­mens ge­hör­ten in den letz­ten Jah­ren zur Marktrou­ti­ne, am Mitt­woch brach­te der «Ta­ges-an­zei­ger» das The­ma Road­show auf.

Kaum Ka­pi­tal­er­hö­hung

Geht DKSH tat­säch­lich an den Ka­pi­tal­markt, ist die Ab­ga­be be­ste­hen­der Ti­tel die wahr­schein­li­che­re Ver­si­on als ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung. Es be­steht kein Ka­pi­tal­be­darf, wie Vr-prä­si­dent Adri­an Kel­ler und CEO Jörg Wol­le mehr­fach be­ton­ten (vgl. FUW Nr. 31 vom 20. April 2011 und Nr. 40 vom 26. Mai 2010). DKSH fi­nan­zier­te denn auch klei­ne­re Ak­qui­si­tio­nen wie im letz­ten Herbst Brand­li­nes und FNZ Brand aus Neu­see­land oder Ti­ger Che­mi­cals aus Aus­tra­li­en pro­blem­los. Das gilt eben­so für die Mehr­heits­über­nah­me an der Uh­ren­ma­nu­fak­tur Mau­rice La­croix.

Zu­dem wer­den die Be­sit­zer­fa­mi­li­en kaum In­ter­es­se ha­ben, ih­re Mehr­heit auf­zu­ge­ben. Seit der Ka­pi­tal­er­hö­hung im Früh­ling 2008 hält die Die­thelm Kel­ler Hol­ding 65%. Da­mals über­nahm die Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft Dare­al von Ste­phan Schmid­hei­ny ei­ne Be­tei­li­gung von knapp 10%. Je gut 10% sind in den Hän­den von Rai­ner-marc Frey und dem In­vest­ment­ve­hi­kel FFP der Fa­mi­lie Peu­geot. Frey und Ro­bert Peu­geot sit­zen auch im DKSHVer­wal­tungs­rat; Dare­al ist dort mit Frank Gu­lich ver­tre­ten.

Die Plat­zie­rung von bis zu ei­nem Vier­tel al­ler Ak­ti­en ist un­ter die­sen Prä­mis­sen für die Op­ti­on Bör­sen­gang ein wahr­schein­li­ches Sze­na­rio: Ein oder zwei Ak­tio­nä­re stei­gen aus bzw. re­du­zie­ren, die Fa­mi­li­en­hol­ding zieht mit, um ei­nen sub­stan­zi­el­len Free Float zu ge­währ­leis­ten.

Ei­ne In­di­ka­ti­on zur Be­wer­tung von DKSH gibt der Kurs der spo­ra­disch auf den Otc-platt­for­men der Zürcher Kan­to­nal­bank und der Ber­ner Kan­to­nal­bank ge­han­del­ten Ak­ti­en. Sie ver­teu­er­ten sich in der zwei­ten Wo­chen­hälf­te mehr als 20% auf 80 Fr. (gar 88 Fr. im Han­dels­ver­lauf). Das Ak­ti­en­ka­pi­tal um­fasst 62,47 Mio. Ti­tel zum Nenn­wert von 0.10 Fr. Zum ak­tu­el­len Kurs er­rech­net sich dar­aus ein Bör­sen­wert von knapp 5 Mrd. Fr. Da­mit wür­de DKSH an der SIX Swiss Ex­ch­an­ge un­ter den dreis­sig gröss­ten Un­ter­neh­men er­schei­nen. Trifft das er­wähn­te Plat­zie­rungs­sze­na­rio zu, wür­de der Free Float zwi­schen 1 und 1,25 Mrd. Fr. er­rei­chen, wenn der ak­tu­el­le Ak­ti­en­kurs als Richt­wert ge­nom­men wird.

Ei­ne Wachs­tums­sto­ry

DKSH ver­zeich­ne­te zu­letzt zwei­stel­li­ge Wachs­tums­ra­ten im Er­trag, teils auch im Um­satz. Im ers­ten Se­mes­ter 2011 ver­bes- ser­te sich der Be­triebs­ge­winn 21% auf 103 Mio., der Ge­winn stieg so­gar 27% auf 65 Mio., das Trans­ak­ti­ons­vo­lu­men im Ver­gleich zum Vor­jah­res­ab­schnitt um 6,3% auf 4,9 Mrd. Fr.; der Net­to­um­satz (auf ei­ge­ne Rech­nung) er­höh­te sich um 2,3% auf 3,6 Mrd. Be­reits 2010 hat­te die 22 500 Be­schäf­tig­te zäh­len­de DKSH das er­folg­reichs­te Ge­schäfts­jahr seit Be­ste­hen aus­ge­wie­sen. Da­mals re­sul­tier­ten aus 7,3 Mrd. Fr. (+15%) Um­satz 121 Mio. (+42%) Ge­winn; die ope­ra­ti­ve Mar­ge er­reich­te 2,7% (nach 1,4% im Vor­jahr), das Trans­ak­ti­ons­vo­lu­men knapp 10 Mrd. Fr. Je­weils drei Vier­tel des Ge­winns wur­den in den letz­ten Jah­ren re­inves­tiert.

DKSH hilft Un­ter­neh­men beim Markt­ein­tritt in Asi­en und pro­fi­tiert von der dy­na­mi­schen Ent­wick­lung der Re­gi­on. Fast 40% des Ge­schäfts macht die Ge­sell­schaft in Thai­land, ein Vier­tel in Chi­na und mehr als 20% in Ma­lay­sia/sin­ga­pur. Sie un­ter­hält in der Re­gi­on Asi­en-pa­zi­fik 590 Stand­or­te. Die Di­enst­leis­tungs­pa­let­te reicht von der Eva­lua­ti­on von Markt­ein- trit­ten über Im­port, Mar­ke­ting­dienst­leis­tun­gen, La­ger­hal­tung und Ver­trieb bis hin zu Di­enst­leis­tun­gen nach dem Ver­kauf. Kon­sum­gü­ter­her­stel­ler und He­alth­care­an­bie­ter neh­men eben­so Dksh-ser­vices in An­spruch wie Kun­den aus den Be­rei­chen Spe­zi­al­che­mie und Tech­no­lo­gie. Ni­ke, Le­vi’s, Aven­tis, Ro­che Phar­ma oder Cum­m­ins zäh­len da­zu.

Die Wachs­tums­sto­ry Asi­en so­wie die so­li­de Fi­nan­zie­rung mit ei­ner Ei­gen­ka­pi­tal­quo­te von 35% und ei­ner Net­tocash-po­si­ti­on (per En­de 2010 und vor di­ver­sen Zu­käu­fen 2011) ma­chen DKSH zu ei­nem at­trak­ti­ven Bör­sen­kan­di­da­ten. Ein IPO wä­re ei­ne Be­rei­che­rung für die SIX, die in den letz­ten Jah­ren kaum Neu­zu­gän­ge ver­zeich­ne­te. In der Vor­be­rei­tung ei­nes Bör­sen­gangs sind In­ves­to­ren­ver­an­stal­tun­gen zur Eva­lua­ti­on nur ein Ele­ment, ei­ne län­ge­re Vor­lauf­zeit braucht auch das Ko­tie­rungs­ver­fah­ren selbst. Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass der ak­tu­el­le Stand als «Früh­sta­di­um» ad­äquat er­fasst wird.

590 Stand­or­te in Asi­en, so auch in Viet­nam, ma­chen DKSH in der Boom­re­gi­on zu ei­nem be­vor­zug­ten Part­ner.

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