Te­me­nos und Mi­sys wä­ren gu­te Kom­bi­na­ti­on

SCHWEIZ Ban­ken­soft­ware­her­stel­ler füh­ren Fu­si­ons­ge­sprä­che – Zu­sam­men­ge­hen ver­spricht gros­se Sy­ner­gi­en – Te­me­nos haus­sie­ren

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - PATRICK FRIED­LI

Sy­ner­gi­en lo­cken

Der Sek­tor der Her­stel­ler von Ban­ken­soft­ware kommt in Be­we­gung. Der Schwei­zer An­bie­ter Te­me­nos spricht mit sei­nem bri­ti­schen Kon­kur­ren­ten Mi­sys über ein Zu­sam­men­ge­hen. Mi­sys (wie auch Te­me­nos) gilt schon län­ger als Über­nah­me­kan­di­dat, und Spe­ku­la­tio­nen ha­ben jüngst den Ak­ti­en­kurs der bri­ti­schen Ban­ken­soft­ware­schmie­de in die Hö­he ge­trie­ben.

Die Ge­rüch­te zwan­gen Mi­sys am Frei­tag nun of­fen­sicht­lich, die Kat­ze aus dem Sack zu las­sen. In ei­nem knap­pen State­ment be­stä­tig­te das Un­ter­neh­men, dass mit Te­me­nos Ge­sprä­che über ei­ne Fu­si­on ge­führt wür­den. Wie die Bri­ten wei­ter mit­teil­ten, könn­te die Trans­ak­ti­on via Ak­ti­en­tausch über die Büh­ne ge­hen. Auch Te­me­nos be­stä­tig­te am Frei­tag die Ge­sprä­che. Sie be­fän­den sich je­doch noch in ei­ner frü­hen Pha­se und es sei noch kei­ne Ent­schei­dung ge­fal­len, hiess es. Kommt der De­al zu­stan­de, ent­stün­de ein kla­rer Markt­lea­der mit ei­nem ge­schätz­ten Pro-for­ma-um­satz für 2011 von rund 1070 Mio. $. Wäh­rend Te­me­nos sich ex­klu­siv auf den Be­reich Co­re Ban­king Sys­tems be­schränkt, er­ar­bei­tet Mi­sys rund 60% des Um­sat­zes in den Ge­schäfts­be­rei­chen Tre­a­su­ry & Ca­pi­tal Mar­kets und So­phis, die un­ter an­de­rem Sys­te­me für Tre­a­su­ry- und Ri­si­ko­ma­nage­ment ent­wi­ckeln und ver­trei­ben. Der Rest des Ge­schäfts, das 40% zum Um­satz bei­trägt, über­lappt mit dem An­ge­bot von Te­me­nos.

Die be­trächt­li­chen Über­schnei­dun­gen im Be­reich Co­re Ban­king Sys­tems er­öff­nen deut­li­ches Spar­po­ten­zi­al. Denn Mi­sys hat zwar ei­nen be­acht­li­chen Kun­den­stamm, die Mehr­zahl der Kun­den ar­bei­tet je­doch noch mit äl­te­ren Sys­te­men. Erst ein klei­ner Teil der Kli­en­ten hat den Wech­sel auf das neue Sys­tem Bank­fu­si­on voll­zo­gen. Bank­fu­si­on wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und im Markt er­folg­reich zu plat­zie­ren dürf­te aber viel Zeit und Geld in An­spruch neh­men. Dem­ge­gen­über ist das Pro­dukt von Te­me­nos ( T24) im Markt be­reits gut ein­ge­führt.

Wird da­her das Mi­sys-pro­dukt ein­ge­stampft, wür­de ein Mer­ger be­acht­li­che Sy­ner­gi­en frei­set­zen. Be­son­ders im Ver­kauf und in der Soft­ware­ent­wick­lung könn­ten

Mi­sys be­trächt­li­che Kos­ten aus der Or­ga­ni­sa­ti­on ge­nom­men wer­den.

Der Us-bro­ker Mor­gan St­an­ley schätzt et­wa, dass 2012 da­mit 46 Mio. £ ein­ge­spart wer­den könn­ten. Da­mit wür­de der De­al im Ur­teil des Us-bro­kers ei­nen Mehr­wert von 342 Mio. £ schaf­fen.

Bör­se re­agiert er­freut

Die­ses Ar­gu­ment scheint am Frei­tag auch die Markt­teil­neh­mer über­zeugt zu ha­ben. Der Kurs der Te­me­nos-ak­ti­en schloss am Frei­tag auf­grund der Fu­si­ons­ge­sprä­che mit ei­nem Ge­winn von fast 16% auf 19.90 Fr. Dem­ge­gen­über re­agier­ten die Ak­ti­en von Mi­sys mit ei­nem Plus von 1,2% ver­hal­ten. Die Pa­pie­re pro­fi­tier­ten jüngst aber mas­siv von Über­nah­me­ge­rüch­ten und ge­wan­nen seit An­fang Jahr 40%.

Te­me­nos N

Auch wenn ein Zu­sam­men­ge­hen öko­no­misch Sinn er­gibt, letzt­lich wird der Über­nah­me­preis bzw. das Ak­ti­en­tausch­ver­hält­nis ent­schei­dend sein, ob die Trans­ak­ti­on über die Büh­ne geht. Ist die Bör­sen­ka­pi­ta­li­sie­rung am Don­ners­tag­abend aus­schlag­ge­bend, wer­den die Te­me­nosAk­tio­nä­re den Kür­ze­ren zie­hen. Denn mit ei­ner Ka­pi­ta­li­sie­rung von rund 1,3 Mrd. $ war Te­me­nos deut­lich leich­ter als Mi­sys mit 1,7 Mrd. $. Vor die­sem Hin­ter­grund ist es al­les an­de­re als si­cher, dass sich die bei­den Un­ter­neh­men in ih­ren Fu­si­ons­ge­sprä­chen ei­nig wer­den. Die Ver­hand­lun­gen könn­ten zu­dem wei­te­re Kauf­in­ter­es­sen­ten auf den Plan ru­fen.

Heis­ser Kan­di­dat wä­re et­wa Fi­de­li­ty Na­tio­nal In­for­ma­ti­on Ser­vices (FIS), die Mi­sys be­reits im letz­ten Som­mer über­neh­men woll­ten. Die Trans­ak­ti­on schei­ter­te schliess­lich an den un­ter­schied­li­chen Preis­vor­stel­lun­gen. Nach­dem die Sperr­frist für ein wei­te­res Über­nah­me­an­ge­bot am 4. Fe­bru­ar ab­läuft, könn­te FIS noch­mals ein An­ge­bot auf den Tisch le­gen. Ist der Preis für Mi­sys at­trak­tiv ge­nug, wä­ren die Ge­sprä­che mit Te­me­nos wohl Ma­ku­la­tur. Ein Zu­sam­men­ge­hen von Mi­sys und Te­me­nos könn­te zu­dem die Wett­be­werbs­be­hör­den auf den Plan ru­fen. Ge­mäss Mor­gan St­an­ley wür­den die bei­den rund ein Drit­tel des Mark­tes kon­trol­lie­ren.

Auch wenn die Fu­si­ons­ge­sprä­che zwi­schen Te­me­nos und Mi­sys po­si­tiv zu be­ur­tei­len sind: Noch sind zu vie­le De­tails un­klar, als dass sich die Te­me­nos-ak­tio­nä­re un­ge­trübt freu­en könn­ten.

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