Kein «li­ke» für Face­book-ipo

USA Das so­zia­le Netz­werk will an die Bör­se – Star­kes Wachs­tum, ho­he Pro­fi­ta­bi­li­tät – Al­ler­dings ist die Be­wer­tung zu hoch

Finanz und Wirtschaft - - TECHNOLOGIE - FRANK HEINIGER

Lan­ge wur­de dar­über spe­ku­liert. Nun steht der gros­se Mo­ment we­ni­ge Mo­na­te be­vor: Face­book wagt den Schritt an den Ak­ti­en­markt. Zu die­sem Zweck hat das so­zia­le Netz­werk erst­mals de­tail­lier­te Ein­bli­cke in den Ge­schäfts­gang ge­währt. Das Sec-for­mu­lar S-1 be­weist: Face­book ist tat­säch­lich so pro­fi­ta­bel wie er­war­tet. Das än­dert nichts dar­an, dass die an­ge­streb­te Be­wer­tung zu hoch ist – und sich ein En­ga­ge­ment für pri­va­te In­ves­to­ren kaum lohnt.

Die Zah­len sind be­ein­dru­ckend. 2011 hat Face­book den Um­satz auf 3,7 Mrd. $ fast ver­dop­pelt und ei­ne ope­ra­ti­ve Ge­winn­mar­ge von 47% er­zielt (vgl. Gra­fik 1). Die gröss­te Ein­nah­me­quel­le – 85% des Um­sat­zes – ist die Ban­ner­wer­bung, die par­al­lel zur Nut­zung ein­ge­blen­det wird. Den Rest tra­gen Dritt­par­tei­en bei, die das so­zia­le Netz­werk als Platt­form nut­zen.

Da­zu zählt vor al­lem der Spie­le­kon­zern Zyn­ga, der mit Face­book ei­ne en­ge Be­zie­hung un­ter­hält und 2011 für 12% der Ein- nah­men ver­ant­wort­lich war. In sei­nen Ti­teln wie «Farm­vil­le» kön­nen mit rea­lem Geld vir­tu­el­le Gü­ter ge­kauft wer­den. Das ge­schieht über so­ge­nann­te Cre­dits, von de­nen Face­book 30% ab­zweigt. Zu­dem ist kein an­de­rer Part­ner für ein hö­he­res Wer­be­vo­lu­men ver­ant­wort­lich.

Das Netz wächst und wächst

Face­book ver­fügt über ei­ne rie­si­ge, ste­tig wach­sen­de Fan­ge­mein­de. Die Zahl der Be­su­cher, die sich min­des­tens ein­mal pro Mo­nat ein­wäh­len, hat sich per En­de 2011 auf 845 Mio. er­höht (vgl. Gra­fik 2). Da­von ge­hö­ren rund 57% zu den täg­li­chen Nut­zern. Trotz­dem sind in den west­li­chen Län­dern ers­te Sät­ti­gungs­ten­den­zen zu er­ken­nen. Es ist vor al­lem den Schwel­len­märk­ten zu­zu­schrei­ben, dass bald die Mar­ke von 1 Mrd. über­sprun­gen wird. Hier dürf­ten – wie vie­ler­orts be­reits ge­sche­hen – lo­kal ent­wi­ckel­te In­ter­net-netz­wer­ke ver­drängt wer­den.

Das Haupt­ar­gu­ment, das Face­book den Wer­be­kun­den ver­mit­teln kann, ist die ziel- ge­naue An­spra­che. Der Kon­zern von CEO Mark Zu­cker­berg weiss über sei­ne Nut­zer wie kaum ein an­de­rer Be­scheid. Al­ler­dings ist die Wer­be­wir­kung noch schwach: Stu­di­en schät­zen, dass im Schnitt nur je­des zwei­tau­sends­te Ban­ner an­ge­klickt wird. Das ist rund halb so viel wie im In­ter­net üb­lich. Das schlägt sich im ge­rin­gen Um­satz pro Nut­zer nie­der, der 2011 nur knapp über 5 $ lag.

Um die­sen Be­trag zu stei­gern, muss Face­book da­für sor­gen, dass sich die Teil­neh­mer stär­ker ein­bin­den las­sen. Da­zu zählt et­wa, die ei­ge­nen Mar­ken- und Kon­sum­prä­fe­ren­zen of­fen­zu­le­gen. Auch muss die Wer­bung künf­tig wohl of­fen­si­ver ein­ge­setzt wer­den. Zu weit darf Face­book da­bei nicht ge­hen: Ei­ne stär­ke­re Kom­mer­zia­li­sie­rung dürf­te vie­le User ver­är­gern.

Ein wei­te­res Ri­si­ko ist, dass im­mer mehr Per­so­nen über Smart­pho­nes auf das so­zia­le Netz­werk zu­grei­fen – ge­mäss Kon­zern­an­ga­ben sind es be­reits über 400 Mio. Bis­lang hat Face­book auf den mo­bi­len Platt­for­men auf Wer­be­ban­ner ver­zich­tet. Das lässt sich zwar leicht än­dern. Trotz­dem ist hier das Er­trags­po­ten­zi­al tie­fer als beim Sur­fen über den hei­mi­schen Com­pu­ter – ein Pro­blem, mit dem auch Goog­le in der In­ter­net-su­che zu kämp­fen hat.

Laut Sec-ein­ga­be plant Face­book, über den Bör­sen­gang 5 Mrd. $ auf­zu­neh­men. Das ist ein rei­ner Pro-for­ma-be­trag, der kurz­fris­tig er­höht wer­den kann. Ei­ne Ka­pi­tal­auf­nah­me von bis zu 10 Mrd. $ scheint durch­aus plau­si­bel. Je­den­falls ist be­reits klar, dass Face­book zum gröss­ten Bör­sen­gang im In­ter­net-sek­tor avan­ciert. Bis­lang hielt World On­line mit ei­nem Emis­si­ons­vo­lu­men von 2,8 Mrd. $ den Re­kord (vgl. Ta­bel­le). Das IPO des nie­der­län­di­schen In­ter­net-pro­vi­ders ent­pupp­te sich al­ler­dings als De­sas­ter. Der Kon­zern ging kurz dar­auf – nach dem Plat­zen der In­ter­net-bla­se – im Ri­va­len Tis­ca­li auf.

Teu­rer als Goog­le an­no 2004

Der Pro­spekt bie­tet kaum Hin­wei­se, wo­für Face­book die auf­ge­nom­me­nen Mit­tel ein­set­zen will. Man ha­be kei­ne «spe­zi­fi­schen Aus­ga­ben» ge­plant, heisst es la­pi­dar. Der not­wen­di­ge In­fra­struk­tur­aus­bau, der mit der Ex­pan­si­on ein­her­geht, ist auf je­den Fall nicht güns­tig: 2011 hat Face­book rund 600 Mio. $ aus­ge­ge­ben, um Da­ten­zen­tren auf­zu­bau­en und Ser­ver, Netz­werk­aus­rüs­tung und Spei­cher zu kau­fen.

Da die fi­na­len Ipo-kon­di­tio­nen noch nicht be­kannt sind, kann der Bör­sen­wert nur ge­schätzt wer­den. Ge­mäss jüngs­ten Trans­ak­tio­nen im Se­kun­där­markt wird Face­book ei­ne Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung von 75 bis 100 Mrd. $ zu­ge­traut. Das scheint teu­er. Dem hal­ten bul­lish ein­ge­stell­te Ana­lys­ten ent­ge­gen, man ha­be beim Bör­sen­gang Googles 2004 eben­falls von ei­ner Über­be­wer­tung ge­spro­chen – und die spä­te­re Kurs­ral­ly ha­be die Skep­ti­ker an­schlies­send ei­nes Bes­se­ren be­lehrt.

Das Ar­gu­ment Goog­le ist je­doch kaum ge­recht­fer­tigt. Das un­ter­streicht ein Blick auf die Kenn­zah­len: Nimmt man ei­nen Markt­wert von 100 Mrd. $ als Be­zugs­grös­se, wä­re der Um­satz 2011 von Face­book dar­in rund 27-mal ent­hal­ten. Goog­le wies zum ver­gleich­ba­ren Zeit­punkt ein mo­de­ra­te­res Ver­hält­nis von 9 auf – ob­schon Goog­le in den sie­ben Jah­ren nach der Grün­dung deut­lich hö­he­re Wachs­tums­ra­ten er­reich­te (vgl. Gra­fik 3).

Face­book muss zu­ge­stan­den wer­den, ei­ne hö­he­re Pro­fi­ta­bi­li­tät als Goog­le auf­zu­wei­sen, de­ren Be­triebs­mar­ge da­mals zwi­schen 30 und 40% pen­del­te. Doch der ope­ra­ti­ve Ge­winn 2011 ist rund 57-mal im Bör­sen­wert ent­hal­ten. Ein selbst für die­se Ex­pan­si­ons­ra­ten zu ho­hes Ver­hält­nis. Für Pri­vat­an­le­ger gilt des­halb, das Face­boo­kIPO aus der Fer­ne zu be­trach­ten.

Ge­schäfts­gang Face­book

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