So­ny steht vor Um­bruch

JA­PAN

Finanz und Wirtschaft - - TECHNOLOGIE - FRI,

Nach fast sie­ben Jah­ren mit ei­nem Aus­län­der an der Spit­ze wird So­ny ab April wie­der von ei­nem Ja­pa­ner ge­führt. Der Wech­sel von Ho­ward Stringer zu Ka­zuo Hi­rai ist die wohl letz­te Chan­ce für Ja­pans frü­he­re Fir­me­ni­ko­ne, den Rück­stand auf Ri­va­len wie App­le und Samsung auf­zu­ho­len.

Die Bör­se traut dem hoch­ge­wach­se­nen Ja­pa­ner die Wen­de zu. Am Frei­tag re­agier­ten die Ak­ti­en auf Hi­rais An­kün­di­gung von «sehr schmerz­haf­ten» Ent­schei­dun­gen mit ei­nem Sprung von 8%. Der 51-Jäh­ri­ge will das Kern­ge­schäft mit Elek­tro­nik stär­ken und In­no­va­tio­nen be­schleu­ni­gen. Als Bei­spiel nann­te er neue Smart­pho­nes, die man nach der Tren­nung von Erics­son künf­tig al­lein ent­wi­ckeln wird.

Schlech­te Bi­lanz von Stringer

Die Bi­lanz der Stringer-ära fällt de­pri­mie­rend aus, auch wenn der ge­bür­ti­ge Wa­li­ser mit den De­sas­tern in Ja­pan und Thai­land, den Ha­cker­an­grif­fen und dem star­ken Yen viel Pech hat­te. Seit sei­nem Amts­an­tritt 2005 ist So­nys Bör­sen­wert um zwei Drit­tel ge­schrumpft. Im lau­fen­den Ge­schäfts­jahr, das in acht Wo­chen en­det, dürf­te man net­to rund 220 Mrd. Yen ver­lie­ren. Es wä­re der vier­te Jah­res­ver­lust in Fol­ge. Das hat es seit dem Bör­sen­gang 1958 nicht ge­ge­ben. Der Um­satz soll zum Vor­jahr um 11% auf 6,4 Bio. Yen (71 Mrd. Fr.) sin­ken – und da­mit un­ter das Ni­veau von 2004.

So­ny ist ein Me­di­en- und Fi­nanz­kon­zern mit ei­nem un­pro­fi­ta­blen Elek­tro­nik­klotz am Bein. Die Tv-spar­te ver­brennt seit acht Jah­ren Geld und wird dies wohl noch bis Früh­jahr 2014 tun. Auch die üb­ri­ge Elek­tro­nik schwä­chelt. Die Ab­satz­pro­gno­sen für Ka­me­ras, Com­pu­ter und Kon­so­len wur­den ge­senkt. Es feh­len ech­te Hit­pro­duk­te. Im­mer­hin star­te­te die neue trag­ba­re Play­s­ta­ti­on Vi­ta in Ja­pan stark.

Hi­rai als Brü­cken­bau­er

Hi­rai dürf­te ei­ne Brü­cke zwi­schen der in Ja­pan ent­wi­ckel­ten Hard­ware und den in den USA pro­du­zier­ten Mu­sik- und Filmin­hal­ten von So­ny sein. Er pen­delt zwi­schen To­kio und Ka­li­for­ni­en, wo sei­ne Frau und die Kin­der le­ben. 1984 hat­te sich der Sohn ei­nes Ban­kers um ei­nen Job bei So­nys Mu­sik­spar­te be­wor­ben, weil man «bei der Ar­beit Je­ans trug». Sein per­fek­tes Eng­lisch er­leich­ter­te ihm spä­ter den Auf­stieg zum Us-chef von So­ny En­ter­tain­ment.

Für die Nach­fol­ge von Stringer emp­fahl er sich durch die Sa­nie­rung des Spie­le­ge­schäfts: 2010 kehr­te die Spar­te nach mehr­jäh­ri­gen Ver­lus­ten in die Ge­winn­zo­ne zu­rück. Da­nach bau­te Hi­rai nach dem Vor­bild von App­les itu­nes die On­line-platt­form So­ny En­ter­tain­ment Net­work auf. Über das Por­tal ver­teilt So­ny die Me­di­en­in­hal­te an der­zeit 90 Mio. Kun­den.

Hi­rai gilt als dia­log­be­rei­ter Ma­na­ger, der zu Ta­bu­brü­chen be­reit ist. Man wer­de al­le Ge­schäf­te «kühl» ana­ly­sie­ren und not­falls ein­zel­ne Spar­ten ver­kau­fen oder sich Part­ner su­chen. Das chro­nisch de­fi­zi­tä­re Tv-ge­schäft will er durch Kos­ten­ein­spa­run­gen sa­nie­ren. Statt Hard­ware müs­se So­ny Nut­zer­er­fah­rung ver­kau­fen, for­dert Hi­rai. Da­für kon­zen­triert er die Ent­wick­lung für al­le Elek­tro­nik­pro­duk­te erst­mals in der Zen­tra­le. Bis an­hin ent­wi­ckel­ten die Spar­ten ih­re Ge­rä­te un­ab­hän­gig von­ein­an­der. Was Hi­rai selbst ei­ne «Zei­ten­wen­de» nennt, spricht Bän­de über den lang­sa­men Wan­del bei So­ny. Schon Stringer hat­te die De­vi­se von «So­ny Uni­ted» aus­ge­ge­ben, um die Si­lomen­ta­li­tät zu über­win­den. Nur wenn Hi­rai es schafft, dass bei So­ny al­le an ei­nem Strang zie­hen, kann der Tur­naround ge­lin­gen.

Face­book wächst stark, doch in ein­zel­nen Län­dern stellt sich lang­sam ei­ne Sät­ti­gung ein.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.