Vol­cker Ru­le ge­rät von un­er­war­te­ter Sei­te un­ter Be­schuss

USA Gross­bri­tan­ni­en, Ka­na­da und Ja­pan mel­den Be­den­ken zur Us-fi­nanz­markt­re­form an – Ge­setz zur Un­ter­bin­dung des Ei­gen­han­dels wird im­mer kom­pli­zier­ter

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - CHRIS­TOPH GISIGER,

Die Us-fi­nanz­markt­re­form Dodd-frank hält die Wall­s­treet-ban­ken auf Tr­ab. So soll bei­spiels­wei­se die Vol­cker-re­gel den Ei­gen­han­del mit Wert­schrif­ten, De­ri­va­ten und Roh­stof­fen ein­schrän­ken. Bran­chen­rie­sen wie J. P. Mor­gan Cha­se, Gold­man Sachs oder Mor­gan St­an­ley kämp­fen hef­tig ge­gen die­se Plä­ne an – und er­hal­ten von über­ra­schen­der Sei­te Schüt­zen­hil­fe: Die Fi­nanz­markt­auf­sicht hat di­cke Post aus dem Aus­land er­hal­ten.

Aus ver­schie­dens­ten Ecken der Welt mel­den Re­gie­run­gen und Re­gu­la­to­ren Be­den­ken zur Vol­cker-re­gel an. Der Grund­te­nor lau­tet: Die glo­ba­len Fi­nanz­märk­te könn­ten we­ni­ger li­qui­de wer­den, wenn die ame­ri­ka­ni­schen Ban­ken – und ge­wis­se in den USA ak­ti­ve Aus­lands­in­sti­tu­te – im Wert­schrif­ten­han­del ein­ge­schränkt wer­den. Ge­meint ist pri­mär der Markt für Staats­an­lei­hen. Ein dün­ne­res Han­dels­vo­lu­men könn­te zu hö­he­ren Kurs­schwan­kun­gen und stei­gen­den Ri­si­ko­prä­mi­en füh­ren. Das wie­der­um wür­de die Ren­di­ten im Bond­markt nach oben trei­ben und so die Fi­nan­zie­rungs­kos­ten vie­ler Staa­ten er­hö­hen, wird ar­gu­men­tiert. Kri­tik an der Vol­cker-re­gel kommt vor al­lem aus Ja­pan, Gross­bri­tan­ni­en und Ka­na­da. Der bri­ti­sche Schatz­mi­nis­ter Ge­or­ge Os­bor­ne et­wa hat Us-zen­tral­bank­chef Ben Bernan­ke in ei­nem Schrei­ben un­längst zu ei­nem «ak­ti­ve­ren Dia­log» über die Aus­wir­kun­gen der Ein­schrän­kun­gen im Ei­gen­han­del auf­ge­for­dert.

«Un­fai­re» Aus­nah­men?

Ähn­lich äus­sert sich Eu-bin­nen­markt­kom­mis­sar Mi­chel Bar­nier. Er meint so­gar, die Vol­cker-re­gel wer­de die eu­ro­päi­sche Staats­schul­den­kri­se ver­schär­fen. Vor ei­nem un­güns­ti­gen Ein­fluss auf den Markt für Schatz­pa­pie­re war­nen auch die Zen­tral­ban­ken von Ja­pan und Ka­na­da. Als un­fair emp­fun­den wird, dass der Han­del mit ame­ri­ka­ni­schen Staats­an­lei­hen von der Re­gel aus­ge­nom­men wer­den soll.

Die Ein­sprü­che ver­deut­li­chen, wie schwie­rig es ist, ei­nen Kern­punkt der USFi­nanz­markt­re­form in die Pra­xis um­zu­set­zen. Die Vol­cker-re­gel, be­nannt nach dem frü­he­ren Us-no­ten­bank­prä­si­den­ten Paul Vol­cker, soll ver­hin­dern, dass Gross- ban­ken ihr ei­ge­nes Ka­pi­tal aufs Spiel set­zen und sich in gros­sem Um­fang an Hedge Funds so­wie Pri­va­te-equi­ty-fonds be­tei­li­gen. Im Nach­gang der Fi­nanz­kri­se wird da­mit ver­sucht, Brand­mau­ern im Fi­nanz­sys­tem ein­zu­bau­en und Grund­pro­ble­me wie das Ein­ge­hen ex­zes­si­ver Ri­si­ken, In­ter­es­sen­kon­flik­te in Ge­schäf­ten mit Kun­den so­wie fehl­ge­lei­te­te Ver­gü­tungs­prak­ti­ken an der Wur­zel zu pa­cken. Ur­sprüng­lich auf drei Sei­ten kon­zen­triert, sind in den Ge­set­zes­ent­wurf in­zwi­schen der­art vie­le Er­gän­zun­gen und Aus­nah­men ein­ge­flos­sen, dass er fast drei­hun­dert Sei­ten um­fasst.

Dass die Vol­cker-re­gel wie vor­ge­se­hen im Ju­li in Kraft tritt, wird da­her zu­se­hends un­wahr­schein­li­cher. Oh­ne­hin sind in der Um­set­zung des ge­sam­ten Dodd-fran­kGe­set­zes bis­lang mehr als 70% al­ler Termine nicht ein­ge­hal­ten wor­den. En­de 2011 muss­te das Fe­deral Re­ser­ve als obers­ter Re­gu­la­tor des Us-fi­nanz­markts auch die Frist für Ein­ga­ben zur Vol­cker-re­gel bis zum 13. Fe­bru­ar ver­län­gern.

Das Ar­gu­ment ge­gen ein Ver­bot des Ei­gen­han­dels – Li­qui­di­täts­man­gel im Bond­han­del – ist nicht neu. Ame­ri­ka­ni­sche Gross­ban­ken ma­chen sich an­geb­lich ent­spre­chen­de Sor­gen für den Han­del mit Un­ter­neh­mens­an­lei­hen. Zu­dem war­nen sie vor Nach­tei­len im in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werb (vgl. In­ter­view auf Sei­te 14).

Ab­wä­gen von Ri­si­ken

Us-re­gu­la­to­ren wie No­ten­bank­gou­ver­neur Da­ni­el Ta­rul­lo re­la­ti­vie­ren sol­che Be­den­ken. Er räum­te zwar vor kur­zem ein, dass Mar­gen im Han­del durch die Vol­ckerRe­gel leicht sin­ken könn­ten. Der Ef­fekt auf die Märk­te hän­ge je­doch pri­mär da­von ab, wie gut die Auf­sichts­be­hör­den ih­ren Job mach­ten, gab er vor ei­nem Aus­schuss zu Pro­to­koll. Auch Öko­no­men äus­sern Zwei­fel am Ar­gu­ment der Ban­ken: «Die Be­fürch­tun­gen sind weit­ge­hend über­trie­ben», meint et­wa Si­mon John­son, Pro­fes­sor am MIT und ehe­ma­li­ger IWF-CHEF­öko­nom. Stei­gen Gross­ban­ken aus dem Ei­gen­han­del aus, wer­den an­de­re Markt­teil­neh­mer das Ge­schäft über­neh­men, wand­te er Mitte Ja­nu­ar wäh­rend ei­ner An­hö­rung in Washington ein. Zu­dem müs­se man die Kos­ten ei­ner et­was ge­rin­ge­ren Markt­li­qui­di­tät ge­gen das Ri­si­ko ei­nes Kol­lap­ses im Fi­nanz­sys­tem ab­wä­gen.

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