Mit We­ge­lin-kla­ge wird Ton rau­er

SCHWEIZ Staats­an­walt­schaft in Man­hat­tan wirft Bank We­ge­lin Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung vor – Schlech­tes Omen für Steu­er­streit

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - THO­MAS WYSS

Kla­ge ge­gen die Bank We­ge­lin. Noch vor zehn Ta­gen wä­re das ei­ne Angst ma­chen­de Schlag­zei­le ge­we­sen. Ei­ne Kla­ge ge­gen die äl­tes­te Schwei­zer Pri­vat­bank hät­te zu ei­nem Ban­krun auf We­ge­lin füh­ren kön­nen – mit Kon­se­quen­zen für den ge­sam­ten Fi­nanz­platz. Nun wur­de am Don­ners­tag­abend tat­säch­lich ei­ne Kla­ge ge­gen We­ge­lin ein­ge­reicht. Nach­dem die nicht­ame­ri­ka­ni­schen Ak­ti­vi­tä­ten vor Wo­chen­frist je­doch in ein an­de­res In­sti­tut na­mens No­ten­stein über­tra­gen wur­den, hal­ten sich die Aus­wir­kun­gen in Gren­zen. Trotz­dem ist die­se Kla­ge ge­eig­net, neue Be­den­ken rund um die­sen Steu­er­streit zu näh­ren.

Nicht ge­gen Teil­ha­ber

Das Gu­te vor­weg. Die Staats­an­walt­schaft in Man­hat­tan wirft We­ge­lin zwar vor, rei­chen Ame­ri­ka­nern ge­hol­fen zu ha­ben, min­des­tens 1,2 Mrd. $ vor dem ame­ri­ka­ni­schen Fis­kus ver­steckt zu ha­ben. Die Kla­ge ge­gen We­ge­lin & Co. ist je­doch kei­ne Ka­ta­stro­phe für die ge­schäfts­füh­ren­den Teil­ha­ber (die nun die Rumpf­bank noch ver­wal­ten) und auch kei­ne Über­ra­schung. Sie wis­sen nun, wor­an sie sind. Mit ei­ner ge­wis­sen Er­leich­te­rung kön­nen sie zur Kennt­nis neh­men, dass die An­kla­ge nicht ge­gen die ge­schäfts­füh­ren­den Teil­ha­ber, son­dern ge­gen We­ge­lin & Co. ein­ge­reicht wur­de. In der Sa­che selbst wer­den ih­re An­wäl­te wohl ver­su­chen, ei­nen Plea Bar­gain zu er­wir­ken: Ge­richt, Staats­an­walt­schaft und Ver­tei­di­gung ei­ni­gen sich auf ei­nen De­al. Die An­ge­klag­ten wer­den ge­wis­se An­kla­ge­punk­te zu­ge­ben, um in an­de­ren Kon­zes­sio­nen er­hal­ten. Und schliess­lich wer­den UBS in der An­kla­ge­schrift als Kor­re­spon­denz­bank von We­ge­lin er­wähnt. UBS kann dar­aus je­doch kein Strick ge­dreht wer­den.

Da­mit sind die «Good News» al­ler­dings schon er­zählt. Al­les an­de­re ist we­ni­ger er­freu­lich. Zu­erst ein­mal stellt sich die Fra­ge, wes­halb die Kla­ge ge­ra­de jetzt ein­ge­reicht wur­de. In der Fi­nanz­welt wird da­von aus­ge­gan­gen, dass sich in ihr die Frus­tra­ti­on der Ame­ri­ka­ner über das Schwei­zer Vor­ge­hen im Steu­er­streit spie­gelt.

Grund­sätz­lich sind die Ame­ri­ka­ner nach wie vor ir­ri­tiert da­von, dass die im Ubs-staats­ver­trag ab­ge­ge­be­nen Ver­spre­chen über ei­ne ra­sche Be­ar­bei­tung von Amts­hil­fe­ge­su­chen nicht mehr gel­ten sol­len und die Über­mitt­lung von Na­men von Steu­er­sün­dern von Be­din­gun­gen ab­hän­gig ge­macht wird: Für al­le Schwei­zer In­sti­tu­te soll ei­ne Glo­bal­lö­sung er­wirkt wer­den.

Dass sich die Schwei­zer nicht auf die Ab­ma­chung im Ubs-ver­trag be­ru­fen, er­staunt um­so mehr, als der Kreis der Be­trof­fe­nen klei­ner wä­re: Im Ubs-ver­trag wa­ren Kun­den, die nur Steu­er­hin­ter­zie­hung, aber kei­nen Steu­er­be­trug be­gan­gen ha­ben, nur dann be­trof­fen, wenn sie ein Kon­to­ver­mö­gen von über 1 Mio. Fr. hat­ten und Ka­pi­tal­ein­künf­te von min­des­tens 100 000 Fr. wäh­rend drei­er Jah­re er­ziel­ten. Mit dem nun ein­ge­schla­ge­nen Weg soll die Schwel­le je­doch auf 50 000 Fr. lie­gen, und die Hö­he der hin­ter­zo­ge­nen Ka­pi­tal­ein­künf­te spielt kei­ne Rol­le – be­trof­fen ist al­so qua­si je­der Us-kun­de.

So viel zur grund­sätz­li­chen Ir­ri­ta­ti­on der USA. Die jüngs­te Ent­wick­lung ( Ver­schie­bung der Ver­mö­gens­wer­te zu No­ten­stein, Über­mitt­lung co­dier­ter Da­ten) scheint eben­falls nicht zu ei­ner Ver­bes­se­rung des Ver­hält­nis­ses bei­ge­tra­gen zu ha­ben. Der Trans­fer der We­ge­lin-ak­ti­vi­tä­ten un­ter das Dach von Raiffeisen wur­de in den USA eben­falls nicht als Zei­chen des Ver­trau­ens ge­wer­tet – und war auch nicht, ent­ge­gen ers­ten Mel­dun­gen, mit dem USJus­tiz­de­par­te­ment ab­ge­spro­chen.

Was die Über­mitt­lung der Da­ten be­trifft, so kann aus ame­ri­ka­ni­scher Sicht zwar fest­ge­stellt wer­den, dass es zu ei­nem Da­ten­trans­fer kommt und kam. Dass die Da­ten teil­wei­se co­diert wur­den, stellt für die USA zwar kein Pro­blem war – die USA kna­cken je­den Co­de. Das wird je­doch als Ver­zö­ge­rungs­tak­tik ge­se­hen.

Ju­li­us Bär, ZKB, Bas­ler KB?

Dass der Steu­er­streit das Ver­hält­nis zwi­schen den USA und der Schweiz trüb­te, gibt je­doch ein un­gu­tes Ge­fühl für die Zu­kunft. Be­un­ru­hi­gend ist, dass die An­kla­ge­schrift mit kleins­tem Auf­wand er­stellt wur­de und sich sehr an die An­kla­ge­schrift ge­gen drei Mit­ar­bei­ter, die An­fang Ja­nu­ar ver­öf­fent­licht wur­de, an­lehnt.

Mit­ar­bei­ter an­de­rer In­sti­tu­te (CS, Ju­li­us Bär) wur­den eben­falls mit Kla­gen ein­ge­deckt. So ge­se­hen könn­ten auch hier oh­ne gros­sen Auf­wand Kla­gen ge­gen die In­sti­tu­te er­stellt wer­den, wo­mit sich Markt­ge­rüch­te teil­wei­se be­stä­ti­gen wür­den, Ju­li­us Bär, die Zürcher Kan­to­nal­bank und die Bas­ler Kan­to­nal­bank stün­den nun im Fo­kus der USA. Al­ler­dings wird in die­sem Zu­sam­men­hang dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Un­ge­rech­tig­keits­ge­halt des Vor­ge­hens der We­ge­lin-mit­ar­bei­ter grös­ser war, und an­ge­deu­tet wur­de, dass das Un­ter­neh­men eben­falls ei­nen Teil der Schuld trägt.

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