Kei­ne Ab­schieds­ga­la Acker­manns

DEUTSCH­LAND In­vest­ment Ban­king wirft Deut­sche Bank zu­rück – Ho­he Rechts­kos­ten – Um­strit­te­ne Ka­pi­tal­stär­ke – Ak­ti­en nicht kau­fen

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - AR­NO SCHMOCKER,

Ei­ne «Acker­mann-ab­schieds­show» En­de Mai an der Ge­ne­ral­ver­samm­lung soll es nicht ge­ben. Zum Fei­ern gab es an der zehn­ten und letz­ten Bi­lanz­pres­se­kon­fe­renz des Chief Exe­cu­ti­ve Of­fi­cer (CEO) der Deut­schen Bank eben­falls we­nig An­lass. Zu deut­lich war das Ge­winn­ziel 2011 ver­fehlt wor­den.

Im­mer­hin reich­te es für ein «Teil-ab­schieds­ge­schenk», wie es Jo­sef Acker­mann nann­te. Zwar nicht für die Ak­tio­nä­re, die sich mit ei­ner un­ver­än­der­ten Di­vi­den­de be­gnü­gen müs­sen. Aber um den Nach­fol­gern Acker­manns das zu­kunfts­ge­rich­te­te Ar­bei­ten et­was zu er­leich­tern, wur­den Ab­schrei­bun­gen und der Ab­schluss von Rechts­ver­glei­chen be­schleu­nigt. Sie kos­te­ten die Bank 2011 über 900 Mio. €.

Alt­las­ten ab­bau­en

Da in den kom­men­den Jah­ren wei­te­re Rechts­strei­tig­kei­ten dro­hen, wur­de 1 Mrd. € zu­sätz­lich zu­rück­ge­stellt. Wohl ist die Deut­sche Bank oh­ne di­rek­te Staats­hil­fe durch die Fi­nanz­kri­se ge­kom­men und hat mit Aus­nah­me von 2008 kei­ne ko­los­sa­len Ver­lus­te er­lit­ten. Doch die Be­wäl­ti­gung von Alt­las­ten wird dau­ern.

Wäh­rend Acker­mann sich Mitte Jahr noch zu­ver­sicht­lich ge­zeigt hat­te, dass die Deut­sche Bank 2011 ei­nen Vor­steu­er­ge­winn von 10 Mrd. € er­rei­chen wer­de, blieb sie zum Schluss klar da­von ent­fernt. Ne­ben dem Auf­wand für Rechts­fäl­le schlug sich die Flau­te im In­vest­ment Ban­king (IB) un­güns­tig nie­der. Der Be­reich ar­bei­te­te im letz­ten Quar­tal ope­ra­tiv knapp un­ter der Ge­winn­schwel­le, ver­bucht wur­de ein Ver­lust von 422 Mio. €.

Ib-chef Ans­hu Jain, der sich ab Ju­ni das CEO-AMT mit dem Deut­schen Jür­gen Fit­schen teilt, be­zeich­ne­te das Re­sul­tat als «ent­täu­schend». Die Ana­lys­ten von J. P. Mor­gan wa­ren gar «sehr ent­täuscht». Es sei Jain nicht ge­lun­gen, die Kos­ten­ba­sis im vier­ten Quar­tal ge­nü­gend rasch zu sen­ken. Im Kon­kur­renz­ver­gleich fällt die Bank al­ler­dings nicht ab. Ge­mäss den bis­her ver­öf­fent­lich­ten Re­sul­ta­ten hat sie Markt­an­tei­le er­obert und Gold­man Sachs und Ci­ti­group in Sa­chen Er­trag über­holt. Nur J. P. Mor­gan ge­wann noch mehr hin­zu.

Acker­mann sieht das In­vest­ment Ban­king der Deut­schen Bank da­her «gut po­si­tio­niert». Vie­le Wett­be­wer­ber sei­en da­bei, die­ses Ge­schäft ab­zu­bau­en oder ganz auf­zu­ge­ben. Sein In­sti­tut sei ei­nes von ganz we­ni­gen welt­weit, das auch künf­tig die ge­sam­te Pa­let­te an Di­enst-

Kon­zern­be­rei­che leis­tun­gen im In­vest­ment Ban­king an­bie­ten wer­de. Für ver­mehr­ten Aus­gleich im Kon­zern­er­geb­nis sol­len die üb­ri­gen Be­rei­che sor­gen. Sie er­ziel­ten 2001 zum Teil ein Re­kord­er­geb­nis und wie­sen zu­sam­men­ge­nom­men mehr als die Hälf­te des Vor­steu­er­ge­winns aus. Die Über­nah­me von Post­bank, Sal. Op­pen­heim und das von ABN Am­ro er­wor­be­ne Fir­men­kun­den­ge­schäft in den Nie­der­lan­den scheint sich mit Blick auf die Sta­bi­li­tät des Er­trags und die Re­fi­nan­zie­rung zu loh­nen.

«Auf Ba­sel III vor­be­rei­tet»

Deut­lich ver­bes­sert ar­bei­te­te auch die Ver­mö­gens­ver­wal­tung (Pri­va­te Ban­king und As­set Ma­nage­ment). Ihr Ge­wicht im Kon­zern bleibt aber be­schei­den, ge­ra­de auch im Ver­gleich zu den bei­den Schwei­zer Gross­ban­ken. Zur an­ge­kün­dig­ten stra­te­gi­schen Über­prü­fung des As­set Ma­nage­ment gab es kei­ne Neu­ig­kei­ten. Ein Teil­ver­kauf wür­de das stra­te­gi­sche Pro­fil und die Ei­gen­mit­tel­si­tua­ti­on des Kon­zerns oh­ne­hin nicht spür­bar ve­rän­dern.

«Wir sind mit Ka­pi­tal kom­for­ta­bel aus­ge­stat­tet und auch auf die Ba­sel-iii-vor­schrif­ten gut vor­be­rei­tet», be­ton­te Acker­mann. Auf Ba­sis von Ba­sel 2.5 er­füllt die Bank zwar die Vor­ga­ben der Eu­ro­päi­schen Ban­ken­auf­sichts­be­hör­de (EBA) be­reits. Mit Blick auf das Re­gel­werk Ba­sel III al­ler­dings, das 2013 in Kraft tritt, ver­wei­sen Be­rech­nun­gen von Fi­nanz­ana­lys­ten das gröss­te Geld­haus Deutsch­lands mit ei­ner Kern­ka­pi­tal­quo­te von un­ter 8% auf die hin­te­ren Plät­ze im Feld der Gross­ban­ken. Acker­mann be­teu­er­te, bis En­de Mai kön­ne er ei­ne Ka­pi­tal­er­hö­hung aus­schlies­sen, «so­fern nicht et­was ganz Schlim­mes ge­schieht». Aber da­nach?

Die Ak­ti­en der Deut­schen Bank ha­ben sich in den letz­ten Jah­ren zu Recht bes­ser (bzw. we­ni­ger schlecht) als die Pa­pie­re der Kon­kur­renz ent­wi­ckelt. Ein Plus­punkt des Kon­zerns, der­je­ni­ge der Sta­bi­li­tät im Ma­nage­ment, fällt mit dem Ab­gang von Acker­manns al­ler­dings weg. Ei­ne Dop­pel­spit­ze ist zu­dem sub­op­ti­mal. Das zeigt auch das Bei­spiel der Cre­dit Suis­se: Das Tan­dem Os­wald Gr­ü­bel und John Mack hat­te 2003/04 bloss 18 Mo­na­te Be­stand.

CEO Jo­sef Acker­mann (Mitte) hört En­de Mai auf. Ans­hu Jain, künf­ti­ger CO-CEO (links), und Fi­nanz­chef Ste­fan Krau­se blei­ben.

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