Iberiens Gross­ban­ken an Spar­kas­sen in­ter­es­siert

SPA­NI­EN Schwel­len­län­der fe­dern Im­mo­bi­li­en­kri­se im Heim­markt ab – 35% Ge­winn­rück­gang für Santan­der und BBVA

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - AN­GE­LI­KA ENG­LER,

Spa­ni­ens füh­ren­de Ban­ken, Ban­co Santan­der und Ban­co Bil­bao Viz­ca­ya Ar­gen­ta­ria (BBVA), de­mons­trie­ren mit ih­ren 2011 er­ziel­ten Mil­li­ar­den­ge­win­nen trotz ho­her Ein­bus­sen er­neut Stär­ke. Die Ex­pan­si­on in neue Märk­te, dar­un­ter wachs­tums­star­ke Schwel­len­län­der wie Bra­si­li­en oder Chi­na, und das auf Re­tail Ban­king fo­kus­sier­te Ge­schäft liess bei­de Häu­ser bis­her gut durch die Kri­se in Eu­ro­pa kom­men.

Frei­lich ho­len die Al­tas­ten aus dem Im­mo­bi­li­en­boom in Spa­ni­en auch sie im­mer wie­der ein. Die Sa­nie­rungs­auf­la­gen, die die neue kon­ser­va­ti­ve Re­gie­rung von Mi­nis­ter­prä­si­dent Ma­ria­no Ra­joy am Don­ners­tag ver­ab­schie­de­te, wer­den die oh­ne­hin an­ge­schla­ge­ne Bran­che zu­sätz­lich zur dro­hen­den Re­zes­si­on im Heim­markt und den im­mer hö­he­ren Ka­pi­tal­an­for­de­run­gen be­las­ten. Die Ban­ken und Spar­kas­sen müs­sen in die­sem Jahr oh­ne staat­li­che Hil­fe ei­ne Wert­be­rich­ti­gung ih­rer Im­mo­bi­li­en­ak­ti­va um 50 Mrd. € stem­men.

Die der­zeit mit 56 Mrd. € ka­pi­ta­li­sier­te Santan­der kam die­ser Re­form teil­wei­se zu­vor. Als Fol­ge sank der Über­schuss 35% auf 5,3 Mrd. €. Fran­cis­co Gon­zá­lez, Prä­si­dent der BBVA (Bör­sen­wert 34 Mrd. €), ver­zich­te­te auf ei­ne sol­che Vor­weg­nah­me. schliess­lich hat­te sie be­reits ei­ne Wert­be­rich­ti­gung ih­rer Us-toch­ter Com­pass im Vo­lu­men von 1 Mrd. € zu ver­dau­en. Mit die­ser Son­der­be­las­tung sank der Ge­winn 2011 um 35% auf 3 Mrd. €.

Un­ver­än­der­te Di­vi­den­de

Nun steht für die­ses Ge­schäfts­jahr schon ein Son­der­auf­wand fest, der sich nach den Wor­ten von CEO An­gel Cano für BBVA auf 3 Mrd. € be­lau­fen könn­te. Bei­de Gross­ban­ken hal­ten die Di­vi­den­de für das ab­ge­lau­fe­ne Ge­schäfts­jahr auf Vor­jah­res­ni­veau. Santan­der will 0.60 € je Ak­tie zah­len, BBVA in ei­ner Misch­form aus bar und Ak­ti­en 0.42 €.

Die Fra­ge, wie die Ban­ken oh­ne Spa­ni­ens ge­platz­te Im­mo­bi­li­en­bla­se da­stün­den, be­schäf­tigt Santan­der-prä­si­dent Emi­lio Bo­tín. In der Pres­se­kon­fe­renz sag­te er: «Wir ha­ben ei­nen ope­ra­ti­ven Ge­winn von fast 25 Mrd. € er­zielt. Stel­len Sie sich vor, was für ein Ge­winn­po­ten­zi­al dar­in steckt, wenn wir nicht so viel Ri­si­ko­vor­sor­ge bi­lan­zie­ren müss­ten.»

BBVA, mit ei­ner Bi­lanz­sum­me von 598 Mrd. € nur halb so gross wie Santan­der, er­wirt­schaf­te­te ei­nen ope­ra­ti­ven Ge­winn von 10,6 Mrd. Eu­ro, 11% we­ni­ger als 2010. Der Zins­über­schuss ging trotz der dy­na­mi­schen Me­xi­ko­toch­ter Ban­co­mer 1% auf 13,2 Mrd. € zu­rück. Der Kre­dit­be­stand stieg 4% auf 361 Mrd. €. Die Bank­ein­nah­men san­ken 2% auf 20,6 Mrd. €. Santan­der konn­te vor al­lem dank des Haupt­markts Bra­si­li­en, der 28% des Ge­winns ein­brach­te, den Zins­über­schuss fast 6% auf 30,8 Mrd. € stei­gern. Der Ge­schäfts­er­trag wuchs 5% auf 44 Mrd. €.

Die Kre­dit­aus­fall­ra­te er­reich­te glo­bal 3,9% des Kre­dit­be­stands von 750 Mrd. €. Sie fiel im Spa­ni­en­ge­schäft mit 5,5% al­ler­dings hö­her aus als von Santan­der er­war­tet. BBVA ver­bes­ser­te ih­re glo­ba­le Kre­dit­aus­fall­ra­te mi­ni­mal auf 4%. Wäh­rend Ban­co Santan­der die von der Eu­ro­päi­schen Ban­ken­auf­sicht EBA per 30. Ju­ni ge­for­der­te Kern­ka­pi­tal­quo­te von 9% be­reits er­füllt, feh­len BBVA noch 0,3 Pro­zent­punk­te. Die jetzt fest­ge­zurr­te Re­form zur schnel­len Sa­nie­rung der Bi­lan­zen ge­gen Ge­winn und Re­ser­ven soll un­ter an­de­rem schwa­che Geld­häu­ser vom Markt neh­men.

Je­de drit­te Stel­le in Ge­fahr

Als Lock­mit­tel für so­li­de Häu­ser wie Santan­der und BBVA, sich der ver­staat­lich­ten an­ge­schla­ge­nen Spar­kas­sen an­zu­neh­men, winkt Wirt­schafts­mi­nis­ter Lu­is de Guin­dos mit Vor­tei­len: län­ge­re Fris­ten für die neu­en Sa­nie­rungs­re­geln und staat­li­che Hil­fen, al­ler­dings auf Kre­dit­ba­sis mit ei­nem teu­ren Jah­res­zins von 8%.

Santan­der prüft ei­ge­nen Wor­ten zu­fol­ge die Über­nah­me der ver­staat­lich­ten Spar­kas­se Un­nim, BBVA zeig­te In­ter­es­se an der eben­falls vom Staat über­nom­me­nen Ca­ta­lun­ya Caixa. Für die bei­den Bran­chen­füh­rer könn­te ein sol­ches En­ga­ge­ment im Heim­markt durch­aus sinn­voll sein: Sie könn­ten nicht nur Er­trags­syn­er­gi­en he­ben, son­dern hät­ten es auch ein­fa­cher, den Über­hang an Per­so­nal und Zweig­stel­len ra­di­ka­ler als bis­her ab­zu­bau­en. In Spa­ni­ens Fi­nanz­bran­che ist Stu­di­en zu­fol­ge je­der drit­te Ar­beits­platz mitt­ler­wei­le über­flüs­sig. UBS no­mi­niert neue Ver­wal­tungs­rä­te: An der Ge­ne­ral­ver­samm­lung vom 3. Mai wer­den Bea­tri­ce We­der di Mau­ro ( Jg. 65) und Isa­bel­le Ro­my ( Jg. 65) zur Wahl vor­ge­schla­gen. Nicht mehr zur Wahl steht ne­ben Kas­par Vil­li­ger auch Bru­no Geh­rig. Die Bas­le­rin We­der di Mau­ro ist Pro­fes­so­rin an der Jo­han­nes-gu­ten­berg-uni­ver­si­tät Mainz. Seit 2004 ist sie ei­ne der fünf so­ge­nann­ten Wirt­schafts­wei­sen. Den Sach­ver­stän­di­gen­rat ver­lässt sie als Fol­ge der Nor­mie­rung auf En­de Mo­nat, um ei­nen In­ter­es­sen­kon­flikt zu ver­mei­den. Ro­my ist Part­ne­rin der in Zü­rich be­hei­ma­te­ten An­walts­kanz­lei Nie­de­rer Kraft & Frey. Sie ist spe­zia­li­siert auf in­ter­na­tio­na­le Pro­zess­füh­rung und Schieds­ge­richts­bar­keit. Da­ne­ben ist sie as­so­zi­ier­te Pro­fes­so­rin an der Uni­ver­si­tät Fri­bourg und an der Eco­le po­ly­tech­ni­que fédé­ra­le de Lau­sanne (EPFL) so­wie Vi­ze­prä­si­den­tin der Sank­ti­ons­kom­mis­si­on der SIX Swiss Ex­ch­an­ge.

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