Zur Per­son

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - JB IN­TER­VIEW: JAN BAU­MANN

Der Ame­ri­ka­ner Ga­ry Cohn lei­tet seit 2006 als Prä­si­dent und Chief Ope­ra­ting Of­fi­cer (COO) das Ta­ges­ge­schäft von Gold­man Sachs und sitzt aus­ser­dem im Ver­wal­tungs­rat des Us-fi­nanz­kon­zerns. Wäh­rend sei­ner zwan­zig­jäh­ri­gen Kar­rie­re im Un­ter­neh­men war er lan­ge im Han­del mit Wert­schrif­ten, Wäh­run­gen und Roh­stof­fen ak­tiv. Zu­dem ist er ein Ken­ner der Ban­ken­re­gu­lie­rung. Die­ses Jahr war er der Spit­zen­ver­tre­ter von Gold­man am WEF in Da­vos. Soll das be­deu­ten, dass die Be­hör­den am Pro­blem vor­bei re­gu­lie­ren? In ei­ner Si­tua­ti­on, in der es oh­ne­dies an Wachs­tum fehlt, sind ex­trem ho­he Ka­pi­tal­an­for­de­run­gen ei­ne Be­las­tung für die Volks­wirt­schaft. Denn als Kre­dit­ge­ber sind die Ban­ken ein wich­ti­ger Wachs­tums­trei­ber. Die Re­gu­la­to­ren müs­sen des­halb die Ba­lan­ce fin­den zwi­schen stren­gen Ei­gen­mit­tel­vor­schrif­ten im In­ter­es­se der Sys­tem­si­cher­heit ei­ner­seits und dem Wachs­tum an­de­rer­seits. Wie mei­nen Sie das? Auch hier wie­der, rein theo­re­tisch, soll­te es uns ei­nes Ta­ges tat­säch­lich un­ter­sagt sein, im Wert­schrif­ten­ge­schäft Ri­si­ken auf das ei­ge­ne Buch zu neh­men, wür­den wir bei Ka­pi­tal­markt­trans­ak­tio­nen wie­der die klas­si­sche Rol­le des rei­nen Ver­mitt­lers über­neh­men. ben soll­ten, ei­nen Teil des Ka­pi­tal an die Ak­tio­nä­re zu­rück­zu­ge­ben, weil die Ban­ken es, be­zo­gen auf die Ri­si­ken, nicht be­nö­ti­gen. Aber das ist Zu­kunfts­mu­sik. Ja­mie Di­mon, Chef des Us-bank­kon­zerns J. P. Mor­gan Cha­se, hat ge­sagt, es sei falsch, wenn sys­tem­re­le­van­te Ban­ken ei­nen zu­sätz­li­chen Ka­pi­tal­puf­fer auf­bau­en müs­sen. Was mei­nen Sie? Ich wei­se dar­auf hin, dass Man­gel an Ka­pi­tal nicht der Grund für die Fi­nanz­kri­se war. Ein Blick in die Wirt­schafts­ge­schich­te ge­nügt, um zu se­hen, dass die Ban­ken je­weils aus Li­qui­di­täts­man­gel in Schief­la­ge ge­rie­ten, nicht aus Ka­pi­tal­man­gel. Im In­vest­ment Ban­king dürf­ten un­ter dem neu­en Auf­sichts­re­gime Ei­gen­ka­pi­tal­ren­di­ten von 20% und mehr der Ver­gan­gen­heit an­ge­hö­ren. Wie pro­fi­ta­bel kann das Ge­schäft noch sein? Um die­se Fra­ge zu be­ant­wor­ten, müss­te man wis­sen, wie die künf­ti­ge Re­gu­lie­rung ex­akt aus­ge­stal­tet sein wird. Ge­gen­wär­tig las­sen sich punk­to durch­schnitt­li­che Ei­gen­ka­pi­tal­ren­di­te im In­vest­ment Ban­king die un­ter­schied­lichs­ten Sze­na­ri­en ent­wer­fen. Wer­den es 8% Ren­di­te sein oder 28%? Ich weiss es nicht. Ei­nes ist si­cher: Die Bran­che un­ter­liegt enor­men Ve­rän­de­run­gen. Ich ver­mu­te, dass es zu ei­nem Kon­zen­tra­ti­ons­pro­zess kommt, bei dem ei­ni­ge Mit­be­wer­ber aus­schei­den, weil sie nicht mehr ge­nug Ei­gen­mit­tel ha­ben, um im Ge­schäft zu blei­ben. Und un­ter ge­wis­sen Um­stän­den, wenn et­wa die Vol­ckerRe­gel in ei­ner ganz ex­tre­men Va­ri­an­te ein­ge­führt wür­de, könn­te Gold­man Sachs – rein theo­re­tisch – zum frü­he­ren Ge­schäfts­mo­dell als Ver­mitt­ler zu­rück­keh­ren, ei­nem Ge­schäft, dass ei­ne ge­rin­ge­re Ei­gen­ka­pi­tal­hin­ter­le­gung er­for­dert. Dann lässt sich für Sie al­so in je­dem Fall pro­fi­ta­bles In­vest­ment Ban­king be­trei­ben? Ja, durch­aus. Ak­ti­vi­tä­ten wie das M&AGe­schäft und die Durch­füh­rung von An­lei­hen- und Ak­ti­en­emis­sio­nen er­for­dern nicht viel Ei­gen­ka­pi­tal. Und sie sind nach wie vor ein gu­tes Ge­schäft. Der Be­reich Sa­les & Tra­ding von Wert­schrif­ten da­ge­gen braucht ei­ni­ges mehr Ka­pi­tal, um al­le Be­dürf­nis­se der Kun­den voll ab­zu­de­cken. Ge­setzt den Fall, Gold­man Sachs dürf­te von Ge­set­zes we­gen nicht mehr sämt­li­che Kun­den­be­dürf­nis­se im In­vest­ment Ban­king er­fül­len, wür­de das un­se­ren Kun­den zum Nach­teil ge­rei­chen. Ich hof­fe dar­um sehr, dass es nicht da­zu kommt. Doch tritt der hy­po­the­ti­sche Fall ein, wird Gold­man Sachs das Ge­schäfts­mo­dell ent­spre­chend an­pas­sen und pro­fi­ta­bel blei­ben.

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