Bier­sek­tor rei­tet auf Kon­so­li­die­rungs­wel­le

IN­TER­NA­TIO­NAL Bran­chen­pri­mus An­heu­ser-busch In­bev als schil­lern­des Vor­bild – Sy­ner­gi­en ver­bes­sern Mar­ge – Schul­den­ab­bau und Di­vi­den­den­er­hö­hung

Finanz und Wirtschaft - - KONSUM - OLI­VER PFA­DEN­HAU­ER

Die Braue­rei­en rü­cken zu­sam­men. Über­nah­men und stra­te­gi­sche Part­ner­schaf­ten sorg­ten im ver­gan­ge­nen Jahr für ei­ne dy­na­mi­sche Fort­set­zung der Bran­chen­kon­so­li­die­rung, für die in der ers­ten De­ka­de die­ses Jahr­hun­derts Ak­qui­si­ti­ons­aus­ga­ben im Um­fang von ins­ge­samt an­nä­hernd 200 Mrd. $ auf­ge­bracht wur­den. 2011 wech­sel­ten Bier­ak­ti­vi­tä­ten im Wert von über 21 Mrd. $ die Hand. Rund die Hälf­te da­von ent­fiel auf die Über­nah­me des aus­tra­li­schen Markt­füh­rers Fos­ter’s durch Sab­mil­ler, der Num­mer zwei der Welt.

Da­mit war 2011 für den glo­ba­len Braue­rei­sek­tor das er­eig­nis­reichs­te Jahr seit 2008. Da­mals, ein paar Mo­na­te vor dem Zu­sam­men­bruch der Us-in­vest­ment­bank Leh­man Bro­thers und dem Aus­bruch der in­ter­na­tio­na­len Fi­nanz­markt­kri­se, hat­te der bel­gisch-bra­si­lia­ni­sche Bier­rie­se In­bev für 52 Mrd. $ den ame­ri­ka­ni­schen Markt­füh­rer An­heu­ser-busch ge­kauft.

Grös­sen­vor­tei­le

Ent­ge­gen den Be­fürch­tun­gen der An­le­ger, die die Ak­ti­en des Bran­chen­pri­mus nach der Leh­man-plei­te in den Kel­ler schick­ten, ge­lang dem bra­si­lia­ni­schen Kon­zern­chef Car­los Bri­to der fi­nan­zi­el­le Kraft­akt. Dank ei­nem ri­go­ro­sen Kos­ten­ma­nage­ment setz­te er rasch Sy­ner­gi­en frei, wo­mit sich die im Ver­gleich zur Kon­kur­renz deut­lich hö­he­re Um­satz­ren­di­te nach dem Über­gangs­jahr 2008 wei­ter ver­bes­ser­te.

In den fünf Jah­ren bis 2010 stieg die Be­triebs­mar­ge auf Ebitda-ba­sis (vor Ab­schrei­bun­gen und Amor­ti­sa­ti­on) von 28,6 auf 38,2%. Gleich­zei­tig wuchs der Cash­flow aus dem ope­ra­ti­ven Ge­schäft um mehr als das Drei­fa­che auf 9,9 Mrd. $. Da­mit prä­sen­tier­te AB In­bev er­neut die Grös­sen­vor­tei­le, die die Bran­chen­kon­so­li­die­rung mit sich bringt, und un­ter­strich sei­ne Vor­macht­stel­lung: 2009 ver­dien­te die Braue­rei­grup­pe mit ei­nem Ebitda von 13,7 Mrd. $ mehr als sei­ne drei gröss­ten Her­aus­for­de­rer Sab­mil­ler, Hei­ne­ken und Carls­berg zu­sam­men (vgl. Gra­fik «Ope­ra­ti­ver Ge­winn»).

Der ho­he Cash­flow er­mög­licht ei­nen ra­schen Schul­den­ab­bau oh­ne Be­ein­träch­ti­gung der Di­vi­den­den­aus­schüt­tung. Nach­dem AB In­bev die Net­to­ver­schul­dung be­reits im ers­ten Jahr nach dem Schul­ter­schluss – auch dank De­ves­ti­tio­nen – um über 10 Mrd. auf 45,2 Mrd. $ re­du­zie­ren konn­te, sank die Ver­schul­dung per En­de 2010 wei­ter auf 39,7 Mrd. $. Den­noch ver­blieb ge­nü­gend fi­nan­zi­el­ler Spiel­raum, um die Di­vi­den­de deut­lich zu er­hö­hen: Nach 0.25 € im Jahr 2009 stieg sie 2010 auf 0.38 und 2011 auf 0.80 €.

So­li­de Lang­fristan­la­ge

Dank der wei­ter­hin mun­ter spru­deln­den Ein­nah­men dürf­ten sich der Schul­den­ab­bau und die Di­vi­den­den­er­hö­hun­gen in ähn­li­chen Schrit­ten fort­set­zen. Ana­lys­ten ge­hen da­von aus, dass der Bran­chen­pri­mus, der am 8. März die Jah­res­er­geb­nis­se ver­öf­fent­licht, die Di­vi­den­de auf über 1 € an­hebt und die Schul­den­til­gung zü­gig fort­setzt: von et­wa 35 Mrd. $ per En­de 2011 auf un­ter 30 Mrd. $ im lau­fen­den Jahr und un­ter 10 Mrd. $ per En­de 2015 (vgl. Bal­ken­gra­fik).

In den ers­ten neun Mo­na­ten 2011 stei­ger­te AB In­bev den Um­satz in ei­nem schwie­ri­gen, von zu­rück­hal­ten­den Kon­su­men­ten in Eu­ro­pa und USA so­wie hö­he­ren Roh­stoff­prei­sen ge­präg­ten Markt­um­feld auf ver­gleich­ba­rer Ba­sis um 4,3% auf 29,2 Mrd. $ und den Be­triebs­ge­winn (Ebit) 7,4% auf 9,1 Mrd. $. Die Ebit-mar­ge ver­bes­ser­te sich von 30,2 auf 31,1%.

Schnel­ler wuchs im ers­ten Ge­schäfts­se­mes­ter per En­de Sep­tem­ber Sab­mil­ler. Das bri­tisch-süd­afri­ka­ni­sche Un­ter­neh­men stei­ger­te den Halb­jah­res­um­satz und den Be­triebs­ge­winn je 10% auf 15,7 bzw. 2,7 Mrd. $. Im drit­ten Ge­schäfts­quar­tal be­trug das or­ga­ni­sche Um­satz­wachs­tum dank Im­pul­sen aus Latein­ame­ri­ka, Afri­ka und Asi­en 7%, wo­mit die Markt­er­war­tun­gen über­trof­fen wur­den. SAB Mil­ler gibt die Jah­res­er­geb­nis­se 2011/12 (per En­de März) am 24. Mai be­kannt.

Be­reits am 15. Fe­bru­ar prä­sen­tiert Hei­ne­ken die Ge­schäfts­zah­len 2011, Carls­berg folgt am 20. Fe­bru­ar. Die bei­den Un­ter­neh­men sind im Ver­gleich zu AB In­bev und Sab­mil­ler be­deu­tend stär­ker von Eu­ro­pa ab­hän­gig, wo sich der Markt im ver­gan­ge­nen Jahr er­neut rück­läu­fig ent­wi­ckel­te. Ih­re Ak­ti­en sind des­halb zu­rück­ge­fal­len und güns­ti­ger be­wer­tet als die der bei­den Bran­chen­füh­rer (vgl. Ta­bel­le), die in den auf­stre­ben­den Schwel­len­län­dern bes­tens ver­an­kert sind. Für kon­ser­va­ti­ve, lang­fris­tig dis­po­nie­ren­de An­le­ger blei­ben AB In­bev ers­te Wahl.

An­heu­ser-???? Busch In­bev

Net­to­ver­schul­dung von AB In­bev

Ope­ra­ti­ver Ge­winn

Das glo­ba­le Ab­satz­vo­lu­men von Bud­wei­ser, der gröss­ten Bier­mar­ke von AB In­bev, stieg im drit­ten Quar­tal 6,9%.

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