Au­to­ne­um er­füllt Er­war­tun­gen

SCHWEIZ Um­satz­zah­len zei­gen ge­stärk­te Markt­po­si­ti­on – Fran­ken bremst – Ge­winn­ziel 2011 be­kräf­tigt – Wei­te­re Fort­schrit­te ein Muss

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - CHRIS­TI­AN BRAUN

Na­tür­lich hat das Er­star­ken des Fran­kens auch dem Win­ter­thu­rer Au­to­mo­bil­zu­lie­fe­rer Au­to­ne­um im ver­gan­ge­nen Jahr ei­nen Strich durch die Rech­nung ge­macht. Um­so er­freu­li­cher ist es des­halb, dass es ihm den­noch ge­lun­gen ist, mit 1682 (i. V. 1678) Mio. Fr. den Net­to­um­satz des Vor­jah­res zu ver­tei­di­gen. Mit den am Frei­tag ge­mel­de­ten Um­satz­zah­len hat die im Mai 2011 von Rie­ter ab­ge­spal­te­ne Ge­sell­schaft die Er­war­tun­gen von Ana­lys­ten er­füllt.

Wie stark die Um­satz­ent­wick­lung 2011 durch Wech­sel­kurs­ef­fek­te be­ein­träch­tigt wur­de, zeigt die wäh­rungs­be­rei­nig­te Ver- Au­to­ne­um N AU­TO­NE­UM HOL­DING än­de­rungs­ra­te: Sie wird mit 14,6% an­ge­ge­ben; al­le Weltregionen ha­ben zur Stei­ge­rung mit bei­ge­tra­gen, vor al­lem die USA und Asi­en. Zum Ver­gleich: Der welt­wei­te Markt für Pw und leich­te Nutz­fahr­zeu­ge wuchs ge­mäss Au­to­ne­um im ver­gan­ge­nen Jahr 2,9% auf 76,6 Mio. Ein­hei­ten.

Deut­li­cher Men­gen­ef­fekt

Wer­den die zehn wich­tigs­ten Kun­den des auf Hit­ze­schutz- und Lärm­däm­mungs­lö­sun­gen spe­zia­li­sier­ten Un­ter­neh­mens als Re­fe­renz her­an­ge­zo­gen, be­stä­tigt sich der Ein­druck ei­nes kräf­ti­gen Wachs­tums: De­ren Ab­satz­wachs­tum ist im ge­wich­te­ten Durch­schnitt nur rund halb so gross wie

Kun­den­struk­tur nach Um­satz­bei­trag die wäh­rungs­be­rei­nig­te Um­satz­stei­ge­rung von Au­to­ne­um (vgl. Gra­fi­ken).

Das Um­satz­plus in Lo­kal­wäh­rung sei al­lein auf ei­nen Men­gen­ef­fekt zu­rück­zu­füh­ren, ist vom Un­ter­neh­men auf An­fra­ge hin zu er­fah­ren. Hö­he­re Prei­se blei­ben in di­ver­sen Be­rei­chen der Zu­lie­fer­in­dus­trie Wunsch­den­ken – auch für Au­to­ne­um.

Der Men­gen­ef­fekt wird sei­ner­seits von ver­schie­de­nen Fak­to­ren be­ein­flusst. Er hängt un­ter an­de­rem da­von ab, für wel­che Mo­del­le ei­nes Au­to­mo­bil­her­stel­lers das Un­ter­neh­men be­rück­sich­tigt wird, wie er­folg­reich die­se Mo­del­le sind und wie viel zum Ge­samt­pa­ket bei­ge­steu­ert wer­den kann. Die Zah­len vom Frei­tag zei­gen: Au­to­ne­um ist bei di­ver­sen vo­lu­men­star-

Ab­satz­wachs­tum der Kun­den 2011 ken neu­en Mo­del­len mit da­bei und hat die Markt­po­si­ti­on wei­ter ge­stärkt.

Für den Ge­winn 2011, den Au­to­ne­um an der Jah­res­bi­lanz­kon­fe­renz vom 20. März pu­bli­zie­ren wird, stellt das Ma­nage­ment ei­ne schwar­ze Null in Aus­sicht; auch da hin­ter­liess die Wäh­rungs­la­ge Spu­ren. Das Ziel ent­spricht der Pro­gno­se vom Som­mer und ist – an­ge­sichts der seit­her zu be­ob­ach­ten­den Ab­schwä­chungs­ten­denz im Au­to­markt – eben­falls als er­freu­lich zu wer­ten. Ein aus­kömm­li­ches Ni­veau stellt es aber nicht dar, um­so we­ni­ger wenn man be­denkt, dass 2011 für die Au­to­mo­bil­in­dus­trie kein schlech­tes Jahr war.

Aus­sich­ten sind in­takt

Wie der Um­satz und der Ge­winn wird auch das Be­triebs­er­geb­nis (Ebit) durch un­güns­ti­ge Wäh­rungs­ein­flüs­se be­las­tet. Den­noch soll sich die Mar­ge im Ver­gleich zu den 1,3% des Jah­res 2010 ge­ring­fü­gig ver­bes­sern; Hel­vea geht von 2% aus, die Zürcher Kan­to­nal­bank von 2,8%. Dass die Mar­ge trotz des star­ken Fran­kens nicht mehr lei­det, hat zwei Grün­de: die ope­ra­ti­ven Ver­bes­se­run­gen und der Um­stand, dass Au­to­ne­um welt­weit pro­du­ziert.

Durch die Pro­duk­ti­on qua­si am Ort der Nach­fra­ge fällt nicht nur der Um­satz, son­dern auch ein gros­ser Teil der Kos­ten in Fremd­wäh­rung an. Da­durch bleibt die Mar­ge der je­wei­li­gen Län­der­ge­sell­schaft weit­ge­hend un­be­hel­ligt. Ein­bus­sen gibt es erst dann, wenn die Um­sät­ze und Er­geb­nis­bei­trä­ge aus dem Aus­land zwecks Bi­lan­zie­rung in den har­ten Fran­ken um­ge­rech­net wer­den. Dann macht sich der Trans­la­ti­ons­ef­fekt von Wech­sel­kurs­ver­än­de­run­gen be­merk­bar. Die­ser ist je­doch weit we­ni­ger schlimm als der Trans­ak­ti­ons­ef­fekt, der sich ein­stellt, wenn ein Gross­teil der Kos­ten in der Heim­wäh­rung an­fällt.

Das lau­fen­de Jahr dürf­te in­so­fern an­spruchs­voll wer­den, als sich für den Au­to­mo­bil­markt aus heu­ti­ger Sicht höchs­tens ein ge­rin­ges Wachs­tum ab­zeich­net – wenn auch mit deut­li­chen Un­ter­schie­den zwi­schen den ein­zel­nen Her­stel­lern. Hin­zu kommt, dass die von der Na­tio­nal­bank ver­tei­dig­te Un­ter­gren­ze von 1.20 Fr. je Eu­ro trotz der da­mit ein­her­ge­hen­den Sta­bi­li­sie­rung bru­tal nied­rig ist.

Da­von ab­ge­se­hen sieht es für Au­to­ne­um so schlecht nicht aus: Zum ei­nen soll­ten wei­te­re ope­ra­ti­ve Ver­bes­se­run­gen zum Tra­gen kom­men, zum an­dern fal­len 2012 die ne­ga­ti­ven Ef­fek­te der Ka­ta­stro­phen in Ja­pan und Thai­land weg. Bei­des spricht für wei­te­re Fort­schrit­te. Im Er­geb­nis sind sol­che ein Muss – nicht zu­letzt, um In­ves­to­ren ei­ne Per­spek­ti­ve zu ge­ben. Der Be­weis, dass dies ge­lingt, steht noch aus. Ein En­ga­ge­ment in Au­to­ne­um – der Bör­sen­wert be­trägt nur 263 Mio. Fr. – geht des­halb mit viel Un­ge­wiss­heit ein­her.

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