Der Last­wa­gen­markt spal­tet sich

IN­TER­NA­TIO­NAL Nord­ame­ri­ka-prä­senz ist wich­tig – Sca­nia ent­täuscht – Pac­car boomt – Vol­vo ge­fällt

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - CHRIS­TI­AN BRAUN

Pac­car ist in Ame­ri­ka das, was Sca­nia für Eu­ro­pa ist: das Vor­zei­ge­un­ter­neh­men der Last­wa­gen­bran­che. Die Us-grup­pe, die am Markt mit den Mar­ken Ken­worth, Pe­ter­bilt und DAF auf­tritt, zeich­net sich nicht nur durch ei­ne über­durch­schnitt­li­che Ren­ta­bi­li­tät aus, sie hat die letz­ten 73 Jah­re auch stets Ge­winn ge­schrie­ben und im vier­ten Quar­tal 2011 zu­dem den höchs­ten Um­satz ih­rer Ge­schich­te er­zielt. Oh­ne­hin ha­ben die Zah­len zum vier­ten Quar­tal Ge­fal­len ge­fun­den. Als Re­ak­ti­on dar­auf zo­gen die Ak­ti­en im frü­hen Di­ens­tags­han­del bis zu 5,5% auf 46.63 $ an, büss­ten ih­ren Ge­winn bis Han­dels­en­de aber wie­der ein; am Frei­tag no­tier­ten sie 44.35 $.

Auch Sca­nia blickt auf ei­ne lan­ge Er­folgs­ge­schich­te mit un­an­ge­foch­ten ho­her Ren­ta­bi­li­tät zu­rück. Im Ge­gen­satz zu Pac­car hat der von Volks­wa­gen kon­trol­lier­te Kon­zern aus Schwe­den im Schluss­quar­tal je­doch ei­nen her­ben Rück­schlag er­lit­ten, wie der am Mitt­woch pu­bli­zier­te Jah­res­ab­schluss zeigt. Doch auch die da­von aus­ge­hen­de Auf­re­gung währ­te nur kurz: Nach ei­nem an­fäng­li­chen Kur­stau­cher um bis zu 4,6% gin­gen die Ti­tel 0,7% ge­fes­tigt aus dem Han­del (Sto­xx 600: +2%).

Die Mu­sik spielt in den USA

Der Leis­tungs­un­ter­schied im Schluss­quar­tal 2011 ist kein Zu­fall – was auch die ra­sche Be­ru­hi­gung im Kurs­ver­lauf zum Aus­druck bringt. Er er­klärt sich vor al­lem mit der ver­schie­den­ar­ti­gen geo­gra­fi­schen Auf­stel­lung der bei­den Her­stel­ler. Sca­nia er­ziel­te 2011 mehr als die Hälf­te des Um­sat­zes in Eu­ro­pa; zählt man Eu­ra­si­en da­zu, wa­ren es fast 60%. Pac­car da­ge­gen zieht nur rund ein Drit­tel des Um­sat­zes aus dem durch wirt­schaft­li­che Un­si­cher­heit ge­präg­ten – und ge­brems­ten – eu­ro­päi-

Zah­len für 2011 schen Markt; vom gros­sen Rest stammt das meis­te aus Nord­ame­ri­ka.

Pac­car ar­bei­tet zwar dar­an, die Prä­senz in Schwel­len­län­dern zu er­hö­hen, et­wa mit dem Bau ei­nes Daf-werks in Bra­si­li­en. Doch das ho­he Ge­wicht des Heim­markts ist der­zeit ein Vor­teil, denn es sind die USA, wo im Lkw-ge­schäft der­zeit die Mu­sik spielt – und ge­nau dort ist Sca­nia nicht ver­tre­ten. Der nord­ame­ri­ka­ni­sche Markt für schwe­re Lkw ex­pan­dier­te im ver­gan­ge­nen Jahr 56%. Ge­trie­ben von ei­ner an­hal­ten­den Er­neue­rung des al­ten Fahr­zeug­be­stands soll er laut Ein­schät­zung von Her­stel­lern auch 2012 wach­sen, und zwar in ei­ner Band­brei­te von 7 bis 22%.

Von di­ver­sen an­de­ren wich­ti­gen Märk­ten darf da­ge­gen nicht viel er­war­tet wer­den. Das zu­min­dest sug­ge­riert der Auf­trags­ein­gang von Sca­nia im vier­ten Quar­tal, der für Eu­ro­pa, Eu­ra­si­en, Asi­en und Latein­ame­ri­ka durch­weg rück­läu­fi­ge Be­stel­lun­gen zeigt. Für Her­stel­ler oh­ne Prä­senz in Nord­ame­ri­ka sind das un­lieb­sa­me In­di­zi­en. Zu ih­nen zählt aus­ser Sca­nia auch MAN. Als Trost bleibt da nur, dass das Durch­schnitts­al­ter der eu­ro­päi­schen Lkw-flot­te we­gen der ge­brems­ten Nach­fra­ge nach Neu­fahr­zeu­gen wei­ter steigt und dass da­von ein güns­ti­ger Ef­fekt auf das Tei­le­ge­schäft aus­ge­hen wird.

Vol­vo am aus­ge­wo­gens­ten

Bes­ser sieht es für Daim­ler Trucks und Vol­vo aus, die bei­de gut im nord­ame­ri­ka­ni­schen Markt ver­an­kert sind. Das ha­ben die am Frei­tag ver­öf­fent­lich­ten Zah­len der Vol­vo Group be­stä­tigt. Zwar ver­mel­de­te auch sie für das vier­te Quar­tal ei­nen Be­stell­rück­gang in den Lkw-ak­ti­vi­tä­ten. An­ders als bei Sca­nia be­lief er sich aber auf ver­gleichs­wei­se ge­rin­ge 7% – dank gu­ter Ge­schäf­te in Nord­ame­ri­ka. Um­satz und Er­geb­nis zo­gen im Schluss­quar­tal kräf­tig an (+19 und +41%). Der Ge­samt­kon­zern schloss das Jahr 2011 mit Re­kor­den in Um­satz, Er­geb­nis und Mar­ge ab.

Doch nicht nur we­gen der gu­ten Er­trags­la­ge und der in­tak­ten Aus­sich­ten sind Vol­vo der­zeit wohl die reiz­volls­ten Ak­ti­en im Lkw-sek­tor. Im Bran­chen­ver­gleich sind sie at­trak­tiv und im his­to­ri­schen Ver­gleich mass­voll be­wer­tet, wo­bei Letz­te­res auch mit der er­höh­ten Ri­si­ko­prä­mie zu tun hat, die In­ves­to­ren ver­lan­gen. Als Al­ter­na­ti­ve zu Vol­vo bie­ten sich – als eben­falls ri­si­ko­rei­che An­la­ge – Pac­car an. Sie sind zwar nicht mehr ganz so vor­teil­haft be­wer­tet, an­ge­sichts der viel­ver­spre­chen­den Aus­sich­ten aber auch nicht zu teu­er.

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