Ein Be­las­tungs­test für die bi­la­te­ra­len Be­zie­hun­gen

FRANK­REICH In­di­en op­tiert für das fran­zö­si­sche Mehr­zweck­kampf­flug­zeug Ra­fa­le

Finanz und Wirtschaft - - UNITNEDRNUESTHRMIEEN - UL­RICH SCHÄ­RER

Der fran­zö­si­sche Her­stel­ler Das­sault Avia­ti­on hat sich mit sei­nem Mehr­zweck­kampf­flug­zeug Ra­fa­le in In­di­en ge­gen Kon­kur­renz aus Eu­ro­pa, Ame­ri­ka und Russ­land durch­ge­setzt. In den nun fol­gen­den ex­klu­si­ven Ver­hand­lun­gen mit den in­di­schen Be­hör­den soll­te ein Kontrakt über 126 Ra­fa­le zu­stan­de kom­men, der je nach Ein­schät­zun­gen zwi­schen 12 und 16 Mrd. $ wert ist. Der fran­zö­sisch-in­di­sche Schul­ter­schluss lässt sich als ge­gen­sei­ti­ge An­nä­he­rung deu­ten, die Im­pli­ka­tio­nen auf wirt­schaft­li­cher, po­li­ti­scher und geo­stra­te­gi­scher Ebe­ne ha­ben kann.

Dass sich der Ra­fa­le in der letz­ten Aus­mar­chung ge­gen den Ty­phoon (Euro­figh­ter) durch­ge­setzt hat, lässt sich pri­ma vis­ta dar­auf zu­rück­füh­ren, dass die Fran­zo­sen dem Pflich­ten­heft der Mi­li­tärs am bes­ten ent­spra­chen, wie auch in Zei­tun­gen auf dem Sub­kon­ti­nent zu le­sen war. Doch es gibt auch Ein­schät­zun­gen, die tie­fer bli­cken las­sen, wie die des frü­he­ren St­abs­chefs Fa­li Ho­mi Ma­jor, der un­ter­streicht, dass der Ra­fa­le der in­di­schen Luft­waf­fe be­deu­ten­de Vor­tei­le in Sa­chen Schlag­kraft ver­schaf­fe. Da­bei ist die Si­tua­ti­on mit den Nach­barn Chi­na und Pa­kis­tan er­wie­se­ner­mas­sen al­les an­de­re als ein­fach.

In­ten­si­vier­ter Tech-trans­fer

Auch Ein­schät­zun­gen aus Nach­bar­län­dern ge­hen in die­se Rich­tung. Of­fen­kun­dig be­un­ru­hi­gen die wach­sen­den Am­bi­tio­nen der Gross­macht Chi­na ei­ni­ge Re­gie­run­gen die­ser Welt­re­gi­on. Da­bei ist In­di­en un­miss­ver­ständ­lich ge­willt, die­sem Druck mit sub­stan­zi­el­len En­ga­ge­ments und In­ves­ti­tio­nen zu be­geg­nen. Fest­zu­hal­ten ist, das In­di­en ne­ben Sau­di-ara­bi­en der welt­weit gröss­te Im­por­teur von Rüs­tungs­gü­tern über das ver­gan­ge­ne Jahr­zehnt hin­weg war; doch auch Chi­na und Pa­kis­tan fin­den sich weit oben in die­ser Rang­lis­te (vgl. Gra­fik links).

Es ist heu­te spür­bar, dass Frank­reich und In­di­en ih­re bi­la­te­ra­len Be­zie­hun­gen in­ten­si­vie­ren wol­len. In­di­en ist an ei­ner In­ten­si­vie­rung des Tech­no­lo­gie­trans­fers in­ter­es­siert. Ge­mäss der nun be­ste­hen­den Über­ein­kunft soll das Land zwar 126 Ra- fa­le er­wer­ben, doch nur die ers­ten 18 wer­den in Frank­reich ge­baut. Die fol­gen­den 108 Ma­schi­nen sol­len von der staat­li­chen Hin­dus­tan Ae­ro­nau­tics Li­mi­ted (HAL) ge­fer­tigt wer­den. In Li­zenz fer­tigt HAL be­reits Mi­li­tär­ma­schi­nen rus­si­schen Ur­sprungs, so die MIG-27 M und die Sukhoi 30 MKI. Doch aus die­ser gros­sen Ab­hän­gig­keit von rus­si­schen Rüs­tungs­gü­tern scheint sich die in­di­sche Re­gie­rung lö­sen zu wol­len. Sie setzt da­mit auf ei­ne brei­te­re Rü­cken­de­ckung, ge­ra­de auch im Kreis der gros­sen west­eu­ro­päi­schen In­dus­trie­staa­ten. Den Ame­ri­ka­nern schei­nen die In­der we­gen de­ren pri­vi­le­gier­ter Be­zie­hun­gen zu Pa­kis­tan mit grös­se­rer Zu­rück­hal­tung zu be­geg­nen. Frank­reich scheint da als Part­ner in­ter­es­san­ter: Ei­ne er­folg­rei­che Ab­wick­lung des Ra­fa­le-de­als kön­ne ei­nen Know-how-trans­fer in wei­te­ren Be­rei­chen för­dern, be­son­ders in der Nu­kle­ar­tech­no­lo­gie und in wei­te­ren Rüs­tungs­be­rei­chen, un­ter­streicht die Ta­ges­zei­tung «The Hin­du». Frank­reich müs­se jetzt über das Ra­fa­le-ge­schäft ver­mehrt ver­pflich­tet und an Ver­spre­chen er­in­nert wer­den.

Auf fran­zö­si­scher Sei­te ist die Er­leich­te­rung zu­nächst gross, dass das Mehr­zweck­kampf­flug­zeug nach ei­ni­gen Miss­er­fol­gen – auch in der Schweiz – end­lich ei­nen Käu­fer im Aus­land ge­fun­den hat. Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Gé­r­ard Lon­guet hat­te sich be­reits mit dem Ge­dan­ken be­fasst, das von Auf­trä­gen des fran­zö­si­schen Staats ab­hän­gi­ge Ra­fa­le-pro­gramm bis 2021 aus­lau­fen zu las­sen, soll­te sich der Er­folg im Aus­land nicht ein­stel­len. Es ist sehr wohl mög­lich, dass nun auch an­de­re

Das­sault Avia­ti­on Staa­ten im süd­ost­asia­ti­schen Raum den Ra­fa­le ver­mehrt in ih­re Eva­lu­ie­rung ein­be­zie­hen, nicht zu­letzt auch we­gen der De­mons­tra­ti­on sei­ner Leis­tungs­fä­hig­keit wäh­rend des Li­by­en­kon­flikts.

Selbst­re­dend be­trifft der Ra­fa­le nicht nur den Her­stel­ler Das­sault Avia­ti­on, son­dern ein Netz­werk von 500 be­tei­lig­ten Un­ter­neh­men, dar­un­ter auch den Trieb­werk­her­stel­ler Saf­ran und den Rüs­tungs­elek­tro­nik­spe­zia­lis­ten Tha­les. Mit an­de­ren Wor­ten ist ein ge­sam­ter mi­li­tä­risch­in­dus­tri­el­ler Kom­plex (7%-An­teil am welt­wei­ten Waf­fen­ex­port) an­ge­spro­chen, der in den ver­gan­ge­nen Jah­ren Mü­he be­kun­de­te, sei­ne Stel­lung ne­ben den Schwer­ge­wich­ten USA (30%) und Russ­land (23%) zu be­haup­ten. Das ist ein Stück weit dar­auf zu­rück­zu­füh­ren, dass Frank­reich sich nicht im zwei­ten Irakk­rieg en­ga­gier­te und da­nach bei der Ver­ga­be von Gross­auf­trä­gen in der Re­gi­on we­ni­ger gu­te Kar­ten hat­te.

Hef­ti­ge Bör­sen­re­ak­ti­on

Als wie be­deu­tungs­voll die ver­bes­ser­ten Per­spek­ti­ven in In­di­en für Das­sault Avia­ti­on ein­ge­stuft wer­den, lässt sich auch an der Bör­sen­re­ak­ti­on ab­le­sen: Die in be­schei­de­nen Vo­lu­men ge­han­del­ten Ti­tel avan­cier­ten im Wo­chen­ver­lauf gut 15%, wo­mit sich die Bör­sen­ka­pi­ta­li­sie­rung um 1 Mrd. auf 7 Mrd. € er­höh­te. Auch Tha­les und Saf­ran (je +5%) ge­hör­ten die­se Wo­che zu den Kurs­ge­win­nern in Paris.

Die In­ves­to­ren ha­ben da­mit Vor­schuss­lor­bee­ren ver­teilt, denn noch ist der Kontrakt mit der in­di­schen Re­gie­rung nicht un­ter­schrie­ben. Die Fran­zo­sen wer­den jetzt in ex­klu­si­ve Ver­hand­lun­gen ein­ge­bun­den, in de­nen es die Mo­da­li­tä­ten des Ge­schäfts im Ein­zel­nen zu re­geln gilt. Nach Ein­schät­zung von Ja­mes Har­dy von der spe­zia­li­sier­ten Zeit­schrift «Ja­ne’s De­fence Wee­kly» ist der Kontrakt bei wei­tem nicht im Tro­cke­nen. Die nun er­run­ge­ne Ver­hand­lungs­po­si­ti­on müs­se erst noch in ein kon­kre­tes Re­sul­tat um­ge­setzt wer­den. In je­dem Fal­le wer­den sich die Ver­hand­lun­gen über Mo­na­te hin­zie­hen. In­di­ens Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Aracka­pa­ram­bil Ku­ri­en An­t­o­ny rech­net je­den­falls nicht da­mit, dass er das Ge­schäft in die­sem Fis­kal­jahr ver­ab­schie­den wird.

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