Ethos for­dert mehr En­ga­ge­ment

SCHWEIZ Ähn­li­che The­men an den Ge­ne­ral­ver­samm­lun­gen wie letz­tes Jahr– 48 kon­sul­ta­ti­ve Ab­stim­mun­gen zum Ver­gü­tungs­be­richt

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - RE­TO GY­SI VON WART­BURG

Wäh­rend der kom­men­den Wo­chen flat­tern die Ein­la­dun­gen zu den dies­jäh­ri­gen Ge­ne­ral­ver­samm­lun­gen (GV) in die Brief­käs­ten der An­le­ger. Die Ethos-stif­tung, der 120 Pen­si­ons­kas­sen und Stif­tun­gen an­ge­hö­ren, for­dert die In­ves­to­ren auf, hin­zu­ge­hen: «Die Ak­tio­nä­re müs­sen ver­ste­hen, dass die GV das obers­te Gre­mi­um ei­nes Un­ter­neh­mens ist», sag­te Ethos-di­rek­tor Do­mi­ni­que Biedermann vor den Me­di­en.

Die Stimm­be­tei­li­gung liess letz­tes Jahr mit 55% zu wün­schen üb­rig, wo­bei vor al­lem das En­ga­ge­ment der in­sti­tu­tio­nel­len An­le­ger ent­täusch­te. Ethos freut sich je­doch dar­über, dass es ver­mehrt Op­po­si­ti­on gibt, was den Druck auf die Füh­rung der Un­ter­neh­men er­höht. 2011 wur­den an den Ge­ne­ral­ver­samm­lun­gen im­mer­hin vier Ver­wal­tungs­rats­an­trä­ge ab­ge­lehnt: der Ver­gü­tungs­be­richt von Wea­ther­ford, die Dé­char­ge bei Tran­so­ce­an und die Schaf­fung von be­ding­tem Ka­pi­tal für Swiss Pri­me Si­te und Te­me­nos.

No­var­tis in der Kri­tik

Biedermann er­war­tet, dass auch die­ses Jahr die The­men Ver­gü­tungs­sys­tem, Dé­char­ge, Wah­len in den Ver­wal­tungs­rat und Ka­pi­tal­er­hö­hun­gen die Ge­ne­ral­ver­samm­lun­gen do­mi­nie­ren wer­den.

Ei­ne kon­kre­te Emp­feh­lung kann Ethos erst für die GV von No­var­tis ab­ge­ben: Die Wie­der­wahl der Ver­wal­tungs­rä­te Wil­li­am Bro­dy und Sri­kant Da­tar, bei­de sind Mit­glie­der des Ver­gü­tungs­aus­schus­ses, sei ab­zu­leh­nen. Der Grund ist das Un­ver­ständ­nis über die Lohn­po­li­tik von No­var­tis: Ob­wohl die Ergebnisse schlech­ter sei­en, sei die Ver­gü­tung des Ma­nage­ments ge­stie­gen, mo­niert Ethos. Zu­dem sei­en die va­ria­blen Lohn­an­tei­le, die bis zum 9,9-Fa­chen des Ba­sis­lohns be­tra­gen kön­nen, zu hoch. No­var­tis lässt die Ak­tio­nä­re zwar kon­sul­ta­tiv über den Ver­gü­tungs­be­richt ab­stim­men («Say on Pay»), aber nur al­le drei Jah­re. 2011 lehn­ten im­mer­hin 39% den Be­richt ab. An­ge­sichts die­ser gros­sen Op­po­si­ti­on hät­te Ethos er­war­tet, dass No­var­tis die­ses Jahr aus­ser­plan­mäs­sig noch ein­mal kon­sul­ta­tiv über die Ver­gü­tung ab­stim­men lässt.

Ge­spannt und mit ei­ni­ger Skep­sis war­tet Biedermann nun auf die Jah­res­be­rich­te und die Gv-trak­tan­den der Gross­ban­ken. Die Cre­dit Suis­se wird das Ver­gü­tungs­sys­tem auch die­ses Jahr wie­der än­dern, wor­aus er fol­gert, dass «et­was nicht stim­men kann». Im Fall der UBS war er sehr ent­täuscht über den Han­dels­ver­lust in London. Weil die In­vest­ment­bank schwa­che Ergebnisse lie­fern wird, ge­be es kei­nen Grund, in die­sem Be­reich va­ria­ble Lohn­kom­po­nen­ten zu zah­len, «auch wenn die Leu­te viel ge­ar­bei­tet ha­ben». So­wohl die Ak­tio­nä­re der UBS als auch die der CS kön­nen kon­sul­ta­tiv über den Ver­gü­tungs­be­richt ab­stim­men.

Wir­kungs­vol­ler Dia­log

Ethos hat zum Ziel, dass sich die Un­ter­neh­men für ih­re Ge­ne­ral­ver­samm­lung an ei­nem mi­ni­ma­len Stan­dard mit vier Ele­men­ten ori­en­tie­ren: Zu­sätz­lich zu ei­ner Say-on-pay-ab­stim­mung die Pu­bli­ka­ti­on des Gv-pro­to­kolls auf der In­ter­net-sei­te des Un­ter­neh­mens, die Of­fen­le­gung der ge­nau­en Ab­stim­mungs­er­geb­nis­se und ein elek­tro­ni­sches Ab­stim­mungs­ver­fah­ren. Vie­le Un­ter­neh­men ent­spre­chen die­sen Stan­dards voll­stän­dig. Von den hun­dert gröss­ten in der Schweiz ko­tier­ten Un­ter­neh­men er­füllt ein Drit­tel al­le vier Kri­te­ri­en, nur je­des Zehn­te we­ni­ger als zwei (sie­he Ta­bel­le).

Ethos hat sich mitt­ler­wei­le ei­ne ge­nü­gend star­ke Re­pu­ta­ti­on er­ar­bei­tet, um im Dia­log – dem sich al­le hun­dert Un­ter­neh­men stel­len – mit sanf­tem Druck viel zu er­rei­chen. So ver­öf­fent­li­chen mitt­ler­wei­le 94 der hun­dert be­trach­te­ten Un­ter­neh­men das Pro­to­koll der im In­ter­net, 2005 wa­ren es erst 35. Am meis­ten Op­ti­mie­rungs­po­ten­zi­al gibt es noch bei den Say-on-pay-ab­stim­mun­gen. 48 Un­ter­neh­men las­sen 2012 die Löh­ne an der Ge­ne­ral­ver­samm­lung ab­seg­nen, drei mehr als im Vor­jahr (vgl. Gra­fi­ken).

Say on Pay an Ge­ne­ral­ver­samm­lun­gen

Ethos-di­rek­tor Do­mi­ni­que Biedermann: «Op­po­si­ti­on an der Ge­ne­ral­ver­samm­lung er­höht den Druck auf die Un­ter­neh­mens­füh­rung.»

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