Ei­ne Ab­kopp­lung ist doch mög­lich

Ein­kaufs­ma­na­ger­indi­zes der In­dus­trie fal­len welt­weit un­ter­schied­lich aus – Kräf­ti­ger An­stieg in Nor­we­gen und Dä­ne­mark – USA bes­ser

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - ANDRE­AS NEIN­HAUS

Ein lan­ge ver­pön­ter Be­griff dürf­te schon bald in das An­la­ge­vo­ka­bu­lar zu­rück­keh­ren: Ab­kopp­lung. Im­mer wie­der hat­ten In­vest­ment­pro­fis in ver­gan­ge­nen Ab­schwung­pha­sen dar­auf ge­setzt, dass sich ein­zel­ne Län­der von dem all­ge­mei­nen Ab­wärts­trend lö­sen könn­ten und ent­ge­gen­ge­setzt ab­schnit­ten. Lei­der kam es in der Rea­li­tät sel­ten da­zu. Ei­ne Re­zes­si­on in Eu­ro­pa er­fass­te frü­her oder spä­ter auch die USA und um­ge­kehrt. Selbst Asi­en ver­moch­te sich dem Ein­bruch 2008/09 nicht zu ent­zie­hen, wie der ab­rup­te Rück­gang des Welt­han­dels da­mals ein­drück­lich be­leg­te. Bald wag­te kaum noch je­mand ei­ne Ab­kopp­lung zu pro­phe­zei­en. Die die­se Wo­che pu­bli­zier­ten Ein­kaufs­ma­na­ger­indi­zes PMI le­gen in­des na­he, dass nun der Au­gen­blick für ei­ne sol­che Ein­schät­zung ge­kom­men sein könn­te.

Zwar ist auch ge­gen­wär­tig welt­weit ei­ne Brems­wir­kung aus­zu­ma­chen, aber die wirt­schaft­li­che Dy­na­mik va­ri­iert von Re­gi­on zu Re­gi­on. In den USA ist der In­dex der Chef­ein­käu­fer in der In­dus­trie von re­vi­diert 53,1 im De­zem­ber auf 54,1 im Ja­nu­ar ge­stie­gen. Er be­fin­det sich auf dem höchs­ten Stand seit sie­ben Mo­na­ten. Der Wert lag leicht un­ter den Pro­gno­sen von Öko­no­men. Aber der Teil­in­dex für den Auf­trags­ein­gang sprang von 54,8 auf 57,6, der für die Ex­port­auf­trä­ge hat sich zum drit­ten Mal ver­bes­sert und liegt auf 55.

Selbst wenn das Wirt­schafts­wachs­tum im lau­fen­den Quar­tal we­gen ge­rin­ge­rer La­ger­in­ves­ti­tio­nen ver­hal­ten aus­fal­len dürf­te, legt der PMI na­he, dass die USKon­junk­tur im Schlepp­tau von Cor­po­ra­te Ame­ri­ca die­ses Jahr an Fahrt ge­winnt. Dar­auf las­sen in­zwi­schen selbst die über Er­war­ten aus­ge­fal­le­nen Zah­len vom Ar­beits­markt hof­fen (vgl. Sei­te 31). Auch die Ein­kaufs­ma­na­ger be­ur­teil­ten im Ja­nu­ar die Be­schäf­ti­gungs­la­ge über­wie­gend zu­ver­sicht­lich (Pmi-kom­po­nen­te: 54,3).

Star­kes Nord­eu­ro­pa

Wäh­rend jen­seits des At­lan­tiks die Dy­na­mik zu­nimmt, ver­läuft in den wachs­tums­ver­wöhn­ten Schwel­len­län­dern der Trend im­mer häu­fi­ger seit­wärts. Bra­si­li­ens PMI lag im Ja­nu­ar auf 50,6, Chi­nas auf 50,5. In bei­den Fäl­len be­fin­det er sich da­mit auf der kri­ti­schen Schwel­le von 50, die zwi­schen Wachs­tum und Kon­trak­ti­on trennt.

Eu­ro­pa be­fin­det sich in ei­nem kräf­ti­gen Ab­schwung. Ganz Eu­ro­pa? Nein: Zwei klei­ne Staa­ten im Nor­den, die den Eu­ro nicht als Wäh­rung ein­ge­führt ha­ben, leis­ten Wi­der­stand. Nor­we­gens PMI ist im Ja­nu­ar auf 54,9 ge­sprun­gen, der Auf­trags­in­dex ver­bes­ser­te sich auf 57,9. Bei­de la­gen im De­zem­ber noch weit un­ter 50. Die über­ra­schen­de Leit­zins­sen­kung um ei­nen hal­ben Pro­zent­punkt auf 1,75% im De­zem­ber hat Wir­kung ge­zeigt. Dä­ne­marks

Ein­kaufs­ma­na­ger­index PMI ist mit 54,3 resp. 58,9 für Neu­auf­trä­ge ver­gleich­bar gut aus­ge­fal­len.

Im üb­ri­gen Eu­ro­pa be­we­gen sich die In­di­ka­to­ren wei­ter­hin zwi­schen leich­ter und schwe­rer Re­zes­si­on. Deutsch­lands, Schwe­dens und Gross­bri­tan­ni­ens PMI für die In­dus­trie fan­den zwar zu­rück über die Wachs­tums­schwel­le auf Wer­te zwi­schen 51 und 52. Frank­reichs In­dus­trie­ak­ti­vi­tät

Ex­por­te nach Bran­chen schrumpft in­des wei­ter. Eben­so die Ita­li­ens und Spa­ni­ens, dort nur ve­he­men­ter.

Schwa­che Schweiz

In der Schweiz blieb der In­dex eben­falls un­ter der kri­ti­schen Schwel­le und sank so­gar deut­lich: von nach­träg­lich nach un­ten re­vi­dier­ten 49,1 im De­zem­ber auf 47,3 im Ja­nu­ar. Hier­zu­lan­de führt die In­dus­trie den Ab­tau­cher in die Re­zes­si­on an, wäh­rend der pri­va­te Kon­sum ro­bust bleibt. Dar­auf deu­tet die Auf­trags­ent­wick­lung hin: Der deut­li­che Rück­gang der Be­stel­lun­gen war haupt­ver­ant­wort­lich für die Ver­schlech­te­rung des PMI.

Die Schwei­zer Aus­sen­han­dels­zah­len ge­ben we­nig Auf­schluss über die Stär­ke des Ab­schwungs in der In­dus­trie. Im De­zem­ber sta­gnier­ten die Ex­por­te zwar. Da der Mo­nat zwei Ar­beits­ta­ge we­ni­ger zähl­te als im Vor­jahr, re­sul­tier­te ka­len­der­be­rei­nigt aber ein An­stieg um 9,2%. Den­noch: Nur Uh­ren und Phar­ma leg­ten zu – sie mach­ten 39% der Ex­por­te aus –, die meis­ten In­dus­tri­en ver­kauf­ten we­ni­ger als vor ei­nem Jahr. Dar­über hin­aus sind die An­bie­ter an­ge­sichts des har­ten Fran­kens zu Preis­nach­läs­sen ge­zwun­gen.

Die Ein­fuh­ren von In­ves­ti­ti­ons­gü­tern schrumpf­ten im De­zem­ber 6,3 und im Jah­res­ver­lauf 2,7%. Das deu­tet auf ei­nen In­ves­ti­ti­ons­stopp Schwei­zer Un­ter­neh­men hin. Al­ler­dings wir­ken sich hier preis­be­ding­te Ab­stri­che als Fol­ge der Fran­ken­stär­ke aus, nicht im­mer wur­de das Ein­fuhr­vo­lu­men zu­rück­ge­fah­ren. Der Aus­sen­han­del schnei­det al­so we­ni­ger schlecht ab, als der PMI na­he­legt. Von ei­ner Trend­wen­de, wie sie sich in an­de­ren Län­dern ab­zeich­net, ist hier­zu­lan­de trotz­dem nichts zu se­hen.

Die Au­to­ver­käu­fe lie­gen in Frank­reich 13%, in Spa­ni­en 37% un­ter dem lang­fris­ti­gen Mit­tel.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.