Kurs­er­ho­lung ist erst et­was für Op­ti­mis­ten

AK­TI­EN­AN­LA­GEN Nach deut­li­chen Ge­win­nen hof­fen An­le­ger auf ein gu­tes Jahr – Zen­tral­bank­li­qui­di­tät spielt ei­ne gros­se Rol­le – Ris­kan­te An­la­gen ge­sucht

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - CLIFFORD PADEVIT,

Ri­si­ko ist wie­der ge­fragt. Im Ja­nu­ar ha­ben als ris­kant emp­fun­de­ne An­la­ge­klas­sen – Ak­ti­en, aber auch Staats­an­lei­hen Ita­li­ens – ver­mehrt Käu­fer ge­fun­den. Nach dem blen­den­den Start ins Jahr fra­gen sich al­le, ob es so wei­ter­geht.

Den Ja­nu­aref­fekt gibt es. In den letz­ten 110 Jah­ren ha­ben sich Ak­ti­en im Us-in­dex S&P 500 im Ja­nu­ar im Schnitt bes­ser ent­wi­ckelt als in an­de­ren Mo­na­ten. Die­se Aus­wer­tung von Mor­gan-st­an­ley-stra­te­gen deu­tet dar­auf hin, dass An­le­ger An­fang Jahr ri­si­ko­freu­di­ger sind. Das Kal­kül von Pro­fi­an­le­ger: Soll­ten sie im Ja­nu­ar schlech­ter als der Ver­gleichs­in­dex ab­schlies­sen, ha­ben sie noch elf Mo­na­te, um den Rück­stand gut­zu­ma­chen. Ein Mo­nat macht noch kein Jahr, das gilt aber bei gu­ten wie bei schlech­ten Ren­di­ten. Im Ja­nu­ar vor ei­nem Jahr zum Bei­spiel stieg der In­dex eu­ro­päi­scher Bank­wer­te (Sto­xx 600 Ban­ken) um 10,5%. In der Jah­res­ab­rech­nung ver­lor der Ban­ken­in­dex 32%.

Je ris­kan­ter, des­to bes­ser

Die Rück­kehr der Ri­si­ko­freu­de folg­te bis­her dem Con­tra­ri­an-sche­ma (vgl. Gra­fik). An­la­gen, die 2011 be­son­ders schlecht ab­schnit­ten, ge­wan­nen am meis­ten hin­zu. Be­son­ders deut­lich war die­se Um­kehr in Schwel­len­län­der­ak­ti­en, in ita­lie­ni­schen Staats­an­lei­hen so­wie Bank­ak­ti­en. In­ner­halb der ver­schie­de­nen Sek­to­ren in Eu­ro­pa, so ver­rät ei­ne Ana­ly­se der UBSAk­ti­en­stra­te­gen, wa­ren be­son­ders kon­junk­tur­sen­si­ti­ve Bran­chen (zy­kli­sche) ge­sucht, ne­ben Ban­ken auch Kon­sum­gü­ter, die über den täg­li­chen Ge­brauch hin­aus­ge­hen (Au­to, Be­klei­dung, Lu­xus­gü­ter), so­wie Che­mie. Am an­de­ren En­de der Ska­la reih­ten sich Tele­com und Ver­sor­ger ein.

Ren­di­ten im Ja­nu­ar

Es gibt gu­te Grün­de für die Zu­ver­sicht. Wich­tig wa­ren die bes­ser als er­war­tet aus­ge­fal­le­nen volks­wirt­schaft­li­chen Da­ten aus Chi­na und den USA, wie zu­letzt am Frei­tag der Us-ar­beits­markt­be­richt. Be­deu­tend ist vor al­lem aber das güns­ti­ge Geld der Zen­tral­ban­ken, be­son­ders der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB), für Ban­ken. Ins­ge­samt 489 Mrd. € hat die EZB für drei Jah­re für nur 1% den Ban­ken aus­ge­lie­hen. Die­se Li­qui­di­täts­schwem­me hat in den Au­gen der In­ves­to­ren das Sys­tem­ri­si­ko im eu­ro­päi­schen Fi­nanz­sys­tem ge­senkt. Sie er­war­ten kei­nen «Leh­manMo­ment» mehr. Und Ban­ken nut­zen die güns­ti­ge Fi­nan­zie­rung, in­dem sie An­la­gen kau­fen, die mehr ab­wer­fen als 1%. Ren­di­ten in ita­lie­ni­schen und spa­ni­schen Staats­an­lei­hen deu­ten dar­auf hin, dass sie zu­ge­grif­fen ha­ben. Ein an­de­res An­zei­chen sind Auf­schlä­ge in Pfand­brie­fen. Ge­mäss Unicre­dit wa­ren be­son­ders sol­che mit Lauf­zei­ten un­ter drei Jah­ren ge­sucht.

Glei­che Geld­po­li­tik über­all

Was An­le­ger an der Li­qui­di­tät der EZB be­son­ders mö­gen, ist die Wie­der­ho­lung. Am 29. Fe­bru­ar gibt es noch ei­ne Ge­le­gen­heit, güns­tig Geld auf­zu­neh­men. Ci­ti­group-stra­te­gen be­mer­ken zum Ein­fluss der Ezb-li­qui­di­tät, dass an­ders als im ver­gan­ge­nen Jahr die Geld­po­li­tik rund um die Welt gleich­ge­schal­tet sei. Ab­ge­se­hen von der EZB hat die Us-no­ten­bank Fed Nied­rig­zin­sen bis 2014 be­stä­tigt und Zen­tral­ban­ken in Schwel­len­län­der lo­ckern ver­mehrt ih­re Geld­po­li­tik. Das vie­le güns­ti­ge Geld sucht nach er­trag­rei­chen Chan­cen und treibt die Kur­se.

Die wei­te­re Er­ho­lung der Ak­ti­en­kur­se ist den­noch nicht ge­si­chert. So­wohl in den USA als auch in Eu­ro­pa sind die Han­dels­vo­lu­men in Ak­ti­en dünn. Ver­gleichs­wei­se we­nig Käu­fer be­we­gen da­her die Kur­se. Die Ubs-stra­te­gen wei­sen dar­auf hin, dass bis­her erst Hedge Funds ge­kauft ha­ben, tra­di­tio­nel­le An­la­ge­ma­na­ger hin­ge­gen kaum. Zu­dem ist trotz al­ler Eu­pho­rie frag­lich, wo die Ezb-kre­di­te hin­wan­dern. Die Ban­ken­ein­la­gen bei der EZB ver­har­ren auf Re­kord­ni­veau (vgl. Sei­te 26); Ban­ken brin­gen das Geld al­so lie­ber zur EZB als es aus­zu­lei­hen. Die Ge­fahr ei­ner Kre­dit­klem­me ist da­her nicht ge­bannt, was die Kre­dit­kon­di­tio­nen in der Eu­ro­zo­ne be­stä­ti­gen. Im vier­ten Quar­tal zo­gen Ban­ken die Schrau­be an und wer­den im lau­fen­den Quar­tal noch­mals stren­ge­re Vor­ga­ben ma­chen, was den Fluss der Kre­di­te an Un­ter­neh­men und Pri­va­te ein­schränkt. Letzt­lich wer­den sich mit Li­qui­di­tät al­lein die Bi­lanz­pro­ble­me der Staa­ten und Ban­ken in Eu­ro­pa nicht lö­sen las­sen. Das Pro­blem wird nur auf­ge­scho­ben.

Auf ei­ne an­hal­ten­de Kurs­er­ho­lung zu set­zen, ist ver­früht. Zu un­sta­bil ist die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung, der Schul­den­ab­bau der Staa­ten, Ban­ken und der Haus­hal­te bremst. Das heisst nicht, dass die Er­ho­lung nicht noch et­was an­hält, zu­min­dest bis die zwei­te Ezb-li­qui­di­täts­prit­ze ge­setzt wird. Je län­ger ein Auf­wärts­trend in Kon­junk­tur­da­ten und Kur­sen an­hält, des­to we­ni­ger lässt er sich igno­rie­ren. Dann wä­ren vor al­lem zy­kli­sche Ak­ti­en und Schwel­len­län­der­ak­ti­en ge­fragt.

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