«Markt für Po­li­ti­ker in­ter­na­tio­nal öff­nen»

REI­NER EI­CHEN­BER­GER Über die Pro­ble­me der Eu­ro­päi­schen Uni­on, den Eu­ro so­wie das Ver­hält­nis der Schweiz zur EU

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE -

Die EU steht der­zeit im Mit­tel­punkt des öf­fent­li­chen In­ter­es­ses, sei es we­gen der Pro­ble­me mit dem Eu­ro, sei es auch we­gen des heik­len Ver­hält­nis­ses der Schweiz zur EU. Der in Frei­burg leh­ren­de Öko­nom Rei­ner Ei­chen­ber­ger zeich­net sich im­mer wie­der durch un­kon­ven­tio­nel­le Denk- und Lö­sungs­an­sät­ze aus – so auch im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft». Herr Ei­chen­ber­ger, die EU und der Eu­ro sind in der Kri­se. Sind sie noch zu ret­ten? Ja, aber man muss zwi­schen der EU und dem Eu­ro un­ter­schei­den. Die EU an sich ist nicht be­droht. Ge­wis­se Pro­ble­me wür­den sich stel­len, wenn der Eu­ro auf­ge­löst wer­den soll­te. Das wä­re nicht ganz ein­fach ab­zu­wi­ckeln. Ins­ge­samt se­he ich die EU trotz all ih­rer schwer­wie­gen­den Schwä­chen aber nicht in der Kri­se. Es gibt der­zeit nur we­ni­ge Län­der, die be­züg­lich wirt­schaft­li­chen Wohl­er­ge­hens bes­ser ab­schnei­den als die EU ins­ge­samt. Sie hat ih­re Mit­glie­der zwar nicht zur ab­so­lu­ten Spit­ze ge­bracht, aber auch nicht ein­fach her­un­ter­ge­wirt­schaf­tet. zu wer­den. Denn mit dem Ruf, gu­te Po­li­tik be­trie­ben zu ha­ben, kann man vom Dorf in die Stadt und von da in die Me­tro­po­le wech­seln. Dann lohnt es sich für Po­li­ti­ker, den Be­ruf des Bür­ger­meis­ters wirk­lich zu ler­nen, und es könn­ten neue Par­tei­en ent­ste­hen, die sich bei­spiels­wei­se auf Städ­te­sa­nie­run­gen spe­zia­li­sie­ren. So ent­stün­de ein Markt für gu­te Po­li­ti­ker. Ein noch nicht ver­brei­te­ter Denk­an­satz… Ei­ner­seits sind wir über­zeugt, dass Märk­te et­was Gu­tes sind. An­de­rer­seits ist der wich­tigs­te Markt, der­je­ni­ge für Po­li­tik, ge­schlos­sen. Po­li­tik ist die weit­aus wich­tigs­te Di­enst­leis­tung. Dort fin­det die gröss­te Wert­schöp­fung statt, in man­chen Län­dern über 50% des Brut­to­in­land­pro­dukts – und just das ist der ein­zi­ge Markt, der to­tal re­gu­liert ist, der kei­ne Leu­te von aussen zu­lässt. Wenn Sie das auf die Wirt­schaft über­tra­gen, könn­te ein Un­ter­neh­men nur noch Füh­rungs­kräf­te re­kru­tie­ren, die in sei­ner Sitz­ge­mein­de woh­nen. No­var­tis zum Bei­spiel dürf­te nur noch Per­so­nen en­ga­gie­ren, die in Ba­sel woh­nen – und wä­re da­mit so­fort er­le­digt. Die Po­li­tik holt sich in Not­la­gen ger­ne ex­ter­ne Tech­no­kra­ten. Ja, Ita­li­en hat mit Ma­rio Mon­ti je­man­den ge­holt, der vor al­lem aus­ser­halb des Lan­des Kar­rie­re ge­macht hat. Das zeigt, dass die Re­pu­ta­ti­on, die sich Per­so­nen aus­ser­halb ih­rer Hei­mat auf­bau­en, et­wa in den Eu-in­sti­tu­tio­nen, viel gilt. Dar­um ist es auch glaub­wür­dig, dass sie nach ih­rer Rück­kehr nicht so­fort in lan­des­ty­pi­schen Krei­sen ver­sump­fen. Per­so­nen wie Mon­ti aspi­rie­ren auf den Welt­markt, er kann nach­her zu­rück auf die eu­ro­päi­sche Ebe­ne. Wenn er sei­ne Ar­beit in Ita­li­en nicht recht macht, ver­gibt er sich viel. Je­mand da­ge­gen, der als Teil ei­nes ge­schlos­se­nen Sys­tems funk­tio­niert, ver­liert nicht so viel, wenn sei­ne Leis­tung ma­ger ist. Er­go als hy­po­the­ti­scher Rat­schlag an Kanz­le­rin Mer­kel: Öff­nen Sie den Markt für Po­li­tik. Lässt sich das um­set­zen? Pro­blem­los. Das ist ein Fe­der­strich, die denk­bar ein­fachs­te Re­form. Man muss nur in den je­wei­li­gen Wahl­ge­set­zen den Pas­sus strei­chen, wo­nach Kan­di­da­ten zum Zeit­punkt der Wahl Wohn­sitz in der

Die Schweiz soll ge­mäss Rei­ner Ei­chen­ber­ger wei­ter auf den bi­la­te­ra­len Weg set­zen.

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