Die Zeit ist reif für eu­ro­päi­sche Ak­ti­en

MARKTSTIMME Zy­kli­sche und un­ter­be­wer­te­te Ti­tel ver­spre­chen ei­ne gu­te Per­for­mance – Aus­weg aus Staats­schul­den­kri­se ist nicht mehr fern

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - KON­STAN­TIN NIKITEAS

Die Be­wer­tun­gen an den Ak­ti­en­märk­ten der Eu­ro­zo­ne wa­ren An­fang 2011 rund 37% tie­fer als im Ju­ni 2007. Die­se Ent­wick­lung ging ein­her mit der Ver­schul­dungs­kri­se in Eu­ro­pa und traf be­son­ders fran­zö­si­sche Un­ter­neh­men hart. Die Be­wer­tun­gen der ein­zel­nen Ti­tel ste­hen zum Teil in deut­li­chem Ge­gen­satz zur wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung und zu den Un­ter­neh­mens­re­sul­ta­ten.

Vor al­lem die Us-wirt­schaft, aber auch die Schwel­len­märk­te wuch­sen 2011. Deutsch­land (+3%) und an­de­re Län­der der Eu­ro­zo­ne wie Frank­reich (+1,7%) ver­buch­ten eben­falls po­si­ti­ve Wachs­tums­zah­len. Die­se an und für sich gu­ten Kon­junk­tur­da­ten ha­ben sich aber in den eu­ro­päi­schen Ak­ti­en­in­di­zes noch nicht nie­der­ge­schla­gen, denn die­se wa­ren auf­grund der ent­täusch­ten Hoff­nun­gen auf ei­ne ra­sche Lö­sung der Schul­den­kri­se im Takt der ver­schie­de­nen eu­ro­päi­schen Gip­fel star­ken Schwan­kun­gen aus­ge­setzt. Nun scheint aber ei­ne Lö­sung greif­bar, was die Aus­sich­ten auf ei­ne Er­ho­lung der eu­ro­päi­schen Ak­ti­en deut­lich ver­bes­sert.

Geht die Ral­ly wei­ter?

Ent­schei­dend wer­den die wei­te­ren Ge­sprä­che mit Grie­chen­land sein. Po­si­ti­ve Si­gna­le kom­men da­zu aus dem fran­zö­si­schen Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um. Frank­reich und Deutsch­land schei­nen nun ent­schlos­sen zu sein, Grie­chen­land zu un­ter­stüt­zen. Auch die Aus­sa­ge des grie­chi­schen Fi­nanz­mi­nis­ters, sein Land sei be­reit, die Ei­ni­gung mit dem Pri­vat­sek­tor recht­zei­tig zu ei­nem gu­ten En­de zu brin­gen, wur­de von den Märk­ten gut auf­ge­nom­men.

Die ers­ten Fol­gen da­von wa­ren eu­ro­pa­weit stei­gen­de Ak­ti­en­kur­se so­wie ein deut- li­cher Rück­gang der Ren­di­te­auf­schlä­ge von An­lei­hen der am stärks­ten be­trof­fe­nen Staa­ten. Zu er­war­ten ist, dass die Ak­ti­en­kur­se zu­min­dest kurz­fris­tig wei­ter stei­gen wer­den, da der Markt je­de Ei­ni­gung als po­si­tiv wer­ten wird – un­ab­hän­gig von der Hö­he des Schul­den­schnitts.

Ob die Ral­ly die­ses Mal von Dau­er ist, wird sich zei­gen. Zahl­rei­che Ana­lys­ten blei­ben vo­r­erst skep­tisch: 2011 schoss der Eu­ro Sto­xx 50 im Sep­tem­ber und Ok­to­ber 20% nach oben – nur um da­nach 15% zu ver­lie­ren. Die ak­tu­el­len Kon­junk­tur­da­ten stüt­zen dies­mal je­doch den Markt. So stieg das Ver­brau­cher­ver­trau­en im Eu­ro­raum im Ja­nu­ar stär­ker als er­war­tet. Wie die Eu-kom­mis­si­on mit­teil­te, klet­ter­te der In­dex in ei­ner vor­läu­fi­gen Um­fra­ge auf –21. Volks­wir­te hat­ten ei­nen Stand von –21,5 pro­gnos­ti­ziert. Fi­nanz­wer­te setz­ten ih­re Ral­ly der­weil eu­ro­pa­weit fort, für An­lei­hen mit kur­zer Lauf­zeit wer­den im­mer ge­rin­ge­re Ri­si­ko­auf­schlä­ge fäl­lig. Ban­ken kön­nen sich leich­ter re­fi­nan­zie­ren, und die Prei­se für Kre­dit­aus­fall­ver­si­che­run­gen sind ge­fal­len.

Doch wor­in ist die­ser neue Op­ti­mis­mus be­grün­det? Im De­zem­ber leg­te die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank ei­nen Lang­frist­Ten­der auf, der es Ban­ken er­mög­lich­te, zu güns­ti­gen Kon­di­tio­nen von nur 1% rund 500 Mrd. € auf­zu­neh­men. Da­für durf­ten sie zwei­fel­haf­te Si­cher­hei­ten bei den Wäh­rungs­hü­tern hin­ter­le­gen. Die Be­din­gun­gen wa­ren bes­ser als von Markt­be­ob­ach­tern er­war­tet. Eu­rostaa­ten fällt es heu­te zu­dem leich­ter, neue An­lei­hen aus­zu­ge­ben. Vor zwei Wo­chen lös­te Spa­ni­en bei ei­ner Lauf­zeit von zehn Jah­ren und ei­nem Zins von 5,4% 6,6 Mrd. €, 2 Mrd. mehr als ge­plant. Im No­vem­ber lag der Zins noch bei 6,9%. Auch Frank­reich und Ita­li­en konn­ten sich zu deut­lich bes­se­ren Kon­di­tio­nen neu­es Geld be­schaf­fen.

Wachs­tum BIP

In­zwi­schen geht der Op­ti­mis­mus so­gar so weit, dass selbst ne­ga­ti­ve Nachrichten am Markt igno­riert wer­den – zu­min­dest vor­läu­fig. Ei­nen Tag nach­dem die Agen­tur Stan­dard & Poor’s ihr Kre­dit­ra­ting für neun Eu­ro­län­der ge­senkt hat­te, stieg der Eu­ro Sto­xx 50 um 1%. Selbst Frank­reichs Leit­in­dex Cac40 leg­te am sel­ben Tag 0,9% zu – ob­wohl das Land erst kurz zu­vor sei­ne Bo­ni­täts-best­no­te ver­lo­ren hat­te.

Güns­ti­ger Ein­stieg

Eu­ro­päi­sche Ak­ti­en und vor al­lem Bank­ti­tel wer­den von die­ser Ent­wick­lung pro­fi­tie­ren. Das durch­schnitt­li­che Kurs-ge­winn-ver­hält­nis (KGV) eu­ro­päi­scher Va­lo­ren liegt der­zeit bei 12,3 und da­mit auf dem Ni­veau der Acht­zi­ger­jah­re. Da­mals lag das Ver­hält­nis zwi­schen Ak­ti­en­kur­sen und Un­ter­neh­mens­ge­win­nen zwi­schen 10,5 und 11,5. Ver­gleicht man das KGV vo­la­ti­ler Ak­ti­en mit dem von Pa­pie­ren mit nur ge­rin­gen Kurs­schwan­kun­gen, sind die Un­ter­schie­de eben­falls sehr ge­ring.

In die­sem Um­feld ist Roth­schild & Cie Ges­ti­on, der un­ab­hän­gi­ge As­set-ma­na­ger der Roth­schild-grup­pe, trotz der nach wie vor gros­sen Un­si­cher­heit an den Märk­ten über­zeugt da­von, dass ein Aus­weg aus der Staats­ver­schul­dungs­kri­se nicht mehr fern ist. Die Zeit für ei­nen Ein­stieg in eu­ro­päi­sche Ak­ti­en­fonds ist güns­tig. Um die Chan­cen op­ti­mal zu nut­zen, ist ei­ne Stra­te­gie ge­fragt, die ver­schie­de­ne ak­tu­el­le Ent­wick­lun­gen be­rück­sich­tigt.

Der Fonds R Con­vic­tion zum Bei­spiel wur­de mit at­trak­tiv be­wer­te­ten zy­kli­schen Ti­teln wie Daim­ler, Peu­geot und Cap­ge­mi­ni er­gänzt, um für die an­zie­hen­den Märk­te op­ti­mal po­si­tio­niert zu sein. Die­se Zu­käu­fe wur­den mit der schwä­che­ren Ge­wich­tung von de­fen­si­ven Va­lo­ren wie Deut­sche Te­le­kom oder Sa­no­fi fi­nan­ziert, bei de­nen das Po­ten­zi­al ei­ner sprung­haf­ten Wert­zu­nah­me in ei­nem po­si­ti­ve­ren Markt­um­feld eher klein ist. Bei­be­hal­ten wur­den die­je­ni­gen Ti­tel, die bei ei­ner Re­duk­ti­on des Re­fi­nan­zie­rungs­ri­si­kos in der Eu­ro­zo­ne und ei­nem bes­se­ren öko­no­mi­schen Um­feld schnel­les Wachs­tum ver­spre­chen. Bei­spie­le sind BNP Pa­ri­bas, So­cié­té Gé­né­ra­le und Ban­co Santan­der. Kon­stan­tin Nikiteas ist Ma­na­ging Di­rec­tor von Roth­schild & Cie Ges­ti­on.

Sinkt das Re­fi­nan­zie­rungs­ri­si­ko in der Eu­ro­zo­ne und ver­bes­sert sich das öko­no­mi­sche Um­feld, pro­fi­tie­ren Ti­tel wie Ban­co Santan­der.

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