Der mäch­tigs­te Fonds­ma­na­ger am Kap

Eli­as Ma­si­le­la, Chef der süd­afri­ka­ni­schen Pu­b­lic In­vest­ment Cor­po­ra­ti­on, ver­wal­tet 100 Mrd. € – Es gilt, In­ter­es­sen­kon­flik­te und po­li­ti­sche Ein­mi­schung zu um­ge­hen

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - WOLF­GANG DRECHS­LER,

An­ders als die meis­ten sei­ner in­ter­na­tio­na­len Kol­le­gen dürf­te Eli­as Ma­si­le­la, Chef der süd­afri­ka­ni­schen Pu­b­lic In­vest­ment Cor­po­ra­ti­on (PIC), im Ja­nu­ar äus­serst be­schwingt und oh­ne Sor­gen­fal­ten aus dem Weih­nachts­ur­laub zu­rück­ge­kehrt sein. Ein Grund da­für ist das gu­te Ab­schnei­den der Jo­han­nes­bur­ger Bör­se ( JSE), die En­de De­zem­ber fast ge­nau dort stand, wo sie zwölf Mo­na­te zu­vor ge­star­tet war – knapp 3% un­ter ih­rem All­zeit­hoch. Die­sen Don­ners­tag er­reich­te die JSE mit 34375 Punk­ten gar ei­nen neu­en Re­kord.

Süd­afri­kas mäch­tigs­ter Ver­mö­gens­ver­wal­ter hat ei­nen er­heb­li­chen Teil der von ihm ver­wal­te­ten 100 Mrd. € im lo­ka­len Ak­ti­en­markt in­ves­tiert. Ins­ge­samt be­sitzt die von Ma­si­le­la seit fast ei­nem Jahr ge­ma­nag­te PIC ei­nen An­teil von 11% an Süd­afri­kas vier­zig gröss­ten Un­ter­neh­men. Da­ne­ben kon­trol­liert sie rund die Hälf­te der vom süd­afri­ka­ni­schen Staat aus­ge­ge­be­nen, an die In­fla­ti­on ge­kop­pel­ten An­lei­hen und ein Im­mo­bi­li­en­port­fo­lio, zu dem 50% der Kap­städ­ter Wa­ter­front ge­hö­ren, des mit Ab­stand gröss­ten Tou­ris­ten­ma­gne­ten des Lan­des.

Lei­se und un­ab­hän­gig

Ob­wohl der 47-Jäh­ri­ge die Er­spar­nis­se von fast 1,3 Mio. süd­afri­ka­ni­schen Staats­die­nern ver­wal­tet, ist ihm die da­mit ver­bun­de­ne Macht nicht zu Kopf ge­stie­gen. Seit sei­nem Amts­an­tritt bei Afri­kas gröss­tem Ver­mö­gens­ma­na­ger ist er öf­fent­lich kaum in Er­schei­nung ge­tre­ten. An­ders als sein pol­tern­der Vor­gän­ger Bri­an Mo­le­fe schlägt der in Swa­si­land und Äthio­pi­en aus­ge­bil­de­te Öko­nom lie­ber lei­se Tö­ne an. So wür­de sich Ma­si­le­la hü­ten, Un­ter­neh­men, in de­nen die PIC grös­se­re Ak­ti­en­pa­ke­te hält, öf­fent­lich nur des­halb an den Pran­ger zu stel­len, weil ihr Ma­nage­ment die vom Staat ge­for­der­ten Ras­sen­quo­ten bei der Be­set­zung der Vor­stands­eta­ge nicht so­fort um­setzt. Ver­mut­lich liegt die­se Zu­rück­hal­tung dar­in be­grün­det, dass er zu­vor Stra­te­gie­chef beim Ver­mö­gens­ver­wal­ter San­lam war – und so­wohl die Psy­che als auch die Pro­ble­me des Pri­vat­sek­tors aus der Pra­xis kennt.

An­ders als sein Vor­gän­ger ist Ma­si­le­la auch kein po­li­ti­scher In­si­der mit en­gen

Eli­as Ma­si­le­la ist CEO des Kon­tak­ten zum Prä­si­den­ten. Zwar war er frü­her in lei­ten­der Funk­ti­on im Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um in Pre­to­ria ak­tiv und hat auch in der na­tio­na­len Pla­nungs­kom­mis­si­on mit­ge­wirkt, die kürz­lich ei­nen scho­nungs­los of­fe­nen Be­richt über die vie­len Wachs­tums­brem­sen am Kap vor­ge­legt hat. Al­ler­dings hat er sich bei Po­li­ti­kern nie an­ge­bie­dert und sei­ne Un­ab­hän­gig­keit ge­wahrt.

Grat­wan­de­rung

Dies er­scheint schon des­halb ge­bo­ten, weil die PIC durch­aus In­ter­es­sen­kon­flik­te mit dem Staat hat. «Wenn man die Din­ge wie ich zu­nächst durch die öko­no­mi­sche Bril­le be­trach­tet, kann es im­mer wie­der zu Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten mit der Po­li­tik kom­men», sagt Ma­si­le­la. Kon­flikt­po­ten­zi­al sieht er zum Bei­spiel in der von Süd­afri­kas Re­gie­rung er­wo­ge­nen Co2-steu­er, die im Prin­zip zwar ver­nünf­tig sei, aber die Kos­ten von Un­ter­neh­men, in de­nen die PIC in­ves­tiert, be­trächt­lich er­hö­hen wür­de.

So könn­te et­wa der vom Staat be­reits kräf­tig ge­schröpf­te Berg­bau­sek­tor noch mehr an Dy­na­mik ver­lie­ren, wenn die Re­gie­rung Ener­gie­fres­sern wie Schmel­zen kei­ne Steu­er­frei­stel­lung ge­währt. Ne­ben dem Pe­tro­che­mie­kon­zern Sa­sol, der Koh­le und Gas zu Treib­stoff ver­flüs­sigt und da­bei viel Koh­len­di­oxid aus­stösst, ge­hö­ren auch die gros­sen Berg­bau­häu­ser Ang­lo Ame­ri­can und BHP Bil­li­ton zu den wich­ti­gen Ak­ti­en­an­la­gen der PIC.

Der mit Ab­stand wich­tigs­te Kun­de des staat­li­chen Ver­mö­gens­ma­na­gers ist der Pen­si­ons­fonds der Re­gie­rungs­an­ge­stell­ten (GEPF) mit sei­nen rund 350 000 Mit­glie­dern. Ma­si­le­la weiss um die da­mit ver­bun­de­ne Dop­pel­rol­le: «Auf der ei­nen Sei­te müs­sen wir ei­ne ho­he Ren­di­te für un­se­re Kun­den ein­fah­ren, auf der an­de­ren das Wirt­schafts­wachs­tum und die öko­no­mi­sche Ent­wick­lung von Süd­afri­ka an­kur­beln», sagt er. Kein Wun­der, dass die PIC auch bei der staat­li­chen Stras­sen­bau­agen­tur San­ral mit­mischt, die den Bau von Maut­stre­cken mit Er­folg vor­an­treibt, aber we­gen der im An­schluss dar­an er­ho­be­nen Nut­zungs­ge­büh­ren in der Be­völ­ke­rung zu­neh­mend auf Wi­der­stand stösst.

Auch im Aus­land in­ves­tie­ren

Die gros­se Be­deu­tung der PIC für Süd­afri­ka er­klärt sich auch da­mit, dass die Ka­pre­pu­blik ein Land mit ei­ner aus­ge­spro­chen nied­ri­gen Spar­quo­te ist. Wäh­rend fast al­le asia­ti­schen Ti­ger­staa­ten zwi­schen 25 und 45% ih­res So­zi­al­pro­dukts für In­ves­ti­ti­ons­zwe­cke auf die ho­he Kan­te le­gen, sind es am Kap we­nig mehr als 15%. Auch der Staat spart in­zwi­schen im­mer we­ni­ger. Al­ler­dings ist ein po­si­ti­ver Ne­ben­ef­fekt der in den letz­ten Jah­ren mas­siv er­höh­ten Löh­ne für Staats­an­ge­stell­te, dass auch die Ren­ten­bei­trä­ge stei­gen, was der PIC zu­gu­te­kommt. In­zwi­schen ver­wal­tet der staat­li­che Ver­mö­gens­ma­na­ger über ein Vier­tel der ge­sam­ten süd­afri­ka­ni­schen Er­spar­nis­se.

Ein mo­der­ner Ver­mö­gens­ver­wal­ter ist die vor hun­dert Jah­ren ge­grün­de­te PIC je­doch erst seit ein paar Jah­ren. We­gen der do­mi­nan­ten Rol­le des Staa­tes kommt es aber im­mer noch zu mas­si­ver po­li­ti­scher Ein­mi­schung – vor al­lem bei In­ves­ti­tio­nen der PIC in von Schwar­zen ge­führ­ten Un­ter­neh­men. Da­bei über­la­gern po­li­ti­sche Über­le­gun­gen nicht sel­ten die wirt­schaft­li­che Lo­gik und da­mit die In­ter­es­sen der Kun­den. Bis vor zehn Jah­ren war die PIC vor al­lem in Re­gie­rungs­schul­den in­ves­tiert und fi­nan­zier­te gros­se Staats­un­ter­neh­men wie den Strom­kon­zern Es­kom und den Trans­portrie­sen Trans­net durch den Kauf von An­lei­hen. Da­ne­ben in­ves­tier­te sie in stra­te­gi­sche Pro­jek­te wie Koh­le­ver­flüs­si­gungs­an­la­gen, die Süd­afri­ka in der Apart­heid­zeit ei­ne weit­ge­hen­de Ener­gie­aut­ar­kie ver­schaff­ten.

In­zwi­schen er­laubt das In­vest­ment­modell der PIC auch lang­fris­ti­ge stra­te­gi­sche En­ga­ge­ments aus­ser­halb Süd­afri­kas. Rund 10% der Ver­mö­gens­wer­te im Pen­si­ons­fonds der Staats­an­ge­stell­ten kön­nen im Aus­land an­ge­legt wer­den, wo­bei 50% in den ei­ge­nen Kon­ti­nent flies­sen sol­len. Al­ler­dings hält sich die PIC bei In­ves­ti­tio­nen in afri­ka­ni­sche Bör­sen schon des­halb be­deckt, weil sie die lo­ka­len Wirt­schafts­ver­hält­nis­se nur un­zu­rei­chend spie­geln – und über­wie­gend von den der­zeit we­nig at­trak­ti­ven Ban­ken do­mi­niert wer­den.

gröss­ten süd­afri­ka­ni­schen Ver­mö­gens­ver­wal­ters.

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