Auf Pal­la­di­um ge­wet­tet

EDEL­ME­TAL­LE Pal­la­di­um- und Pla­tin­hausse we­gen Pro­duk­ti­ons­pro­ble­men?

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - BNP PA­RI­BAS,

Wenn man die «star­ke» und die «schwa­che» ame­ri­ka­ni­sche Ak­ti­en­an­le­ger­re­gel, wo­nach die ers­te Han­dels­wo­che bzw. der ers­te Han­dels­mo­nat die Rich­tung für den wei­te­ren Jah­res­ver­lauf vor­ge­ben, auf die Edel­me­tal­le über­trägt, könn­te 2012 das Jahr die­ser An­la­ge­klas­se wer­den.

Der Gold­preis hat im Ver­lauf die­ser Wo­che die 1750-$-Mar­ke über­wun­den und steht jetzt 17% hö­her als zu Jah­res­be­ginn. Sil­ber ist gleich 22% teu­rer, Pla­tin 16%. Nur Pal­la­di­um kommt mit ei­nem Plus von 6% nicht so recht vom Fleck.

Pal­la­di­um könn­te jetzt teu­rer wer­den, glau­ben die Ana­lys­ten von BNP Pa­ri­bas. Zwar wer­den auf dem Re­tail­de­ri­va­te­markt laut Chris­ti­an Gla­ser, De­ri­va­te­ex­per­te bei BNP Pa­ri­bas in Frank­furt, ge­gen­wär­tig le­dig­lich we­ni­ge Ab­schlüs­se bei Pal­la­di­um und Pla­tin ge­mel­det, aber die För­der­pro­ble­me in Süd­afri­ka könn­ten sich bald in hö­he­ren Prei­sen bei den bei­den Edel­me­tal­len nie­der­schla­gen. Denn laut den jüngs­ten Zah­len des sta­tis­ti­schen Am­tes des Lan­des war die Pro­duk­ti­on in den letz­ten Mo­na­ten mit Ra­ten zwi­schen 15 und 28% ein­ge­bro­chen.

Hin­zu kommt der Be­richt des in Süd­afri­ka ak­ti­ven Mi­nen­be­trei­bers Lon­min, dass es im ver­gan­ge- nen Quar­tal 54 Pro­duk­ti­ons­un­ter­brü­che auf­grund von Si­cher­heits­be­den­ken in den Mi­nen ge­ge­ben hat­te. Hier ist die Mi­nen­pro­duk­ti­on um 8% ge­fal­len, der Bar­ren-out­put ist um 19% ge­gen­über dem Vor­quar­tal zu­rück­ge­gan­gen. Be­reits jetzt lässt Lon­min durch­bli­cken, dass es mög­li­cher­wei­se ne­ga­ti­ve Fol­gen für die dies­jäh­ri­gen Um­satz- und Ge­winn­zie­le ge­ben könn­te, wenn die Pro­ble­me bei der Pro­duk­ti­on wei­ter an­hal­ten.

Ent­spre­chend po­si­tio­nie­ren sich be­reits die nicht in­dus­tri­el­len An­le­ger – das sind vor al­lem Roh­stoff-hedge-funds – am Us-de­ri­va­te­markt. An der Comex sind laut der Bnp-ana­lys­ten die aus­ste­hen­den Net-long-kon­trak­te bei Pla­tin und Pal­la­di­um in den letz­ten Ta­gen ge­stie­gen. Bei den Gold- und Sil­ber­kon­trak­ten ist die An­zahl der Net-long-po­si­tio­nen nur we­nig ver­än­dert und ver­harrt wei­ter auf ho­hem Ni­veau. Die Net­to-aus­stän­de der Net-long-kon­trak­te gel­ten als zu­ver­läs­si­ge Hin­weis­ge­ber über die Preis­er­war­tun­gen der in­sti­tu­tio­nel­len An­le­ger.

Ob und wie nach­hal­tig sich die Pro­duk­ti­ons­pro­ble­me bei Pla­tin und Pal­la­di­um in hö­he­ren Prei­sen nie­der­schla­gen wer­den, ist laut der Ana­lys­ten von BNP Pa­ri­bas von den Un­ter­bre­chun­gen im ers- ten Quar­tal ab­hän­gig. Be­rück­sich­tigt wer­den müs­sen auch die La­ger und die Rück­ge­win­nungs­quo­te bei­spiels­wei­se bei der Au­to­ver­schrot­tung und der Wie­der­ver­wer­tung des in den Ka­ta­ly­sa­to­ren ver­wen­de­ten Edel­me­tal­l­an­teils. Bei Pal­la­di­um ist der Welt­markt­an­teil von Süd­afri­ka nur 40%, und da­mit halb so gross wie bei Pla­tin. Der leich­te Über­schuss an phy­si­scher Pro­duk­ti­on könn­te laut der Ana­lys­ten aber rasch wie­der ab­ge­baut wer­den, wenn die Nach­fra­ge aus dem Au­to­mo­bil­sek­tor an­zieht und die För­de­rung nicht Schritt hal­ten kann.

Hin­zu kom­men die Fak­to­ren, die auch den Gold- und den Sil­ber­preis stüt­zen. Die An­kün­di­gung der Us-no­ten­bank Fed, die Zin­sen bis min­des­tens 2014 bei prak­tisch null zu hal­ten, hat et­li­che pro­fes­sio­nel­le In­ves­to­ren mo­ti­viert, ent­spre­chen­de Po­si­tio­nen am Us-ter­min­markt auf­zu­bau­en. Mit hö­he­ren Preis­pro­gno­sen hal­ten sich die Ana­lys­ten noch zu­rück – sie dürf­ten aber ge­gen Quar­tals­en­de kom­men, wenn mehr Klar­heit über die An­ge­bots- und Nach­fra­ge­ver­än­de­run­gen bei Pla­tin und Pal­la­di­um herrscht und sich ei­ne Lü­cke zwi­schen Pro­duk­ti­on und Nach­fra­ge auf­tut.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.