UBS er­wägt wei­te­re Spar­mass­nah­men

SCHWEIZ Ge­mäss Kon­zern­chef Ser­gio Er­mot­ti wer­den die Eu­ro-schul­den­kri­se und Sor­gen über die Us-wirt­schaft das Ge­schäft wei­ter­hin be­ein­träch­ti­gen

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG - MO­NI­CA HEGG­LIN

Nach ei­nem ent­täu­schen­den vier­ten Quar­tal gibt sich der neue Ubs-kon­zern­chef Ser­gio Er­mot­ti äus­serst zu­rück­hal­tend. «Wir müs­sen da­von aus­ge­hen, was ist, und nicht da­von, was wir er­hof­fen», er­klär­te er an der Me­di­en­kon­fe­renz. Kei­ne Spur von Zweck­op­ti­mis­mus, wie ihn Joe Acker­mann von der Deut­schen Bank ver­gan­ge­ne Wo­che ver­brei­te­te.

Falls die nächs­ten Quar­ta­le so schlecht aus­fie­len wie das vier­te Quar­tal 2011, wür­den wei­te­re Kos­ten­sen­kungs­mass­nah­men nö­tig, sag­te Er­mot­ti. Da­bei sei der Spiel­raum für «tak­ti­sche Mass­nah­men», wie sie bis jetzt um­ge­setzt wor­den sei­en, be­grenzt. Es müss­ten dann «stra­te­gi­sche Mass­nah­men» er­grif­fen wer­den. Was dies sein könn­te, be­ant­wor­te­te er va­ge mit «In­dus­tria­li­sie­ren der Pro­zes­se». Die Bank hat im vier­ten Quar­tal 1100 Ar­beits­plät­ze ge­stri­chen und be­schäf­tig­te En­de 2011 noch 64 820 Per­so­nen. Ins­ge­samt sieht das im Som­mer an­ge­kün­dig­te Spar­pro­gramm bis En­de 2013 den Ab­bau von mehr als 3500 Stel­len vor.

Nur 10 Rp. ver­dient

Tat­säch­lich hat die UBS im vier­ten Quar­tal nur 10 Rp. je Ak­tie ver­dient. Die In­vest­ment Bank er­litt ei­nen Vor­steu­er­ver­lust von 256 Mio. Fr. auf­grund rück­läu­fi­ger Er­trä­ge in fast al­len Ge­schäfts­be­rei­chen. Das Wealth Ma­nage­ment ver­zeich­ne­te ei­nen pas­sa­blen Vor­steu­er­ge­winn von 471 Mio. Fr. Al­ler­dings ver­zeich­net die UBS auf­grund der ge­rin­ge­ren Kun­den­ak­ti­vi­tät und der zu­neh­men­den Be­deu­tung von asia­ti­schen und su­per­rei­chen Kun­den ei­ne sin­ken­de Brut­to­mar­ge von 91 Ba­sis­punk­ten. Das Ziel liegt bei 95 bis 105 Ba­sis­punk­ten, und es wä­re wohl we­nig er­staun­lich, wenn die UBS es ge­le­gent­lich re­vi­die­ren müss­te.

Im vier­ten Quar­tal re­gis­trier­te das Wealth Ma­nage­ment ei­nen Net­to­neu­geld­zu­fluss von 3,1 Mrd. Fr.; übers gan­ze Jahr wa­ren es 23,5 Mrd. Fr., wo­mit die Kon­zern­ein­heit den Ver­trau­ens-tur­naround ge­schafft hat. Al­ler­dings ist an­zu­mer­ken, dass die Neu­geld­zu­wachs­ra­te im Ver­lauf von 2011 rück­läu­fig war. Von 2008 bis 2010 hat der Be­reich ver­wal­te­te Ver­mö­gen im Be­trag von 96 Mrd., 87,1 Mrd. und 12,1 Mrd. Fr. ver­lo­ren. Die 2011 ver­buch­te Zu­nah­me der Kun­den­gel­der bei der Schwei­zer Bank auf 118 Mrd. Fr. – den höchs­ten Wert seit 2007 – ist ein gu­tes Zei­chen.

Kein Bo­nus für Ken­ge­ter

Der Pro­blem­be­reich der UBS bleibt die In­vest­ment Bank. Auch wenn man den Fall Ado­bo­li aus­klam­mert – den un­au­to­ri­sier­ten Han­dels­ver­lust in London, der die UBS 1,85 Mrd. Fr. ge­kos­tet hat –, zeigt sich ein un­be­frie­di­gen­des Bild. Oh­ne Ein­mal­ef­fek­te (Han­dels­ver­lust, Be­wer­tungs­ge­win­ne auf ei­ge­nen Ver­bind­lich­kei­ten) hät­te der Vor­steu­er­ge­winn der In­vest­ment Bank 2011 ziem­lich ge­nau null be­tra­gen. Kein Wun­der, ver­zich­tet Di­vi­si­ons­lei­ter Kars­ten Ken­ge­ter auf sei­nen Bo­nus. Ge­mäss Er­mot­ti hat Ken­ge­ter dies gleich im Herbst be­schlos­sen, kurz nach Be­kannt­wer­den des Han­dels­ver­lusts.

Stich­wort Bo­nus: Die schlech­te­re Er­trags­la­ge und der 44% tie­fe­re Ge­winn spie­geln sich hier deut­lich. Für das Jahr 2011 sinkt die Bo­nus­zu­tei­lung im Kon­zern von 2,6 auf 1,8 Mrd. Fr. Für die Mit­ar­bei­ter in der Schweiz dürf­te eben­so schmerz­lich sein, dass die Ubs-pen­si­ons­kas­se ih­re Leis­tun­gen re­du­ziert und das Pen­sio­nie­rungs­al­ter um zwei Jah­re auf 64 er­höht.

Kom­for­ta­bel ka­pi­ta­li­siert

Für den Ak­tio­när ist er­freu­lich, dass die sin­ken­den Per­so­nal­aus­ga­ben es er­mög­licht ha­ben, die Kos­ten um 2,1 Mrd. Fr. zu sen­ken. Dass die Kos­ten­fra­ge prio­ri­tär ist in ei­nem Um­feld, in dem es an Er­trag man­gelt, ist of­fen­sicht­lich. Ein Kos­tenEr­trags-ver­hält­nis von über 80% ist nicht trag­bar. Er­trags­wachs­tum, Net­to­zins­mar­gen und Net­to­neu­geld dürf­ten un­ter Druck blei­ben. Wäh­rend das lau­fen­de Spar­pro­gramm ei­ne wei­te­re Mil­li­ar­de an Kos­ten­re­duk­tio­nen brin­gen soll, bleibt of­fen, ob die UBS sich «zum Er­folg spa­ren» kann. Zu­ver­sicht­lich stimmt, dass die Bank da­für dank ih­rer ver­gleichs­wei­se kom­for­ta­blen Ka­pi­tal- und Li­qui­di­täts­po­si­ti­on ge­nü­gend Zeit hat. Den­noch geht, wer heu­te UBS kauft, ei­ne Wet­te auf den Auf­schwung an den Märk­ten ein. UBS N UBS N

Kon­zern­chef Ser­gio Er­mot­ti sagt von sich, er sei rea­lis­tisch, nicht pes­si­mis­tisch.

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