«In Weiss­geld­stra­te­gie De­kla­ra­ti­ons­pflicht für al­le»

SCHWEIZ Ju­li­us-bär-ceo Bo­ris Col­lar­di ist op­ti­mis­tisch für Us-steu­er­streit und plä­diert in Weiss­geld­stra­te­gie für ein­heit­li­ches Vor­ge­hen

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - TW

Das In­ter­es­se an der Jah­res­me­di­en­kon­fe­renz von Ju­li­us Bär war (noch) grös­ser als in an­de­ren Jah­ren: Im Vor­feld wa­ren Spe­ku­la­tio­nen ge­nährt wor­den, die Ver­ant­wort­li­chen von Ju­li­us Bär wür­den sich in­halt­lich zum Us-steu­er­streit äus­sern.

CEO Bo­ris Col­lar­di mach­te in der Tat Aus­füh­run­gen zum The­ma – und gab sich op­ti­mis­tisch: «Ju­li­us Bär hat früh­zei­ti­ge, pro­ak­ti­ve und ko­ope­ra­ti­ve Schrit­te un­ter­nom­men, die Steu­er­an­ge­le­gen­heit mit den USA zu re­geln, und wird wei­ter­hin voll mit den Us-be­hör­den ko­ope­rie­ren.»

Den Ein­wand, der Track Re­cord der mit die­ser An­ge­le­gen­heit be­auf­trag­ten Us-steu­er­an­wäl­te sei nach der Kla­ge ge­gen We­ge­lin nicht ge­ra­de über­wäl­ti­gend, lässt Bo­ris Col­lar­di im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft» in Be­zug auf Ju­li­us Bär nicht gel­ten: «Wir kön­nen nicht für an­de­re Ban­ken spre­chen und ha­ben in die­ser Sa­che für uns selbst ein gu­tes Ge­fühl. In den Ver­hand­lun­gen mit dem Us-jus­tiz­de­part­ment sitzt ne­ben un­se­ren ame­ri­ka­ni­schen An­wäl­ten je­mand von uns am Tisch.»

Der Steu­er­streit ist für ihn nicht nur ein Pro­blem der elf Ban­ken im Fo­kus der ame­ri­ka­ni­schen Be­hör­den, son­dern des ge­sam­ten Fi­nanz­plat­zes. «Ei­ne glo­ba­le Lö­sung wä­re sehr will­kom­men, wür­de sie doch heis­sen, Kun­den­da­ten ge­gen Nicht­kla­ge.» Es wür­de für al­le Si­cher­heit ge­ben. Nur: «Die Ame­ri­ka­ner ha­ben an­schei­nend mehr­mals ge­sagt, dass sie das nicht wol­len. Un­se­re Re­gie­rung ist über­zeugt, dass sie das durch­brin­gen wer­den.»

Ju­li­us Bär will sich je­doch nicht nur auf die Stra­te­gie der of­fi­zi­el­len Schweiz ver­las­sen. «Des­halb ha­ben wir früh­zei­tig un­se­re ei­ge­nen Kon­tak­te auf­ge­baut.» Auch für ei­ne glo­ba­le Lö­sung müs­se ei­ne Bank die ei­ge­ne Ver­gan­gen­heit do­ku­men- tie­ren. «Wir sind dar­an, das zu er­klä­ren, und wir ma­chen gu­te Fort­schrit­te.»

Bo­ris Col­lar­di weist auch dar­auf hin, dass die USA letzt­lich auch auf Ba­sis des al­ten Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­mens Amts­hil­fe­ge­su­che stel­len könn­ten. «Wenn das kommt, wer­den wir ge­zwun­gen sein, Da­ten zu lie­fern.» Ei­ne uni­la­te­ra­le Lie­fe­rung von Da­ten schliesst er aus: «Wir wol­len ei­ne Lö­sung fin­den un­ter gleich­zei­ti­ger Be­ach­tung von Schwei­zer Ge­set­zen und Vor­schrif­ten.» Ju­li­us Bär sei sehr be­strebt, die Si­tua­ti­on zu be­rei­ni­gen und zu­ver­sicht­lich, dass ei­ne für bei­de Sei­ten zu­frie­den­stel­len­de Lö­sung ge­fun­den wer­den kön­ne.

Das soll­te auch nicht mehr Jah­re dau­ern: «Un­se­ren ei­ge­nen Dia­log mit den USBe­hör­den soll­ten wir bis En­de Jahr ab­schlies­sen.» Ju­li­us Bär ha­be die not­wen­di­gen Res­sour­cen zur Ver­fü­gung ge­stellt und ar­bei­te so­wohl mit in­ter­nen wie auch mit ex­ter­nen Mit­ar­bei­tern auf Hoch­tou­ren. «Wir in­ves­tie­ren schon heu­te sehr viel in die­se Sa­che.»

Was die be­reits im Par­la­ment an­ge­kün­dig­te Weiss­geld­stra­te­gie be­trifft, so si­gna­li­siert Col­lar­di Zu­stim­mung – wenn auch mit Ein­schrän­kun­gen. «Die Steu­er­de­kla­ra­ti­on der Kun­den wür­de ich be­für­wor­ten.» Es ge­be noch im­mer viel zu vie­le Stan­dards in der Schweiz und an­ders­wo. «Das Feh­len von Stan­dards in der Schweiz führt zu Ar­bi­tra­ge zwi­schen den ein­zel­nen Ban­ken, was nur die Un­si­cher­heit nährt.»

Wich­tig sind für ihn je­doch auch ein­heit­li­che in­ter­na­tio­na­le Richt­li­ni­en. «Es müss­te ei­ne münd­li­che oder schrift­li­che Stel­lung­nah­me der Kun­den vor­lie­gen.» Das sei heu­te über­haupt nicht der Fall, auch in den USA nicht. «Das könn­te in der OECD mit­tel­fris­tig zu ei­nem The­ma wer­den – was die Schweiz zu ei­ner Stra­te­gie auch in die­ser Fra­ge zwingt.»

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