Swatch Group läuft wie ein Uhr­werk

SCHWEIZ An­le­ger trotz Re­kord­ge­winn un­zu­frie­den – CEO Nick Hay­ek hält an Prin­zi­pi­en fest – Kurs­ein­bus­se von 4% für Zu­käu­fe nut­zen

Finanz und Wirtschaft - - GESUNDHEIT/KONSUM - JAN SCHWAL­BE

Die Ak­tio­nä­re von Swatch Group sind ver­wöhnt. Ein her­vor­ra­gen­der Jah­res­ab­schluss mit Re­kord­um­satz und -ge­winn reich­te ih­nen nicht aus. Das Haar in der Sup­pe war die mit 23,9% leicht un­ter den Er­war­tun­gen lie­gen­de ope­ra­ti­ve Mar­ge (Ebit). Zu­sam­men mit dem Aus­blei­ben ei­nes von ei­ni­gen Ana­lys­ten er­war­te­ten Ak­ti­en­rück­kauf­pro­gramms ge­nüg­te das, um die Ti­tel des Uh­ren­kon­zerns am Di­ens­tag auf Talfahrt zu schi­cken. Die In­ha­ber­ak­ti­en Swatch Group büss­ten 4% ein.

Die Mar­gen­ent­wick­lung soll­te die An­le­ger je­doch nicht be­un­ru­hi­gen. Ei­ner­seits fiel sie trotz hö­he­rer Prei­se für Roh­stof­fe wie Gold und Dia­man­ten hö­her aus als im Vor­jahr (23,5%). An­der­seits wur­de be­wusst auf Preis­er­hö­hun­gen ver­zich­tet. «Ich brin­ge un­ser er­folg­rei­ches Ge­schäfts­mo­dell nicht mit kurz­fris­ti­gen Preis­er­hö­hun­gen in Ge­fahr», er­klärt Swatch-ceo Nick Hay­ek im Ge­spräch. Von der ope­ra­ti­ven Mar­ge des Kon­kur­ren­ten Ri­che­mont von 25,5% ist Swatch Group zwar ei­ni­ges ent­fernt. Im Ver­gleich zum fran­zö­si­schen Lu­xus­gü­ter­kon­zern LVMH al­ler­dings, der im Uh­ren­seg­ment ei­ne Mar­ge von 13,6% er­wirt­schaf­tet (vgl. FUW vom Sams­tag), ist der Vor­sprung gross.

In al­len Re­gio­nen bes­ser

Der Net­to­um­satz fiel mit 6,76 Mrd. Fr. 10,7% hö­her aus. Die an­dau­ern­de Schwä­che des Eu­ros und des Dol­lars schmä­ler­te das Ge­schäfts­vo­lu­men um rund 700 Mio. Fr. Zu kon­stan­ten Wech­sel­kur­sen er­rech­net sich ein Brut­to­um­satz von 7,1 Mrd. (+21,7%). Der Be­triebs­ge­winn von 1,61 Mrd. Fr. ent­spricht ei­nem Plus um 12,4%.

Uh­ren und Schmuck, das Kern­ge­schäft der Swatch Group, setz­te zu kon­stan­ten Wech­sel­kur­sen 6,3 Mrd. Fr. und da­mit 26,1% mehr als 2010 um. Die star­ken Mar­ken des Kon­zerns ver­zeich­ne­ten nicht nur im Gross­raum Chi­na, son­dern in al­len Re­gio­nen und sämt­li­chen Preis­seg­men­ten ho­he Zu­wachs­ra­ten.

Ka­pa­zi­täts­eng­päs­se

Als un­an­ge­neh­mer Ne­ben­ef­fekt er­ga­ben sich aus dem Nach­fra­ge­boom gros­se Ka­pa­zi­täts­eng­päs­se. Die­ses Lu­xus­pro­blem muss Swatch Group bes­ser in den Griff be­kom­men. Die Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten wur­den und wer­den zwar wei­ter aus­ge­baut, was im Seg­ment Pro­duk­ti­on ein Um­satz­plus von 32,6% auf 1,97 Mrd. Fr. er­mög­lich­te. Doch Hay­ek be­merkt: «Ka­pa­zi­täts­eng­päs­se gibt es für die ver­schie­dens­ten Kom­po­nen­ten. Zif­fer­blät­ter sind ei­ne da­von. Doch ver­ges­sen wir nicht, dass es für ein In­dus­trie­un­ter­neh­men schwie­rig ist, je­des Jahr zwei­stel­lig zu wach­sen.» An­ge­sichts von 250 Ein­zel­tei­len al­lein für ein Uhr­werk wird es wohl auch in Zu­kunft zu Eng­päs­sen kom­men.

Im Seg­ment Elek­tro­ni­sche Sys­te­me, zu dem Chips für Mo­bil­funk­an­wen­dun­gen ge­hö­ren, fiel der Brut­to­um­satz 16,3% auf 336 Mio. Fr., der Be­triebs­ge­winn ging gar um 78,7% auf 13 Mio. zu­rück (Mar­ge 3,9%). We­gen des gu­ten Be­stel­lungs­ein­gangs und der Er­ho­lung des Dol­lars rech­nen die Bie­ler aber mit ei­ner bal­di­gen Rück­kehr auf den Wachs­tums­pfad.

Wie gut es Swatch Group ins­ge­samt geht, ver­deut­licht ein Blick auf die Di­vi- den­den­po­li­tik. Zur Aus­schüt­tung per En­de Mai wur­de ei­ne Di­vi­den­den­er­hö­hung um 15% auf 5.75 Fr. je In­ha­ber­ak­tie vor­ge­schla­gen. Auch die Per­so­nal­po­li­tik spricht Bän­de. 2011 hat der Uh­ren­her­stel­ler 2800 Stel­len ge­schaf­fen und be­schäf­tigt mitt­ler­wei­le 28 000 Mit­ar­bei­ter.

Auf die Fra­ge, wie das neue Jahr an­ge­lau­fen sei, ant­wor­tet Hay­ek zu­frie­den: «Im Ja­nu­ar hat­ten wir ein zwei­stel­li­ges Um­satz­wachs­tum, und die ers­ten sechs Ta­ge im Fe­bru­ar wa­ren aus­ser­ge­wöhn­lich gut.» Ne­ben dem boo­men­den Ge­schäft in Chi­na läuft es auch im Us-markt rund. Dort ge­lang es, den Um­satz 45% zu stei­gern. Die Kurs­schwä­che vom Di­ens­tag er­öff­net den An­le­gern ei­ne Kauf­ge­le­gen­heit. Swatch Group sind mit ei­nem Kurs­Ge­winn-ver­hält­nis von 15 (KGV 2012) gleich be­wer­tet wie Ri­che­mont und güns­ti­ger als LVMH (19).

Un­ter­neh­mens­zah­len

Swatch Group I

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.