Glencore über­zeugt Xstra­ta

SCHWEIZ 35-Mrd.-fr.-me­ga-mer­ger im Roh­stoff­sek­tor – Stim­men Xstra­ta-ak­tio­nä­re zu? – Glencore ei­ne Wet­te auf ein neu­es Mo­dell

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE - BEAT HO­NEGGER MG

DEx­zel­len­ter Chef

er ge­wal­ti­ge Res­sour­cen­kon­zern, den der welt­gröss­te Roh­stoff­händ­ler Glencore und das Berg­bau­un­ter­neh­men Xstra­ta pla­nen, ist auf gu­tem Weg. Glencore bie­tet in ei­nem Mer­ger of Equals – Fu­si­on un­ter Glei­chen – 2,8 neue Ak­ti­en je Xstra­ta-ti­tel. Ge­mes­sen am Kurs vom Di­ens­tag kauft Glencore, die schon gut 34% des Xstra­ta-ka­pi­tals hält, den Rest für 24,27 Mrd. £ ( 35,2 Mrd. Fr.). Un­si­cher ist, ob die Xstra­ta-ak­tio­nä­re dem ehr­gei­zi­gen und ri­si­ko­be­haf­te­ten Un­ter­fan­gen zu­stim­men. Ei­ni­ge Ana­lys­ten hat­ten näm­lich ei­ne hö­he­re Prä­mie er­war­tet. Nicht über­ra­schend über­nimmt die Xstra­ta-füh­rung die Top­po­si­tio­nen und Glencore-spit­zen­kräf­te sind ih­re Stell­ver­tre­ter.

Der neu als Glencore Xstra­ta In­ter­na­tio­nal fir­mie­ren­de Ko­loss, der Berg­wer­ke, Han­del und Mar­ke­ting um­fasst, wird in London und Hong­kong ko­tiert sein und den Haupt­sitz wie die fu­sio­nie­ren­den Part­ner in der Schweiz ha­ben. Ge­mes­sen am Xstra­ta-kurs vom 1. Fe­bru­ar – vor dem State­ment über Ge­sprä­che – er­hal­ten die Ak­tio­nä­re ei­ne Prä­mie von rund 15%. Die Xstra­ta-teil­ha­ber oh­ne Glencore (34,1%) wer­den rund 45% am neu­en Kon­zern hal­ten. Wenn al­les nach Plan ab­läuft, wird die neue Glencore im drit­ten Quar­tal 2012 ope­ra­tiv, wo­bei das Xstra­ta-ma­nage­ment den Mi­nen­be­reich und Glencore Trans­port, La­ge­rung und Ver­kauf ko­or­di­niert und lei­tet. Drei Vier­tel der Xstra­ta-ak­tio­nä­re oh­ne die Glencore-stim­men müs­sen der Fu­si­on zu­stim­men. Das ist in­so­fern hei­kel, als 16,5% der Stim­men der Trans­ak­ti­on ei­nen Rie­gel schie­ben könn­ten. Un­ter den In­sti­tu­tio­nel­len gibt es sol­che, die in bei­den Un­ter­neh­men en­ga­giert sind. Sie dürf­ten dem Zu­sam­men­schluss zu­stim­men. An­de­re, die be­wusst nur auf För­de­rung set­zen, müs­sen da­von über­zeugt wer­den, dass die wachs­tums­star­ke Xstra­ta im Ver­bund mit Glencore noch mehr her­aus­ho­len kann.

Zu­ver­sicht dar­auf ver­mit­telt, dass Mick Da­vis auch künf­tig als CEO die Ta­ges­ge­schäf­te steu­ert und die Stra­te­gie mit­be­stimmt. Sein Leis­tungs­aus­weis, seit er die Ge­schi­cke von Xstra­ta (2001) lei­tet, ist gross. So­wohl Be­schäf­tig­te als auch Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung ha­ben sich um ein Viel­fa­ches mul­ti­pli­ziert. Zu­sam­men sind die bei­den Schwei­zer Kon­zer­ne in 33 Län­dern tä­tig, wo sie 101 Mi­nen und über 50 Me­tall­raf­fi­nie­rungs­an­la­gen be­trei­ben. An­ge­sichts der schie­ren Grös­se er­staunt es nicht, dass so­wohl Da­vis als auch Ivan Gla­sen­berg, sein Vi­ze und bis­he­ri­ger CEO von Glencore, in Ju­bel­ari­en aus­bre­chen ob der neu­en Mög­lich­kei­ten – «uni­que» (ein­ma­lig) und «fan­tas­tic» (un­wahr­schein­lich). Be­tont wird, dass die Sy­ner­gi­en schon im ers­ten Jahr mehr als 500 Mio. $ be­tra­gen sol­len. Wä­ren Xstra­ta und Glencore 2011 ver­eint ge­we­sen, hät­ten sie ei­nen Um­satz von fast 210 Mrd. $ und ei­nen Ge­winn vor Steu­ern, Zin­sen und Ab­schrei­bun­gen (Ebitda) von 16,2 Mrd. $ – un­ter Aus­klam­me­rung der Trans­ak­tio­nen mit­ein­an­der – er­zielt. Ge­mäss vor­läu­fi­gen An­ga­ben mach­te Glencore 2011 ei­nen Um­satz von 183 Mrd. $, er­wirt­schaf­te­te ein Ebitda von 6,5 Mrd. $ und wol­le die Schluss­di­vi­den­de er­hö­hen. De­fi­ni­ti­ve und aus­führ­li­che­re An­ga­ben zum Ge­schäfts­gang wer­den am 5. März pu­bli­ziert.

Auch wenn die Ak­tio­nä­re der Fu­si­on zu­stim­men, ist es je­doch frag­lich, ob der ehr­gei­zi­ge Zeit­plan ein­ge­hal­ten wer­den kann. Die Kar­tell­be­hör­den al­ler Kon­ti­nen­te und vie­ler Län­der wer­den ge­nau prü­fen. In Aus­tra­li­en dürf­ten die Re­gu­lie­rer be­son­ders im Koh­le­be­reich ge­nau hin­se­hen. Dort über­lap­pen sich die bei­den be­trächt­lich und wer­den mit Ab­stand zum Markt­füh­rer (vgl. Ta­bel­le). Bis al­le Ge­neh­mi­gun­gen er­teilt wor­den sind – und mit wel­chen Auf­la­gen –, wird höchst wahr­schein­lich ein Jahr ver­ge­hen.

Gla­sen­bergs Vi­si­on

Was ist den Ak­tio­nä­ren zu ra­ten? Nach den ho­hen Kurs­a­van­cen seit An­fang Mo­nat ist es kurz­fris­tig, wie schon am Sams­tag emp­foh­len, sinn­voll Ge­win­ne zu rea­li­sie­ren. Zu­mal ein Schei­tern hoch flie­gen­der Plä­ne im Berg­bau nicht sel­ten ist (vgl. FUW Nr. 10 vom 4. Fe­bru­ar).

Auf mitt­le­re Sicht dürf­te sich das Wag­nis, in Glencore Xstra­ta zu in­ves­tie­ren, je­doch loh­nen. Da­mit setzt man auf Ivan Gla­sen­berg, der auch nach der Fu­si­on mit Ak­ti­en und Op­tio­nen der weit­aus gröss­te Ein­zel­ak­tio­när blei­ben wird. Mit dem Zu­sam­men­schluss er­füllt er sich ei­ne rund fünf Jah­re ge­heg­te Vi­si­on. Als ge­wief­ter Händ­ler wird er da­für schau­en, dass sei­ne Be­tei­li­gung an Wert zu­legt. Reiz­voll ist es zu­dem, dar­auf zu wet­ten, dass sich das neue Mo­dell im Berg­bau – ein Kon­zern, der erst­ma­lig in der In­dus­trie die ge­sam­te Wert­schöp­fungs­ket­te ab­deckt – als vor­teil­haft ent­puppt.

Glencore Der bri­ti­sche Ener­gi­e­mul­ti BP be­rei­tet sich fast zwei Jah­re nach der schwe­ren Öl­pest im Golf von Me­xi­ko auf ei­ne Pro­zess­flut vor. Rund 600 Zi­vil­ver­fah­ren war­ten ab dem 27. Fe­bru­ar in den USA auf Be­hand­lung. Kon­zern­chef Bob Dud­ley stell­te an­läss­lich der Bi­lanz­me­di­en­kon­fe­renz vom Di­ens­tag aus­ser­ge­richt­li­che Ei­ni­gun­gen zu «fai­ren und ver­nünf­ti­gen Be­din­gun­gen» in Aus­sicht. Not­falls wol­le er aber auch vor Ge­richt kämp­fen.

Ins­ge­samt hat BP bis­lang 43 Mrd. $ für Fol­ge­schä­den und Bus­sen im Zu­sam­men­hang mit der gröss­ten Um­welt­ka­ta­stro­phe der USA zu­rück­ge­stellt. Nach der Ex­plo­si­on der Bohr­in­sel «Deep­wa­ter Ho­ri­zon» im April 2010 floss fast 90 Ta­ge lang Öl ins Meer. Es rich­te­te an Flo­ra, Fau­na, in der Fisch­wirt­schaft und im Tou­ris­mus gros­se Schä­den an. Die Ex­plo­si­on kos­te­te elf Ar­bei­tern das Le­ben. An der Rech­nung für die Auf­räum­ar­bei­ten be­tei­li­gen sich auch die Part­ner von BP, der Us-kon­zern Ana­dar­ko Pe­tro­le­um und die ja­pa­ni­sche Mitsui. Dank de­ren Bei­trag von 5 Mrd. $ und den Zah­lun­gen von BP be­fin­den sich jetzt 15,1 Mrd. $ in dem auf 20 Mrd. $ ver­an­schlag­ten Ent­schä­di­gungs­fonds. 7,8 Mrd. $ wur­den bis­her an Ge­schä­dig­te aus­be­zahlt.

We­gen der Zah­lung von Ana­dar­ko klet­ter­te der Ge­winn vor Be­stands­wert­ver­än­de­run­gen im vier­ten Quar­tal 65% auf 7,6 Mrd. $. Al­le Ein­mal­ef­fek­te her­aus­ge­rech­net be­trug der Zu­wachs 14% auf knapp 5 Mrd. $. Für das vier­te Quar­tal er­höht BP die Di­vi­den­de auf 8 Cent. Zu­vor wa­ren es 7 Cent ge­we­sen – nur die Hälf­te des Be­trags von vor der Ka­ta­stro­phe. De­ret­we­gen hat­te BP die Aus­rich­tung ei­ner Di­vi­den­de vor­über­ge­hend ein­ge­stellt.

Der ope­ra­ti­ve Cash­flow für das Schluss­quar­tal 2011 be­lief sich auf 5 Mrd. $. In der­sel­ben Vor­jah­res­pe­ri­ode be­trug der Geld­fluss aus be­trieb­li­chen Ak­ti­vi­tä­ten erst 0,2 Mrd. $. Bis 2014 soll der Cash­flow ge­gen­über 2011 rund 50% ge­stei­gert wer­den. Die Net­to­schul­den sum­mier­ten sich En­de 2011 auf 29 Mrd. $, ver­g­li­chen mit 25,9 Mrd. $ ein Jahr zu­vor.

BP räum­te den fi­nan­zi­el­len Fol­gen der Öl­pest zu­letzt Prio­ri­tät ein. Da­zu ver­kauf­te das Un­ter­neh­men bis­her Ak­ti­va im Wert von knapp 20 Mrd. $. Die­se Ver­käu­fe sol­len bis En­de 2013 den Ge­samt­be­trag von 38 Mrd. $ er­rei­chen. Als Fol­ge die­ser Port­fo­li­o­ber­ei­ni­gun­gen sank die För­de­rung im vier­ten Quar­tal 5% auf 3,5 Mio. Fass Öl­äqui­va­len­te. Jetzt will BP wie­der mehr in die Er­for­schung neu­er Qu­el­len und Pro­duk­ti­on ste­cken. Des­halb sol­len die In­ves­ti­tio­nen im lau­fen­den Jahr 16% auf 22 Mrd. $ er­höht wer­den.

Die Bp-ak­ti­en ga­ben am Di­ens­tag nach der Re­sul­tats­be­kannt­ga­be bis zum Nach­mit­tag 1% nach. Für 2012 sind sie mit ei­nem Kurs-ge­winn-ver­hält­nis (KGV) von 7 be­wer­tet – et­was we­ni­ger als Bran­chen­nach­barn wie Roy­al Dutch Shell oder Chev­ron (bei­de KGV von 8). In die­sem Ab­schlag spie­geln sich die Un­wäg­bar­kei­ten der Pro­zess­la­wi­ne, die BP in den USA we­gen der Öl­ka­ta­stro­phe im Golf von Me­xi­ko noch be­vor­steht. Da­mit ist auch schon ge­sagt, dass ei­ne An­la­ge in BP im­mer noch ein ri­si­ko­rei­ches Un­ter­fan­gen ist.

Xstra­ta in­ves­tiert viel in den Kup­fer­be­reich (im Bild Mt.-isa-mi­ne in Aus­tra­li­en).

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