Wind und So­lar sind Main­stream ge­wor­den

EU­RO­PA Stei­gen­der An­teil er­neu­er­ba­rer Ener­gie im Strom­mix ver­än­dert den Strom­markt – Kan­ni­ba­li­sie­rungs­ef­fekt trifft Ver­sor­ger – Markt­füh­rer ber­gen Kur­s­po­ten­zi­al

Finanz und Wirtschaft - - ENERGIE - DIETEGEN MÜL­LER,

DI­n­ef­fi­zi­en­te För­de­rung

er stei­gen­de An­teil von er­neu­er­ba­rer Ener­gie am Strom­mix so­wie die Ener­gie­wen­de füh­ren zu ei­nem enor­men Um­bruch auf dem eu­ro­päi­schen Strom­markt. Fol­gen sind bis in die Schweiz spür­bar, Pro­gno­sen aber schwie­rig: Als Deutsch­land nach der Ka­ta­stro­phe in Fu­kus­hi­ma die acht äl­tes­ten AKW per­ma­nent vom Netz nahm, wur­de ein An­stieg der Strom­prei­se er­war­tet. Heu­te lie­gen sie im Ter­min­markt für das Jahr 2013 (Cal 13) aber tie­fer als vor der Ab­schal­tung.

Grund sind die vie­len Va­ria­blen und Un­be­kann­ten, die auch auf ei­ner Kon­fe­renz des Ener­gie-in­for­ma­ti­ons­diens­tes Platts En­de Ja­nu­ar in Berlin ein The­ma wa­ren. Den­noch: «Er­neu­er­ba­re Ener­gie ist heu­te zum Main­stream ge­wor­den», fass­te Da­vid Jo­nes von Platts die La­ge in Eu­ro­pa zu­sam­men. 2011 wur­den et­wa 9,6 Gi­ga­watt Wind­ener­gie­ka­pa­zi­tät in­stal­liert, wo­mit nun ins­ge­samt 94 GW be­reit­ste­hen. Ver­tre­ter der Re­ne­wa­bles-töch­ter von Eon, RWE, EDP und Enel wa­ren sich ei­nig, dass vor al­lem Wind­ener­gie – an Land und auf See (Off­s­hore) – dank ho­hem Kos­ten­sen­kungs­po­ten­zi­al auf dem Weg zur Wett­be­werbs­fä­hig­keit ist (vgl. In­ter­view un­ten). Ver­bes­se­rungs­be­dürf­tig sind aber die Rah­men­be­din­gun­gen für die För­de­rung. Die EU hat es bis­her nicht ge­schafft, Re­ne­wa­bles ein­heit­lich zu för­dern. Das füh­re zu teu­ren Fehl­al­lo­ka­tio­nen. Deutsch­land ist be­son­ders ge­for­dert: Pho­to­vol­ta­ik macht 43% der För­de­rung aus, trägt aber nur 3% zur Strom­pro­duk­ti­on bei. Fran­ces­co Sta­ra­ce, CEO von Enel Gre­en Po­wer, for­der­te zu­dem ein bes­ser aus­ge­bau­tes, grenz­über­schrei­ten­des Strom­netz.

Durch die stei­gen­den, stark schwan­ken­den Wind- und So­lar­strom­men­gen ist für die Ver­sor­ger auch die Wert­be­rech­nung für Back­up-ka­pa­zi­tä­ten schwie­rig ge­wor­den. In­ves­ti­tio­nen in fle­xi­ble Ka­pa­zi­tä­ten (Gas, Pump­spei­cher) sind aber die Vor­aus­set­zung da­für, dass der Re­ne­wa­bles-aus­bau für das Sys­tem ver­kraft­bar ist. Hans Bün­ting, de­si­gnier­ter CEO von RWE In­no­gy, sieht hier we­gen ver­rin­ger­ter Spreads im Stromspot­markt Pro­ble­me:

Oh­ne Wind­kraft ist die Ener­gie­wen­de nicht mach­bar Pump­spei­cher­kraft­wer­ke sei­en nicht mehr wirt­schaft­lich zu be­trei­ben. Aus­sa­gen von Al­piq wei­sen in ei­ne ähn­li­che Rich­tung: Je hö­her der An­teil Pho­to­vol­ta­ik stei­ge, des­to we­ni­ger wer­de Was­ser­kraft aus Pump­spei­chern nö­tig. Die Ol­te­ner glau­ben aber, dass die Be­deu­tung von Back­up-ka­pa­zi­tä­ten zu­nimmt und ten­den­zi­ell ei­ne Stei­ge­rung der Mar­gen und des Wer­tes die Fol­ge sein wird.

Ra­ting­agen­tu­ren in der Kri­tik

Kon­sens ist in der Bran­che, dass die nö­ti­gen In­ves­ti­tio­nen für das Er­rei­chen der Eu-aus­bau­zie­le (vgl. Gra­fik) nicht von den Ver­sor­gern al­lein ge­stemmt wer­den kön­nen. «Wir ha­ben be­reits ei­ne ho­he Ver­schul­dung», sagt et­wa Bün­ting. Auch ge­be es Fi­nan­zie­rungs­be­schrän­kun­gen. Non-re­cour­se-kre­di­te, bei de­nen die fi­nan­zie­ren­de Bank nur auf Pro­jekt-cash­flows zu­grei­fen kann, wür­den von Ra­ting­agen­tu­ren noch im­mer auf die Kon­zern­bi­lanz an­ge­rech­net. Vor al­lem für ri­si­ko­rei­che Off­s­hore-pro­jek­te ist dies hin­der­lich.

Trotz of­fe­ner Fra­gen ber­gen in ei­nem ver­läss­li­chen För­der­um­feld Wind- und Bio­mas­se­pro­jek­te aber gu­te Chan­cen. In­ves­to­ren, die Län­der­ri­si­ken nicht scheu­en, soll­ten Markt­füh­rer wie Iber­dro­la und EDP kau­fen. Eon sind ei­ne Al­ter­na­ti­ve.

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