«Die Schweiz könn­te ei­ne enor­me, zen­tra­le Rol­le spie­len»

MI­KE WIN­KEL Der CEO von Eon Cli­ma­te & Re­ne­wa­bles über In­ves­ti­tio­nen in er­neu­er­ba­re Ener­gie, schlech­te För­de­rung und über­zo­ge­ne Ren­di­te­er­war­tun­gen

Finanz und Wirtschaft - - ENERGIE - IN­TER­VIEW: DIETEGEN MÜL­LER

Hart ge­trof­fen von der Ener­gie­wen­de will Eon das Re­ne­wa­bles-ge­schäft vor­an­trei­ben. Seit 2007 hat der deut­sche Strom- und Gas­kon­zern rund 7 Mrd. € in ein gut 4 GW gros­ses Er­neu­er­ba­re-ener­gie-port­fo­lio in­ves­tiert. Laut Emer­ging Ener­gy Re­se­arch ist Eon welt­weit auf Platz acht in Wind­ener­gie. Ein neu­es Re­ne­wa­bles-pro­gramm über 7 Mrd. € ist En­de 2011 lan­ciert wor­den. Mi­ke Win­kel, CEO Eon Cli­ma­te & Re­ne­wa­bles, er­läu­tert sei­ne Er­war­tun­gen und sei­ne nüch­ter­ne Hal­tung zum Markt Schweiz. Herr Win­kel, wel­che Aus­wir­kun­gen hat die Schul­den­kri­se auf Ihr Ge­schäft? Durch­aus re­le­van­te. An­ge­sichts der Ver­schul­dung ein­zel­ner Staa­ten stellt sich die Fra­ge, in­wie­weit sie zur wei­te­ren För­de­rung von Re­ne­wa­bles in der La­ge sind. In Por­tu­gal ha­ben wir ge­se­hen, dass es für die Kre­dit­ge­ber kei­ne Rol­le spielt, ob der Kon­su­ment oder der Staat für die För­de­rung auf­kom­men muss. Rück­wir­kend sind ver­ein­zelt schon neue Steu­ern ein­ge­führt wor­den oder ist wie in Spa­ni­en die För­de­rung ganz ein­ge­stellt wor­den. War­um in­ves­tiert Eon in Re­ne­wa­bles? Wir wol­len un­se­re Er­zeu­gung so um­bau­en, dass wir mit­tel­fris­tig Co2-frei sind. Ein wei­te­rer An­reiz sind die gros­sen Wachs­tums­chan­cen, ge­tra­gen auch von fi­nan­zi­el­ler Un­ter­stüt­zung durch zahl­rei­che Staa­ten. Wir se­hen aus­ser­dem at­trak­ti­ve Ren­di­ten. Bei­des ha­ben wir so in an­de­ren Markt­seg­men­ten zur­zeit nicht. Was heisst at­trak­tiv? Sind bei­spiels­wei­se im Off­s­hore-wind­markt Ren­di­ten im zwei­stel­li­gen Pro­zent­be­reich rea­lis­tisch? Wir er­war­ten von al­len un­se­ren Re­ne­wa­bles-pro­jek­ten ei­ne Ren­di­te, die min­des­tens 250 Ba­sis­punk­te über den Ka­pi­tal­kos­ten liegt. Dar­un­ter geht nichts. We­gen grös­se­rer Ri­si­ken lie­gen un­se­re An­for­de­run­gen im Off­s­hore-wind­ge­schäft so­gar noch et­was hö­her. Ren­di­ten im zwei­stel­li­gen Be­reich sind in je­dem Fall rea­lis­tisch. Fi­nan­zie­ren Sie die 7 Mrd. €, die Eon in den nächs­ten fünf Jah­ren in­ves­tie­ren will, ganz über die ei­ge­ne Bi­lanz? Pri­mär wer­den Pro­jek­te vom Kon­zern fi­nan­ziert. Wir grei­fen auf Pro­jekt­fi­nan­zie­rung nur zu­rück, wenn Part­ner dies aus­drück­lich wün­schen. Wir glau­ben aber, dass wir dar­über hin­aus auch mehr in­ves­tie­ren und noch grös­se­re Pro­jek­te rea­li­sie­ren kön­nen. Wir schau­en uns des­we­gen nach zu­sätz­li­chen Part­nern um. Das könn­ten Pen­si­ons­kas­sen oder Rück­ver­si­che­rer sein, die at­trak­ti­ve, ri­si­ko­ar­me In­ves­ti­ti­ons­mög­lich­kei­ten su­chen, wo wir ope­ra­tiv ver­ant­wort­lich blei­ben. Was ha­ben Sie im Blick? Et­wa An­tei­le an Ons­hore-wind­parks in den USA. Wir den­ken über Ähn­li­ches im Off­s­hore-be­reich nach. Wir ver­fü­gen über ei­ne um­fang­rei­che Pi­pe­line, mit der wir fle­xi­bel auf ver­än­der­te Rah­men­be­din­gun­gen re­agie­ren kön­nen. Wir in­ves­tie­ren nur dort, wo wir glau­ben, dass über ei­nen ge­wis­sen Zei­t­raum die Tech­no­lo­gie auch oh­ne Sub­ven­ti­on wett­be­werbs­fä­hig wird. Wo ist dies mög­lich? In den USA, in Ita­li­en und En­g­land ha­ben wir in Wind­parks an Land gros­se Fort­schrit­te ge­macht. Bis En­de der De­ka­de wer­den wir auf Stu­fe Strom­gross­han­del an die Netz­pa­ri­tät her­an­kom­men. Pho­to­vol­ta­ik wird si­cher in Ita­li­en zu Spit­zen­last­zei­ten wett­be­werbs­fä­hig sein. Die EUKli­ma­zie­le wer­den wir nur un­ter Ein­be­zie­hung von Off­s­hore-wind er­rei­chen. Gibt es ei­ne Faust­re­gel? Sind 4200 Voll­last­stun­den oder 48% Aus­las­tung für ei­nen Off­s­hore-park ei­ne gu­te Grös­se? Das hängt vom Pro­jekt ab. Aus­las­tungs­gra­de von ca. 40% sind die Re­gel, was ei­ne Ver­füg­bar­keit von über 90% be­dingt. Dann sind die­se Pro­jek­te im ge­ge­be­nen För­der­re­gime sinn­voll dar­stell­bar. Wir prü­fen vor­her, ob die Ri­si­ken, die mög­li-

Mi­ke Win­kel will chen Ren­di­ten und die Ren­di­te­er­war­tun­gen der In­ves­to­ren, auch Drit­ter, zu­sam­men­pas­sen. Sie rech­nen et­wa bei Off­s­hore-pro­jek­ten bis 2020 mit Kos­ten­ein­spa­run­gen von ei­nem Vier­tel. Wie ge­hen Sie da vor? Das geht zum Teil über Ver­hand­lun­gen mit Tur­bi­nen­bau­ern, wo sich mehr Wett­be­wer­ber tum­meln. Wir ver­fol­gen heu­te auch ei­nen Port­fo­li­o­an­satz und ar­bei­ten mit ei­nem zen­tra­len Team an ver­schie­de­nen Pro­jek­ten. So kön­nen wir die Er­fah­run­gen zur Ver­bes­se­rung der Lo­gis­tik und zur Ver­kür­zung der Bau­zeit nut­zen. Al­le acht­zehn Mo­na­te ein Pro­jekt in Be­trieb zu set­zen, ist aber ei­ne ech­te Her­aus­for­de­rung. Sind Ko­ope­ra­tio­nen mit der In­dus­trie für Eon denk­bar? Wir spü­ren ver­mehrt In­ter­es­se et­wa aus der Au­to- oder der Kon­sum­gü­ter­in­dus­trie, die per­spek­ti­visch aus­schliess­lich grü­nen Strom nut­zen wol­len. In Ge­sprä­chen stel­len wir aber oft fest, dass die Ren­di­te­an­for­de­run­gen nicht zu­sam­men­pas­sen. In der In­dus­trie sind die Zy­klen kür­zer, die Ren­di­te­er­war­tun­gen hö­her. Da müs­sen wir al­le noch da­zu­ler­nen. Die Schweiz müss­te rund 40% Atom­strom ab­lö­sen, wenn der Atom­aus­stieg wie ge­plant kommt. Ist das reiz­voll für Eon? Wir sind stolz, in elf der zwölf glo­bal at­trak­tivs­ten Län­der für Re­ne­wa­bles ver­tre­ten zu sein. Die Schweiz ge­hört bis­her lei­der nicht da­zu. Wir ha­ben uns mit dem Ver­kauf der Bkw-be­tei­li­gung zu­rück­ge­zo­gen. Wür­de die Schweiz ih­re fle­xi­ble Was- ser­kraft wei­ter aus­bau­en, könn­te sie ei­ne enor­me, zen­tra­le Rol­le für den Um­bau des Ener­gie­sys­tems in Eu­ro­pa spie­len. Sie spre­chen Eu­ro­pa an. Ver­mis­sen Sie ei­ne har­mo­ni­sier­te Re­ne­wa­bles-för­de­rung? Wür­den die För­der­sys­te­me eu­ro­pa­weit in­tel­li­gen­ter ab­ge­stimmt, lies­se sich der Un­ter­stüt­zungs­be­darf in der EU auf dem Ni­veau von 2010 sta­bi­li­sie­ren. Es hilft schon, So­lar­ener­gie dort zu för­dern, wo die Son­ne scheint. Ge­hen wir das jetzt nicht an, wird uns das nicht ge­lin­gen.

Bis En­de der De­ka­de wer­den wir in der Wind­ener­gie die Netz­pa­ri­tät auf Stu­fe Gross­han­del er­rei­chen.

Der stei­gen­de An­teil Re­ne­wa­bles be­ein­flusst den Markt und die Netz­sta­bi­li­tät. Wel­che Schlüs­se zie­hen Sie dar­aus? Er­neu­er­ba­re Ener­gi­en trans­for­mie­ren das Ener­gie­sys­tem. Es ist her­aus­for­dernd, die mehr oder we­ni­ger zu­fäl­li­ge Re­ne­wa­blesLeis­tung mit der sta­bil ver­füg­ba­ren Leis­tung aus gröss­ten­teils kon­ven­tio­nel­ler Er­zeu­gung in Ein­klang zu brin­gen. Der Gross­han­dels­markt muss wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den und An­rei­ze bie­ten, da­mit ge­nug Re­ser­ven im Markt blei­ben. Es gibt vie­le Mög­lich­kei­ten. Für vor­zu­hal­ten­de Re­ser­veka­pa­zi­tä­ten könn­te es lang­fris­ti­ge, Eu-wei­te Rah­men­ver­trä­ge ge­ben.

Pen­si­ons­kas­sen und Rück­ver­si­che­rer an­spre­chen.

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