Das Strom­preis­rät­sel ge­löst

Finanz und Wirtschaft - - ENERGIE - DM

Wes­halb ist der Strom­preis – ge­nau­er ge­sagt der Gross­han­dels­preis – trotz der Ener­gie­wen­de nicht wie er­war­tet ge­stie­gen, und war­um kommt es bis­her nicht zu Black­outs? Die Tü­cke liegt im De­tail. Son­nen- und Wind­kraft sen­ken im Spot­markt die Spit­zen­last­prei­se und drü­cken die Mar­gen der Ver­sor­ger. Denn die ein­ge­setz­ten Er­zeu­gungs­ka­pa­zi­tä­ten ve­rän­dern sich durch die (vor­ran­gi­ge) Ein­spei­sung von Wind- und Son­nen­strom. Son­ne und Wind sind um­sonst, die Grenz­kos­ten von Wind­und So­lar­an­la­gen lie­gen bei null. Das hat weit­rei­chen­de Fol­gen: Kon­ven­tio­nel­le Ka­pa­zi­tä­ten (Gas, Koh­le, Öl) mit hö­he­ren va­ria­blen (Brenn­stoff-)kos­ten wer­den ver­drängt und ste­hen häu­fi­ger still, wenn gros­se Men­gen Wind- und Son­nen­strom ein­ge­speist wer­den. Die Ver­sor­ger be­zeich­nen dies in­zwi­schen als Kan­ni­ba­li­sie­rungs­ef­fekt.

Vor al­lem die Wind­ener­gie leis­tet in Deutsch­land, Spa­ni­en und Dä­ne­mark be­reits si­gni­fi­kan­te Bei­trä­ge. Fal­len aber Wind und Son­ne als Ener­gie­lie­fe­ran­ten aus, müs­sen blitz­schnell Er­satz­ka­pa­zi­tä­ten ans Netz. In Dä­ne­mark kann Strom durch gu­te Netz­ver­bin­dun­gen aus nor­we­gi­schen und schwe­di­schen Pump­spei­cher­wer­ken und AKW be­schafft wer­den. In Deutsch­land muss auf AKW und fos­si­le Ka­pa­zi­tä­ten in den um­lie­gen­den Län­dern zu­rück­ge­grif­fen wer­den, auch auf Schwei­zer Was­ser­kraft. Das ver­hin­dert Black­outs, doch die­ses Gleich­ge­wicht ist la­bil. Der Be­trieb von

Eon Back-up- oder Grund­last­an­la­gen ist we­gen der viel häu­fi­ge­ren Still­stän­de oft un­wirt­schaft­lich, klagt die Bran­che. Im­mer­hin hilft die Ab­schal­tung deut­scher AKW, die dank tie­fer Grenz­kos­ten in der Me­rit Or­der (Ein­satz­rei­hen­fol­ge) vor fos­si­len Ka­pa­zi­tä­ten lie­gen, den Co2-las­ti­gen Ka­pa­zi­tä­ten, län­ger als An­bie­ter im Netz zu blei­ben. Kli­ma­po­li­tisch ge­wollt ist das je­doch nicht.

Steigt der Strom­be­darf in ei­ner bes­se­ren Kon­junk­tur, wird sich das Feh­len von (Er­satz-)ka­pa­zi­tä­ten viel stär­ker be­merk­bar ma­chen. Die Kom­pen­sa­ti­on über Im­por­te ist dann kaum noch mög­lich. Die­sen Miss­stand müss­ten mas­siv stei­gen­de Spot- und Ter­min­prei­se si­gna­li­sie­ren. Sie wür­den An­rei­ze für In­ves­ti­tio­nen in neue Back-upKa­pa­zi­tä­ten set­zen. Doch ho­he Strom­prei­se sind po­li­tisch un­er­wünscht. So wird über die Ein­füh­rung von Ka­pa­zi­täts­märk­ten dis­ku­tiert. In ih­nen wür­de der Markt­me­cha­nis­mus aus­ge­he­belt und ein fi­xes Ent­gelt für neue Back-up-ka­pa­zi­tä­ten ein­ge­führt.

Durch die stark ge­stie­ge­nen Strom­im­por­te und -ex­por­te ge­rät das Über­tra­gungs­netz an Gren­zen. Die Netz­re­ser­ven sind sehr knapp ge­wor­den: Be­trei­ber Ten­net hat 2011 1024 Pro­ble­me an 308 Ta­gen fest­ge­stellt. Ten­net er­war­tet oh­ne Netz­aus­bau wei­ter Schwan­kun­gen in der Netz­fre­quenz und die Ge­fahr von Black­outs. Das kos­tet: Fre­quenz­schwan­kun­gen kön­nen zu Schnell­ab­schal­tun­gen und zur Be­schä­di­gung von Pro­duk­ti­ons­an­la­gen füh­ren.

EEX Strom­prei­se

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