Ener­gie­dienst schaut vor­sich­tig nach vorn

SCHWEIZ Strom­kon­zern er­war­tet 2012 sin­ken­den Er­trag

Finanz und Wirtschaft - - ENERGIE/INDUSTRIE - MAR­TIN GOLLMER

Das Jahr 2012 wird für den deutsch-schwei­ze­ri­schen Strom­kon­zern Ener­gie­dienst nicht so gut aus­fal­len wie die zwölf Mo­na­te 2011. «Es ist da­mit zu rech­nen, dass wir das ho­he Er­trags­ni­veau nicht hal­ten kön­nen», sag­te CEO Mar­tin Stei­ger an der Bi­lanz­me­di­en­kon­fe­renz. Grün­de sind sin­ken­de Mar­gen auf­grund nied­ri­ger Gross­han­dels­prei­se und des zu­neh­men­den Wett­be­werbs im Stamm­ge­biet so­wie ein aus­lau­fen­der 50-Me­ga­watt-lang­frist­ver­trag. Auch wa­ren die Vor­jah­res­er­geb­nis­se durch die Auf­lö­sung la­ten­ter Steu­ern po­si­tiv be­ein­flusst.

Mass­nah­men ein­ge­lei­tet

Ener­gie­dienst hat des­halb laut Stei­ger Mass­nah­men im Sach­kos­ten- und Er­lös­be­reich ein­ge­lei­tet. Die­se wür­den in das Er­geb­nis­ver­bes­se­rungs­pro­gramm der Haupt­ak­tio­nä­rin Ener­gie Ba­den-würt­tem­berg (ENBW) ein­flies­sen.

Trotz des ver­hal­te­nen Aus­blicks sieht sich Ener­gie­dienst «gut auf­ge­stellt, um die Her­aus­for­de­run­gen, in de­nen sich die Ener­gie­bran­che be­fin­det, zu be­ste­hen», wie Stei­ger aus­führ­te. Die Grup­pe will in ei­ner Zeit, in der Deutsch­land und die Schweiz den Atom­aus­stieg vor­be­rei­ten und welt­weit an ei­ner Re­duk­ti­on der CO2E­mis­sio­nen ge­ar­bei­tet wird, an ih­rer Kern­kom­pe­tenz re­ge­ne­ra­ti­ve Ener­gi­en fest­hal­ten und ih­rer öko­lo­gi­schen Aus­rich­tung treu blei­ben. «Dem­ent­spre­chend wird der Aus­bau der Er­zeu­gungs­ka­pa­zi­tä­ten so­weit wie mög­lich im Ein­klang mit der Na­tur er­fol­gen», er­klär­te Stei­ger.

Kon­kret ste­hen im Wal­lis Ge­neh­mi­gun­gen meh­re­rer Kon­zes­sio­nen für Was­ser­kraft­wer­ke an. Wei­te­re Pro­jek­tie­run­gen von Klein­was­ser­kraft­wer­ken sol­len fol­gen, eben­so Vor­ha­ben in der Son­nen- und Wind­ener­gie. Nach Fi­nanz­chef Chris­ti­an Ber­sier sind in Zu­kunft In­ves­ti­tio­nen von 30 bis 35 Mio. € pro Jahr ge­plant. Das sind deut­lich we­ni­ger als die 83,6 Mio. € im ver­gan­ge­nen Jahr. Die­se Gross­in­ves­ti­ti­on war noch ge­prägt durch den Neu­bau des Was­ser­kraft­werks Rhein­fel­den.

Im Ge­schäfts­jahr 2011 er­ziel­te Ener­gie­dienst ei­nen 14,7% hö­he­ren Net­to­um­satz von 904,5 Mio. €. Trotz des Um­satz­plus, be­güns­tigt un­ter an­de­rem durch ei­ne Stei­ge­rung des Strom­ab­sat­zes von 10,2% auf 8672 Mio. kwh, sank der Ebit (Ge­winn vor Zin­sen und Steu­ern) 1,9% auf 102,2 Mio. € und der Rein­ge­winn 1,1% auf 88,1 Mio. €.

Be­triebs­auf­wand ge­stie­gen

Auf Stu­fe Ebit schlug ein 17% ge­stie­ge­ner Be­triebs­auf­wand stark zu Bu­che. Da­zu tru­gen ne­ga­ti­ve Wech­sel­kurs­ent­wick­lun­gen, hö­he­re Per­so­nal­aus­ga­ben we­gen ein­ma­li­gen Rück­stel­lun­gen für Al­ters­teil­zeit und hö­he­ren Kos­ten für Per­so­nal­vor­sor­ge­rück­stel­lun­gen so­wie ge­stie­ge­ne öf­fent­li­che Ab­ga­ben durch hö­he­re Was­ser­zin­sen bei, wie Ber­sier er­läu­ter­te. Der Rein­ge­winn wur­de durch deut­lich hö­he­re Er­trags­steu­ern be­ein­flusst. Der Ver­wal­tungs­rat schlägt der Ge­ne­ral­ver­samm­lung die Aus­schüt­tung ei­ner un­ver­än­der­ten steu­er­frei­en Di­vi­den­de von 1.50 Fr. pro Ak­tie vor.

Die An­le­ger re­agier­ten mit Ver­käu­fen auf das mäs­si­ge Er­geb­nis und den vor­sich­ti­gen Aus­blick. Die Ener­gie­dienst-ak­ti­en ver­lo­ren am Mon­tag 1%. Sie sind lang­fris­tig dis­po­nie­ren­den In­ves­to­ren zu emp­feh­len, die «grü­ne» An­la­gen su­chen. Mit ei­nem Kurs-ge­winn-ver­hält­nis von 16 für 2012 ist al­ler­dings das Po­ten­zi­al für Avan­cen be­schränkt.

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