Sum­me der Oer­li­kon-spar­ten ist mehr wert

SCHWEIZ CEO Micha­el Bu­scher will in der Pro­fi­ta­bi­li­tät «mess­ba­re Ver­bes­se­run­gen» – Im­puls­ge­ber Chi­na – Dri­ve Sys­tems wird un­ter­schätzt – Ak­ti­en brau­chen Ge­duld

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - BEAT D. HEBEISEN

Die Ak­ti­en OC Oer­li­kon sind un­ter­be­wer­tet. Das er­ge­ben un­ter­schied­li­che Be­rech­nun­gen der Wer­te der ein­zel­nen Spar­ten des Tech­no­lo­gie­kon­zerns (vgl. Kas­ten). Die Ba­sis für die Beur­tei­lung ist das lau­fen­de Jahr. «Für das ope­ra­ti­ve Ge­schäft rech­ne ich 2012 nicht mit ei­nem Re­zes­si­ons­sze­na­rio», sagt CEO Micha­el Bu­scher im Ge­spräch. Er er­war­tet aber ein Jahr der Kon­so­li­die­rung. Das ist nicht wei­ter ver­wun­der­lich. 2011 ha­be OC Oer­li­kon ein «völ­lig neu­es Ni­veau in der Pro­fi­ta­bi­li­tät er­reicht», freut sich Bu­scher oh­ne auf De­tails ein­zu­ge­hen. Im ers­ten Se­mes­ter er­ziel­te Oer­li­kon ei­ne Ebit-mar­ge von 9,2%. Nichts deu­tet dar­auf hin, dass sich die­ser Wert im zwei­ten Halb­jahr ver­schlech­tert hat.

Auf die­ser Ba­sis will Bu­scher, der den Kon­zern seit dem Früh­ling 2010 führt, auf­bau­en. In den ein­zel­nen Seg­men­ten wird de­zi­diert dar­an ge­ar­bei­tet, «mess­ba­re Ver­bes­se­rung» in der Pro­fi­ta­bi­li­tät zu er­zie­len. «Das ist die Auf­ga­be für 2012», sagt der CEO. Es sei wich­tig die Pro­zes­se so zu fes­ti­gen, dass un­ab­hän­gig von der kon­junk­tu­rel­len Ent­wick­lung die Mar­gen ge­hal­ten wer­den könn­ten. Für 2013/14 wird ei­ne Ver­bes­se­rung der Ren­ta­bi­li­tät an­ge­strebt. OC Oer­li­kon ist un­ter Bu­scher deut­lich be­re­chen­ba­rer ge­wor­den – was ei­ne wich­ti­ge Vor­aus­set­zung für ei­ne ver­nünf­ti­ge Be­wer­tung ei­ner Ge­sell­schaft ist.

Ma­nage­ment­tref­fen in Chi­na

Ba­sie­rend auf ei­ner Sum-of-the-partsAna­ly­se er­rech­net «Fi­nanz und Wirt­schaft» ei­nen «fai­ren» Bör­sen­wert von 2395 Mio. Fr., was 11,9% über dem ak­tu­el­len Kurs liegt. Ba­sis für die Ana­ly­se, die je­de Spar­te des Kon­zerns ein­zeln be­wer­tet, war ein ein­ge­hen­des Ge­spräch mit CEO Bu­scher über die Chan­cen und Pro­ble­me der ein­zel­nen Di­vi­sio­nen. Tex­ti­le ist mit ei­nem Wert von 1 Mrd. Fr. die gröss­te Un­ter­neh­mens­ein­heit. Der Be­reich ent­wi­ckel­te sich im drit­ten und wohl auch im vier­ten Quar­tal rück­läu­fig. Er­fol­ge wur­den in die­ser Spar­te al­ler­dings be­reits er­zielt.

Die Ge­winn­schwel­le konn­te um 700 Mio. Fr. ge­senkt wer­den. Bu­scher weiss, wie der Ebit wei­ter zu ver­bes­sern wä­re: «Hö­he­re Sa­les». Da­bei ist der Fo­kus auf Asi­en ge­rich­tet. Ge­gen 80% der Nach­fra­ge sind aus die­ser Re­gi­on ge­trie­ben. «Es liegt an uns, in Chi­na das Wachs­tum zu he­ben», sagt Bu­scher. Das Un­ter­neh­men kommt die­ser Ent­wick­lung ent­ge­gen und er­öff­net in die­sen Ta­gen in Schang­hai ei­ne neue Ge­schäfts­zen­tra­le. Das ist ein stra­te­gi- scher Ent­scheid. Oer­li­kon will ins­ge­samt noch nä­her zu den Kun­den. Das Kon­zept wird die­se Wo­che mit den Füh­rungs­kräf­ten des Kon­zerns im Rah­men ei­nes Ma­nage­ment-mee­tings am Sitz der neu­en Kon­zern­de­pen­dance in Chi­na be­spro­chen. Bis En­de Jahr sol­len hier bis zu 200 Mit­ar­bei­ter aus dem ge­sam­ten Kon­zern ar­bei­ten.

In Chi­na wur­de in den letz­ten Mo­na­ten auch ei­ne neue Fa­b­rik für Dri­ve Sys­tems hoch­ge­zo­gen. Bu­scher ist über­zeugt, dass sich da­mit die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Spar­te deut­lich ver­bes­sert. «Dri­ve Sys­tems wird als Seg­ment noch un­ter­schätzt», sagt der CEO. Das gel­te mit Blick auf das Wachs­tum, die Tech­no­lo­gie und die Pro­fi­ta­bi­li­tät. Dank neu­er Fer­ti­gungs­ver­fah­ren und Pro­zess­ver­bes­se­run­gen sei Dri­ve Sys­tems in der La­ge, die Mar­gen zu er­hö­hen.

Va­cu­um und Bal­zers Coa­ting sind si­che­re Wer­te im Port­fo­lio der Ge­sell­schaft. Bei­de Be­rei­che wei­sen at­trak­ti­ve EbitMar­gen von 15 bis 20% aus. Das Wert­schöp­fungs­po­ten­zi­al ist nicht aus­ge­reizt. In den neus­ten Va­ku­um­pum­pen von Ley­bold konn­te zum Bei­spiel der Ener­gie­ver­brauch bis zu 25% ver­rin­gert wer­den.

Ein Sor­gen­kind bleibt So­lar. Über 200 Mio. Fr. wur­den bis­her in die For­schung in­ves­tiert. Die Tech­no­lo­gie konn­te zwar wei­ter ver­bes­sert wer­den. «Wir ar­bei­ten hart dar­an, um auch in die­sem Seg­ment für den An­le­ger Mehr­wer­te er­zie­len zu kön­nen», sagt Bu­scher. Die Kos­ten auf den ei­ge­nen Pro­duk­ti­ons­ma­schi­nen ge­hen pro Jahr 10 bis 15% zu­rück. Doch der Ver­kauf harzt. Die Tech­no­lo­gie ver­bes­sern und die Kos­ten wei­ter sen­ken, ist die De­vi­se. «Wenn uns das ge­lingt, wer­den wir von ei­ner er­war­te­ten Nach­fra­ge­stei­ge­rung pro­fi­tie­ren», ist der CEO über­zeugt.

Die Spar­te Ad­van­ced ist noch kei­ne Er­folgs­ge­schich­te. Der Hoff­nungs­trä­ger Solaris ent­wi­ckelt sich be­schei­den – Mey­er Bur­ger hät­te die­sen Be­schich­tungs­au­to­ma­ten ger­ne über­nom­men um ei­ge­ne Pro­zes­se für So­lar­wafer zu ent­wi­ckeln. Oer­li­kon wink­te ab. Mit Roth & Rau hat Mey­er Bur­ger ei­ne ver­gleich­ba­re Tech­no­lo­gie ge­kauft.

In der Na­no­tech­no­lo­gie sind Be­schich­tungs­pro­zes­se ent­schei­dend. Ad­van­ced hat in die­sem Seg­ment erst we­nig er­reicht. Bu­scher sieht das an­ders. Mit He­xa­gon sei er­folg­reich ein Pro­dukt für die Halb­lei­ter­in­dus­trie lan­ciert wor­den. Zu­dem ste­he man im Na­no­seg­ment mit­ten in den Ver­hand­lun­gen mit in­ter­es­sier­ten Kun­den für ein neu­es Pro­dukt, er­wähnt Bu­scher.

Kei­ne De­ves­ti­tio­nen

Oer­li­kon litt in den letz­ten Jah­ren im­mer wie­der un­ter den Zy­klen ein­zel­ner In­dus­tri­en. Tex­ti­le ist da­für ein gu­tes Bei­spiel. Das Un­ter­neh­men hat jetzt Mecha­nis­men ent­wi­ckelt um ge­gen­über sol­chen Schwan­kun­gen ro­bus­ter zu sein. Es wur­de für je­de Bu­si­nes­s­ein­heit ein zwei­stu­fi­ges Sys­tem ein­ge­führt, um in­ner­halb von drei re­spek­ti­ve sechs Mo­na­ten die Kos­ten deut­lich re­du­zie­ren zu kön­nen. Bu­scher be­tont al­ler­dings, dass er auf­grund der ak­tu­el­len Da­ten aus Grup­pen­sicht kei­nen Nach­fra­ge­ein­bruch er­war­te.

Im Ge­gen­teil. Oer­li­kon ver­fol­ge de­zi­diert ei­ne Vor­wärts­stra­te­gie. Es sei der­zeit ei­ne der «we­sent­li­chen Auf­ga­ben» des Ma­nage­ment, neue Märk­te zu eva­lu­ie­ren. Als Bei­spiel nennt Bu­scher Süd­afri­ka, Aus­tra­li­en und Bra­si­li­en, Re­gio­nen in de­nen die Ge­sell­schaft heu­te kaum ver­tre­ten ist. Da ge­be es noch Po­ten­zi­al. Gleich­zei­tig re­la­ti­viert er, das sei­en je­doch nur Puz­zle­tei­le in ei­nem gros­sen Gan­zen. Ins­ge­samt ist Bu­scher mit dem Port­fo­lio zu­frie­den. «De­ves­ti­tio­nen von ein­zel­nen Spar­ten sind heu­te kein The­ma», sagt der CEO.

Ne­ben ope­ra­ti­ven Ver­bes­se­run­gen ist auch die Op­ti­mie­rung der Bi­lanz ein Ziel.

OC Oer­li­kon N Die Re­fi­nan­zie­rung der Kre­dit­fa­zi­li­tä­ten von über 1 Mrd. Fr. wird ab Mitte Jahr ein The­ma sein. Im Zen­trum des In­ter­es­ses ist die Ab­lö­sung ei­ner C- Fa­zi­li­tät von fast 500 Mio. Fr. mit ei­nem Zins­satz von Li­bor plus 11%. Ein de­gres­si­ver Pen­al­ty ei­ner vor­zei­ti­gen Ab­lö­sung auf die­ser Fa­zi­li­tät läuft Mitte Jahr aus. Ab dann ist ei­ne Um­schul­dung wirt­schaft­lich sinn­voll. Bu­scher si­gna­li­siert aber, dass die­se Kon­stel­la­ti­on im lau­fen­den Jahr noch kei­ne Aus­wir­kun­gen auf das Er­geb­nis ha­be. Mit der Ab­lö­sung die­ser Fi­nanz­schul­den wä­ren dann die his­to­ri­schen Alt­las­ten vom Tisch. Die Zins­last dürf­te ab 2013 deut­lich sin­ken.

Für den In­ves­tor eben­so re­le­vant ist, dass OC Oer­li­kon al­les dar­an­set­zen wird, die Mar­gen wei­ter zu ver­bes­sern. Der Fo­kus des Ma­nage­ments lie­ge auf der ope­ra­tio­nel­len Per­for­mance, er­wähnt Bu­scher im Ge­spräch ei­ni­ge Ma­le. Ers­te Ziel­vor­ga­ben dürf­ten um 10% lie­gen. Sze­na­ri­en wur­den mit Mar­gen um 12% ge­rech­net. Da­durch er­ge­ben sich in ei­ner Sum-of­the-parts-be­wer­tung neue Pa­ra­me­ter.

Aus dem theo­re­ti­schen Bör­sen­wert 2012 von 2395 Mio. Fr. er­rech­net sich ein Ak­ti­en­kurs von 7.42 Fr. Dar­in sind die an­vi­sier­ten Ver­bes­se­run­gen der Ebit-mar­gen noch nicht be­rück­sich­tigt. Ins­ge­samt lässt sich aus den un­ter­schied­li­chen Be­wer­tun­gen ab­lei­ten: OC Oer­li­kon sind at­trak­tiv. Da­von sind auch die meis­ten Ana­lys­ten über­zeugt (vgl. Text zur Zah­len­ta­bel­le). Weil 2012 aus dem ope­ra­ti­ven Ge­schäft vo­r­erst noch die Im­pul­se feh­len, braucht ein En­ga­ge­ment in­des Ge­duld.

CEO Micha­el Bu­scher hat mit OC Oer­li­kon ei­nen be­ein­dru­cken­den Tur­naround ge­schafft.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.