Hy­po­the­ken­ver­brie­fun­gen oh­ne Zu­kunft

In Eu­ro­pa wer­den dop­pelt so vie­le MBS amor­ti­siert als Emit­ten­ten neue lan­cie­ren – Re­gu­lie­rungs­um­feld be­vor­zugt Co­ve­r­ed Bonds – Fol­ge des Sub­pri­me-de­ba­kels

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - ANDRE­AS NEIN­HAUS

Ei­ne An­la­ge­klas­se stirbt aus. Mit Hy­po­the­ken un­ter­leg­te Wert­pa­pie­re (Mort­ga­ge-ba­cked Se­cu­ri­ties, MBS) zähl­ten vor ei­nem Jahr­zehnt zu den lu­kra­tivs­ten In­no­va­tio­nen im An­la­ge­ge­schäft. Ty­pi­sche Mbs-ver­brie­fun­gen ver­fü­gen über meh­re­re Tran­chen, die nach Bo­ni­tät ge­staf­felt sind. Der gröss­te Teil hält die Best­no­te AAA. Dank die­ser Kon­struk­ti­on tra­fen sie auf ei­ne kräf­ti­ge Nach­fra­ge vor al­lem von in­sti­tu­tio­nel­len An­le­gern.

Sie in­ves­tier­ten vor­zugs­wei­se in Staats­an­lei­hen. Da Staats­pa­pie­re als ri­si­ko­freie An­la­ge ein­ge­stuft wer­den und nicht mit Ei­gen­ka­pi­tal un­ter­legt wer­den müs­sen, wa­ren die­se Pa­pie­re un­schlag­bar. Je­der woll­te sie ha­ben, mit der Fol­ge, dass die Ban­ken-porte­feuilles heu­te mit Re­gie­rungs­an­lei­hen über­frach­tet sind. Als die Staats­schul­den­kri­se in Eu­ro­pa aus­brach, ent­wi­ckel­te sie sich zur Ban­ken­kri­se.

Hy­po­the­kar­ver­brie­fun­gen durch­lie­fen ei­ne ähn­li­che Ent­wick­lung. Sie wur­den auf Aaa-ni­veau ge­trimmt, be­sas­sen dar­auf­hin ei­ne tie­fe Ri­si­ko­ge­wich­tung und wur­den auf die­se Wei­se eben­falls zum be­gehr­ten In­ves­ti­ti­ons­ziel. Da­mals wur­den al­ler­dings Tran­chen zu Erst­klass-mbs zu­sam­men­ge­schnürt, die das Gü­te­sie­gel nie ver­dien­ten. Die­se so­ge­nann­ten Sub­pri­me-pa­pie­re lös­ten in den USA die Fi­nanz­kri­se aus, von der sich die Fi­nanz­märk­te bis heu­te nicht er­holt ha­ben.

Schlech­tes Image

Die ge­sam­te An­la­ge­klas­se MBS zeigt seit­her Auf­lö­sungs­er­schei­nun­gen. In Eu­ro­pa stirbt sie ei­nen an­ge­kün­dig­ten Tod. In­vol­viert sind rie­si­ge Sum­men: Al­lein 2011 wur­den As­set-ba­cked Se­cu­ri­ties (ABS), zu de­nen MBS zäh­len, im Wert von 125 Mrd. € amor­ti­siert. In den Jah­ren zu­vor flos­sen je­weils ähn­lich gros­se Be­trä­ge an die In­ves­to­ren zu­rück. Neu auf­ge­legt wird nur ein Bruch­teil da­von. Im­mer­hin kam es 2011 zu ei­ner kur­zen Emis­si­ons­wel­le, die bis zum Som­mer reich­te. Ins­ge­samt wur­den ver­gan­ge­nes Jahr ABS für 54 Mrd. € lan­ciert. Fast die Hälf­te be­lief sich auf mit Wohn­hy­po­the­ken be­si­cher­te Pa­pie­re (RMBS) aus Gross­bri­tan­ni­en. Hol­län­di­sche RMBS mach­ten ein Zehn­tel der Emis­sio­nen aus. Pri­vat plat­ziert wur­de we­nig.

Bar­clays Ca­pi­tal geht da­von aus, dass die neu auf­ge­leg­ten eu­ro­päi­schen MBS fast aus­schliess­lich von «tak­ti­schen» In­ves­to­ren ge­kauft wer­den, die An­la­gen mit gu­ten re­la­ti­ven Ren­di­te­chan­cen su­chen, selbst wenn die An­la­ge­klas­se nicht mehr lan­ge exis­tie­ren soll­te. Ein­zel­ne Ban­ken, Ver­si­che­rer, Pen­si­ons­kas­sen und Fonds hät­ten sich die­sem An­satz ver­schrie­ben. Hedge Funds spie­len kei­ne Rol­le.

An­ders als ur­sprüng­lich ge­plant, kor­re­liert der An­la­ge­er­trag von MBS in­zwi­schen mit dem hoch­ris­kan­ter Pa­pie­re. Von der eins­ti­gen Triple-a-re­pu­ta­ti­on ist nichts mehr zu spü­ren. So­bald die Märk­te auf

Ge­samt­er­trag Eu­ro-an­lei­hen in %

Nicht nur in Hel­las gibt es Schul­den­schnit­te. Auch In­ha­ber ein­zel­ner deut­scher Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser-mbs ver­lo­ren Tei­le des Ka­pi­tals.

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