Droht ei­ne Bla­se in Ren­di­te­pa­pie­ren?

Ak­ti­en mit ho­her Di­vi­den­den­ren­di­te sind im Trend – Die­se sind hoch be­wer­tet – Wenn ri­si­ko­freu­di­ge Markt­stim­mung an­hält, könn­ten Ren­di­te­va­lo­ren lei­den

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - STM

Di­vi­den­den sind ge­fragt: Ak­ti­en mit ei­ner ho­hen Aus­schüt­tungs­ren­di­te ha­ben den Ge­samt­markt im ver­gan­ge­nen Jahr deut­lich ge­schla­gen. So ha­ben die hun­dert di­vi­den­den­stärks­ten Pa­pie­re im S&P 500 3,7% zu­ge­legt, wäh­rend der Us-leit­in­dex selbst nicht vom Fleck ge­kom­men ist. Gar 10% ver­lo­ren ha­ben die hun­dert Ak­ti­en im S&P 500 mit der tiefs­ten Aus­schüt­tung. Nun mel­den sich ers­te Stim­men – et­wa der Ver­mö­gens­ver­wal­ter Al­li­an­ce­bern­stein –, die ei­ne Bla­se fürch­ten.

Ak­ti­en statt Ob­li­ga­tio­nen

Wer will es den In­ves­to­ren ver­übeln, dass sie ei­ne feu­da­le Di­vi­den­de hoch schät­zen? Im­mer­hin gel­ten Un­ter­neh­men mit ei­ner ro­bus­ten Aus­schüt­tung als Tan­ker, die nicht bei je­dem Lüft­chen an der Bör­se gleich vom Kurs ab­kom­men. Ge­nau das al­so, was sich An­le­ger in un­si­che­ren Zei­ten wün­schen. Weil vie­le An­lei­hen zu­dem kaum Zin­sen ab­wer­fen, su­chen im­mer mehr Ob­li­ga­tio­nen­in­ves­to­ren ihr Glück in Ak­ti­en – und blen­den da­bei aus, dass die bei­den An­la­ge­klas­sen we­gen des kom­plett un­ter­schied­li­chen Ri­si­ko-ren­di­te-pro­fils nicht mit­ein­an­der ver­g­li­chen wer­den soll­ten. Ei­ni­ge Fi­nanz­in­sti­tu­te för­dern die­ses Um­schich­ten so­gar. Die Her­de der In­ves­to­ren scheint ei­ne neue saf­ti­ge An­la­ge­wei­de ge­fun­den zu ha­ben. Doch im­mer, wenn sich die Mas­sen auf ein The­ma stür­zen und die Er­war­tun­gen stei­gen, wächst das Po­ten­zi­al für Ent­täu­schun­gen.

Das ruft War­ner auf den Plan. Sie be­fürch­ten, Us-di­vi­den­den­ak­ti­en ste­he ein ar­ger Rück­schlag be­vor. Ih­re Ar­gu­men­ta­ti­on: Wenn die ame­ri­ka­ni­sche Wirt­schaft wei­ter an Fahrt ge­winnt, könn­te an den Märk­ten der Ri­si­ko­ap­pe­tit rasch stei­gen. An­le­ger wür­den sich in der Fol­ge von so­li­den Ren­di­te­ti­teln ab­wen­den und Wachs­tums­ak­ti­en be­vor­zu­gen. Die er­stark­te Wirt­schaft, so wird wei­ter be­fürch- tet, könn­te zu­dem die In­fla­ti­on an­hei­zen und Zins­er­hö­hun­gen mit sich brin­gen. Ob­li­ga­tio­nen­an­le­ger wür­den sich un­ter die­sen Um­stän­den aus den Ak­ti­en ver­ab­schie­den und ihr Ver­mö­gen wie­der in An­lei­hen in­ves­tie­ren. Die­se Ar­gu­men-

S&P 500 Di­vi­dend Aristo­crats ta­ti­on er­scheint zwar lo­gisch, an­ge­sichts der mo­men­ta­nen Wirt­schafts­la­ge ist ein sol­ches Sze­na­rio aber eher un­rea­lis­tisch.

Ren­di­te­jä­ger soll­ten den­noch auf der Hut sein: Ak­ti­en mit statt­li­cher Di­vi­den­de über­tref­fen Va­lo­ren oh­ne ho­he Aus­schüt­tung üb­li­cher­wei­se in schwa­chen Märk­ten (vgl. Chart). Es ist des­halb un­ge­wöhn­lich, dass sie in der seit An­fang Jahr lau­fen­den Ral­ly die Na­se vorn ha­ben. Falls sich die Bör­se wei­ter­hin so ri­si­ko­freu­dig zeigt wie seit dem Jah­res­wech­sel, ist es da­her gut mög­lich, dass In­ves­to­ren zum al­ten Mus­ter zu­rück­keh­ren und Di­vi­den­den­pa­pie­re ab­stos­sen.

Ba­by­boo­mer ge­ben Auf­trieb

Wenn sich die Ängs­te um ein Aus­ein­an­der­bre­chen der Eu­ro­zo­ne und die glo­ba­len Kon­junk­tur­sor­gen auf dem Bör­sen­par­kett wie­der breit­ma­chen, kann die Stim­mung aber rasch dre­hen. Di­vi- den­den­pa­pie­re könn­ten dann zu den Ge­win­nern zäh­len. Mit­tel­fris­tig gibt ih­nen auch die De­mo­gra­fie Rü­cken­wind: Die Ba­by­boo­mer-ge­ne­ra­ti­on geht dem­nächst in Pen­si­on. Em­pi­ri­sche Stu­di­en be­le­gen, dass der Ri­si­ko­ap­pe­tit bei An­le­gern ab dem Ren­ten­al­ter ra­pi­de ab­nimmt. Ba­by­boo­mer dürf­ten des­halb Va­lo­ren mit ei­ner statt­li­chen Aus­schüt­tung be­vor­zu­gen.

Ren­diteak­ti­en sind kein Schnäpp­chen mehr. Ge­mäss Al­li­an­ce­bern­stein ist das Kurs-ge­winn-ver­hält­nis (KGV) von Di­vi­den­den­va­lo­ren nor­ma­ler­wei­se 20% tie­fer als das von Ak­ti­en oh­ne Aus­schüt­tung. Heu­te sind bei­de gleich hoch be­wer­tet – erst­mals seit den Sieb­zi­ger­jah­ren, wie das «Wall Street Jour­nal» be­rich­tet. Von ei­ner Bla­se zu spre­chen scheint den­noch über­trie­ben. Denn die Di­vi­den­den­ren­di­ten sind nach wie vor feu­dal. Stei­gen die Kur­se über län­ge­re Zeit deut­lich stär­ker als die Aus­schüt­tung, wird die Ren­di­te zwangs­wei­se we­ge­ro­diert.

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