«Nichts an­de­res als ein De­fault»

Olaf Rog­ge, Grün­der des Ver­mö­gens­ver­wal­ters Rog­ge Glo­bal, über An­lei­hen­käu­fe der Zen­tral­ban­ken und rea­le Ren­di­ten

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - CLIFFORD PADEVIT,

IDas War­um fehlt

ch hof­fe, Grie­chen­land fliegt aus dem Eu­ro», sagt Olaf Rog­ge, «aber ich er­war­te es nicht.» Für ei­nen Ver­mö­gens­ver­wal­ter, der für in­sti­tu­tio­nel­le An­le­ger über­wie­gend in An­lei­hen in­ves­tiert, ist die­se Hal­tung un­ge­wöhn­lich. «Es wä­re das Bes­te für Eu­ro­pa, wenn das schwächs­te Glied aus­schei­det», fügt er im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft» an. Grie­chen­land wür­de als Bei­spiel die­nen, wie schlecht es ei­nem Land ge­hen kann, das aus dem Eu­ro aus­tre­ten muss, weil es über die ei­ge­nen Ver­hält­nis­se ge­lebt hat.

Die Ein­schät­zung des 66-jäh­ri­gen Grün­ders und Co-in­vest­ment­chefs von Rog­ge Glo­bal Part­ners mit Haupt­sitz in London mag ver­blüf­fen. Wenn Olaf Rog­ge aber im Ein­klang mit der gän­gi­gen Meinung in­ves­tiert hät­te, wä­re aus ei­nem ein­zi­gen An­la­ge­man­dat 1984 bis heu­te nicht ein Ver­mö­gens­ver­wal­ter ge­wor­den, der 45 Mrd. $ ver­wal­tet. Rog­ge blick­te al­so be­reits auf ei­ne er­folg­rei­che Kar­rie­re zu­rück, be­vor ihn Hol­ly­wood für den Film «Wall Street – Mo­ney Ne­ver Sleeps» aus dem Jahr 2010 als Fi­nanz­ex­per­ten ein­spann­te. Vom fer­ti­gen Film war Rog­ge dann ent­täuscht. Nicht et­wa weil er von ei­ner Sprech­rol­le zum Sta­tis­ten ab­stieg. Son­dern weil die we­sent­li­che Fra­ge des Films, war­um es zur Fi­nanz­kri­se kam und war­um heu­te die Ver­schul­dung von Staa­ten und Haus­hal­ten im Wes­ten auf ein un­ge­müt­li­ches Mass ge­stie­gen ist, fehl­te.

«So­lan­ge wir das War­um nicht be­spre­chen, wird es uns nicht bes­ser­ge­hen», sagt Rog­ge, der aus Ham­burg stammt. «Wir ha­ben ein Po­li­tik­pro­blem, nicht ein Ban­ken­pro­blem», fin­det er, ob­wohl ger­ne den Ban­kern die Schuld in die Schu­he ge­scho­ben wird. Für ihn ist klar: Po­li­ti­ker hät­ten zu viel ver­spro­chen, die Staa­ten könn­ten sich das nicht mehr leis­ten. Aber nicht ein­mal Spar­mass­nah­men wür­den Po­li­ti­ker ehr­lich kom­mu­ni­zie­ren. «Die Schul­den wer­den nicht re­du­ziert, in Gross­bri­tan­ni­en zum Bei­spiel wird nur die Neu­ver­schul­dung re­du­ziert», sagt Rog­ge, der seit über dreis­sig Jah­ren in London lebt. «Das gibt nie­mand zu, aber ir­gend­wann müs­sen Po­li­ti­ker doch mal ehr­lich sein, ob in En­g­land, Eu­ro­pa oder den USA.»

An­ge­sichts der wei­ter stei­gen­den Staats­ver­schul­dung und der Ri­si­ken für Gläu­bi­ger stellt sich die Fra­ge, wes­halb bei­spiels­wei­se ame­ri­ka­ni­sche oder bri­ti­sche Staats­an­lei­hen über­haupt noch ge­kauft wer­den. «Der Grund sind die Li­qui­di­tät und das Feh­len von Al­ter­na­ti­ven», sagt Rog­ge, «und na­tür­lich sind die­se Bonds im Ver­gleichs­in­dex.» «Wir sind in Us-tre­a­su­ries und bri­ti­schen Staats­an­lei­hen un­ter­ge­wich­tet», sagt er, des­sen Leis­tung in sei­nen Man­da­ten an ei­nem vor­be­stimm­ten In­dex ge­mes­sen wird.

Mit ein Grund für die tie­fen Ren­di­ten der Staats­an­lei­hen die­ser zwei Län­der sind Käu­fe der Zen­tral­ban­ken. Bei­de In­sti­tu­te kau­fen Staats­an­lei­hen, um die Zin­sen zu sen­ken und mehr Geld in die Wirt­schaft zu pum­pen. Die Käu­fe – quan­ti­ta­ti­ve Lo­cke­rung, auf Eng­lisch kurz QE für Quan­ti­ta­ti­ve Ea­sing ge­nannt – wer­den so­wohl vom ame­ri­ka­ni­schen Fed als auch von der Bank of En­g­land als nö­tig er­ach­tet, weil sie die her­kömm­li­chen Mit­tel der Geld­po­li­tik für er­schöpft hal­ten. Die­se Käu­fe ver­zer­ren den Markt und wir­ken po­ten­zi­ell in­fla­tio­när. Rog­ge hält nicht viel von An­lei­hen­käu­fen: «QE ist nichts an­de­res als ein De­fault, nur spricht kei­ner in En­g­land oder den USA da­von.» Wür­de al­so die Zen­tral­bank nicht kau­fen, hät­ten die­se Län­der ein Zah­lungs­pro­blem. «Ich fin­de es er­staun­lich, dass sich bis jetzt kei­ne In­fla­ti­on ab­zeich­net», sagt Rog­ge. Doch In­fla­ti­on sei ein selt­sa­mes Tier, wie sein Hund: Wenn man ihn ru­fe, kom­me er nicht, wenn man ihn igno­rie­re, dann kom­me er. Rog­ge fragt sich, ob die Käu­fe über­haupt et­was brin­gen. «Mit QE wur­de in Gross­bri- tan­ni­en und den USA so viel Geld in die Wirt­schaft ge­pumpt, doch pas­siert ist nichts.» «Vi­el­leicht», sagt er, «sind un­se­re Volks­wirt­schaf­ten ein­fach so ka­putt, dass auch mit dem Ex­tra­geld nichts pas­siert.»

Kei­ne Us-staats­an­lei­hen

Staats­an­lei­hen aus den USA hält der Fonds­ma­na­ger des­halb kaum für ei­ne wert­vol­le In­ves­ti­ti­on. «Wenn Sie lang­fris­ti­ge Us-tre­a­su­ries kau­fen, um für zehn Jah­re zu hal­ten, ver­lie­ren Sie nur Geld», sagt er. «Hal­ten Sie lie­ber Cash und hof­fen, dass der Markt auf­wacht.» Das wä­re der Fall, wenn die Ren­di­ten deut­lich stei­gen wür­den. Für be­reits in­ves­tier­te An­le­ger be­deu­te­te dies ei­nen Ver­lust, nach der Kor­rek­tur lies­se sich aber wie­der in­fla­ti­ons­be­rei­nigt Geld ver­die­nen, was heu­te nicht der Fall sei. Denn die Ren­di­te auf zehn­jäh­ri­gen Us-tre­a­su­ries ist der­zeit nied­ri­ger als die In­fla­ti­ons­ra­te.

Es ge­be an­de­re An­la­gen, die in den nächs­ten zwei Jah­ren ei­ne rea­le Ren­di­te ab­wer­fen könn­ten. Für ihn sind dies Wäh­run­gen aus Schwel­len­län­dern, High Yield Bonds (An­lei­hen von nied­ri­ge­rer Qua­li­tät) so­wie Un­ter­neh­mens­an­lei­hen. An­ders als Staats­an­lei­hen aus dem Wes­ten sei­en sol­che aus Schwel­len­län­dern ei­ne gu­te Al­ter­na­ti­ve, aber in vie­len Län­dern kön­ne man nicht in­ves­tie­ren. Des­halb emp­fiehlt Rog­ge den An­le­gern im Wes­ten, erst de­ren Wäh­run­gen zu kau­fen.

In brei­ten Man­da­ten be­vor­zugt er zu­dem Un­ter­neh­mens­an­lei­hen. «Die Ein­zi­gen, die in der west­li­chen Welt der­zeit Geld ha­ben, sind Un­ter­neh­men», sagt er. Ganz im Ge­gen­satz zu den Haus­hal­ten und den Staa­ten, die bei­de un­ter Schul­den lei­den. Wich­tig sei, auf glo­bal auf­ge­stell­te Un­ter­neh­men zu set­zen, be­tont Rog­ge. Nur sie sei­en in der La­ge, ih­ren Ab­satz­mix und ih­re Pro­duk­ti­ons­schwer­punk­te zu än­dern, an­ders als lo­ka­le Un­ter­neh­men. Das hö­he­re Kre­dit­ri­si­ko, das mit Un­ter­neh­mens­an­lei­hen ein­her­geht, macht dem An­la­ge­pro­fi kei­ne Sor­gen, auch nicht, dass die Lauf­zei­ten bei Un­ter­neh­mens­an­lei­hen kür­zer sind. Kein An­le­ger kön­ne heu­te blind­lings ei­ne An­lei­he für die nächs­ten zwan­zig Jah­re kau­fen – we­der ei­nes Staats noch ei­nes Un­ter­neh­mens.

Olaf Rog­ge, der An­la­gen von 45 Mrd. $ ver­wal­tet, hält we­nig von Us-tre­a­su­ries.

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