Wo­hin mit der Li­qui­di­täts­flut am An­lei­hen­markt?

An­lei­hein­ves­to­ren soll­ten fle­xi­bler und in­ter­na­tio­na­ler wer­den – Stra­te­gi­en vo­r­erst noch de­fen­siv

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - MAN­FRED KRÖLLER

Die An­lei­hen­märk­te sind recht gut ins neue Jahr ge­star­tet. Reich­lich zur Ver­fü­gung ge­stell­te Li­qui­di­tät der No­ten­ban­ken dies- und jen­seits des At­lan­tiks be­lebt den Ri­si­ko­ap­pe­tit. Die­se Er­kennt­nis ist un­ter Port­fo­lio­ma­na­gern kaum um­strit­ten. Bei den an­la­ge­stra­te­gi­schen Kon­se­quen­zen ge­hen die An­sich­ten al­ler­dings aus­ein­an­der.

Fest­zins­in­ves­to­ren sind nach An­sicht von Nick Garts­ide, CIO Glo­bal Fi­xed In­co­me & Cur­ren­cy von J. P. Mor­gan As­set Ma­nage­ment gut be­ra­ten, wenn sie auf ei­nen Mix ver­schie­de­ner An­lei­hen­seg­men­te set­zen. Nach wie vor ha­be man welt­weit ei­nen eher schwa­chen kon­junk­tu­rel­len Un­ter­bau mit un­ein­heit­li­chen Da­ten­si­gna­len. Das schaf­fe Vo­la­ti­li­tät, An­le­ger sä­hen sich hin- und her­ge­ris­sen und müss­ten an­ge­sichts ra­scher Trend­wech­sel 2012 dy­na­mi­scher als bis­her um­schich­ten. Sie soll­ten sich noch in­ter­na­tio­na­ler aus­rich­ten. Im Mo­ment sei­en Un­ter­neh­mens­an­lei­hen (über­wie­gend aus ent­wi­ckel­ten Län­dern) zu be­vor­zu­gen.

War­um nicht Aus­tra­li­en?

In ei­nem glo­ba­len Bond-port­fo­lio soll­ten rund ein Vier­tel Un­ter­neh­mens­an­lei­hen (In­vest­ment Gra­de) und rund ein Drit­tel Hochzinsanleihen ent­hal­ten sein. Die Aus­wahl sei ent­schei­dend. Aber auch in Staats­an­lei­hen fän­den sich Er­trags­chan­cen: Aus­tra­li­en ge­hö­re hier zum Kreis un­se­rer Fa­vo­ri­ten, sagt Garts­ide. Jüngs­te Zins­sen­kun­gen lies­sen die Kur­se stei­gen, das Land sei sta­bil, die Staats­ver­schul­dung ge­ring, die Be­wer­tung at­trak­tiv.

Phil­ipp Good, Se­ni­or Port­fo­lio Ma­na­ger bei Fisch As­set Ma­nage­ment, sieht Un­ter­neh­mens­an­lei­hen der Emer­ging Mar­kets auch im lau­fen­den Jahr als «si­che­rer Hort». Das Jahr sei für die­se An­la­ge­klas­se gut an­ge­lau­fen, die Aus­sich­ten blie­ben viel­ver­spre­chend. Un­ter­neh­mens­an­lei­hen in den Schwel­len­län­dern pro­fi­tier­ten von mo­de­ra­ten Zins­rück­gän­gen, Ka­pi­tal­zu­flüs­se sorg­ten für fes­te Prei­se. Auf­fäl­lig ist die Zu­nah­me der Neu­emis­sio­nen. Seit An­fang Jahr sind be­reits rund 25 Mrd. $ be­ge­ben wor­den, im Ge­samt­jahr dürf­ten es 185 Mrd. $ wer­den.

Good rech­net 2012 mit ei­ner ähn­li­chen Rück­zah­lungs­ren­di­te wie im Vor­jahr von 5%. Vor­aus­set­zung sei­en na­tür­lich ei­ni­ger­mas­sen sta­bi­le Märk­te. Anet­te Ei­nel­jung, Head of Swe­dish Fi­xed In­co­me bei

?Z?e?hn­jäh­ri­ge Ren­di­ten Nor­dea, be­trach­tet die Ka­pi­tal­markt­si­tua­ti­on aus nord­eu­ro­päi­scher Sicht: Schwe­den wer­de sei­nen Sta­tus als si­che­rer Ha­fen auch 2012 be­hal­ten. Es ge­be reich­lich Mit­tel­zu­flüs­se aus dem Eu­ro-wäh­rungs­raum. Dar­über hin­aus sei der Markt der schwe­di­schen Staats­an­lei­hen und Co­ve­r­ed Bonds sehr li­qui­de. Die Fonds­ma­na­ge­rin rät für 2012 an­ge­sichts der Un­si­cher­hei­ten in der Eu­ro­zo­ne zu ei­ner eher de­fen­si­ven Po­si­tio­nie­rung. 10 bis 25% ei­nes schwe­di­schen An­lei­hen­port­fo­li­os soll­ten aus län­ger lau­fen­den schwe­di­schen Staats­an­lei­hen be­ste­hen, die aber 2012 nicht mehr ei­ne solch aus­ser­ge­wöhn­li­che Per­for­mance wie 2011 ha­ben dürf­ten. Der Rest soll­te kür­zer in­ves­tiert sein, wo­bei ne­ben Staats­an­lei­hen und Geld­markt­pro­duk­ten Co­ve­r­ed Bonds und nord­eu­ro­päi­sche Un­ter­neh­mens­an­lei­hen gu­ter Qua­li­tät (In­vest­ment Gra­de) in Fra­ge kä­men.

Na­net­te Hech­ler-fayd’her­be, Lei­te­rin des glo­ba­len Finanzmarkt-re­se­arch von Cre­dit Suis­se, emp­fiehlt An­lei­hein­ves­to­ren das Au­gen­merk eher auf die Kre­dit­märk­te zu le­gen statt auf die Du­ra­ti­on.

Bank­an­lei­hen im Kom­men?

Ne­ben Cor­po­ra­tes sei­en auch vor­ran­gi­ge Bank­an­lei­hen op­ti­mis­ti­scher ein­zu­schät­zen, da da­von aus­zu­ge­hen sei, dass der zwei­te Drei­jah­res­ten­der der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) En­de Fe­bru­ar das Kon­tra­hen­ten­ri­si­ko im Fi­nanz­sek­tor min­dern und Bank­an­lei­hen un­ter­stüt­zen wer­de. Hochzinsanleihen bö­ten eben­falls ein at­trak­ti­ves Ri­si­ko-er­trags-pro­fil. Aus Di­ver­si­fi­ka­ti­ons­grün­den könn­te auch ei­ne Po­si­ti­on qua­si­staat­li­cher Emit­ten­ten aus Schwel­len­län­dern auf­ge­baut wer­den.

«Das bil­li­ge Geld treibt die In­ves­to­ren of­fen­kun­dig in al­les, was Ren­di­te ver­spricht», re­sü­miert die Bant­le­on Bank. Chef­öko­nom Harald Preiss­ler rech­net bei deut­schen Bun­des­an­lei­hen nur mit mo­de­rat stei­gen­den Ren­di­ten. Denn die Li­qui­di­täts­schwem­me der EZB wer­de auch den si­che­ren Hä­fen zu­gu­te­kom­men und dürf­te dort ei­nen mas­si­ven Ren­di­te­an­stieg ver­hin­dern. Die Ren­di­te­ab­stän­de zwi­schen kur­zen und lan­gen Lauf­zei­ten soll­ten wach­sen. An den po­si­ti­ven Er­trags­per­spek­ti­ven von Co­ve­r­ed Bonds hält Preiss­ler fest: Güns­ti­ge Re­fi­nan­zie­run­gen soll­ten die Ri­si­ko­prä­mi­en sen­ken. Un­ter­neh­mens- und Hochzinsanleihen soll­ten eben­falls pro­fi­tie­ren. Hier sei­en die gröss­ten Kurs­ge­win­ne bei un­be­si­cher­ten Bank­schuld­ver­schrei­bun­gen zu er­war­ten.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.