Welt­weit im Ein­satz

Finanz und Wirtschaft - - SERIE ASIEN -

8,5 Mio. Fili­pi­nos le­ben im Aus­land, sie sind über den gan­zen Glo­bus ver­streut. Sehr vie­le von ih­nen fah­ren auch zur ho­hen See. Fast 20% der Über­wei­sun­gen an die Hei­mat stamm­ten im Jahr 2010 von phil­ip­pi­ni­schen See­fah­rern auf Frach­tern und Kreuz­fahrt­schif­fen. Das be­lieb­tes­te Zi­el­land der Emi­gran­ten sind die USA – mehr als 40% der Geld­sen­dun­gen wur­den von dort ver­schickt. In Hong­kong ge­hö­ren die Haus­halts­hil­fen und Kin­der­mäd­chen aus den Phil­ip­pi­nen schon lan­ge zum Stadt­bild – be­son­ders am Sonn­tag, wenn die öf­fent­li­chen Plät­ze und Parks mit Mas­sen­pick­nicks der Nan­nies be­legt sind. Auch der Na­he Os­ten – ins­be­son­de­re Sau­di-ara­bi­en und die Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te – sind be­lieb­te Ar­beit­ge­ber. Über 1,3 Mio. Fili­pi­nos ar­bei­ten al­lein in Sau­di-ara­bi­en. Es wä­ren wohl noch mehr ge­wor­den, hät­te das Kö­nig­reich im Ju­li nicht ei­nen Ein­stel­lungs­stopp ver­hängt: Die Phil­ip­pi­nen for­der­ten für ih­re Emi­gran­ten ei­nen Min­dest­lohn von 400 $ mo­nat­lich.

Das Ein­kom­men der da­heim­blei­ben­den Fa­mi­li­en wird durch die Aus­land­über­wei­sun­gen von der wirt­schaft­li­chen Dy­na­mik an­de­rer Län­der ab­hän­gig. Po­li­ti­sche Kri­sen schla­gen sich schnell nie­der. Der ara­bi- sche Früh­ling hat Fili­pi­nos, die in Li­by­en, Bah­rain und Sy­ri­en ein­ge­setzt wur­den, um ih­re Stel­lung ge­bracht. Trotz­dem stei­gen die Trans­fers – der Ein­bruch An­fang 2011 war nicht von Dau­er. Ge­mäss ei­ner Uno-stu­die un­ter­stüt­zen die Über­wei­sun­gen zwar den Kon­sum, aber die In­dus­trie wird nicht pro­duk­ti­ver. Am güns­tigs­ten für die Volks­wirt­schaft wir­ken noch die ver­bes­ser­ten Bil­dungs­chan­cen durch die zu­sätz­li­chen Mit­tel. Doch der Ef­fekt auf das lang­fris­ti­ge Wirt­schafts­wachs­tum ist klein – für nach­hal­ti­gen Fort­schritt braucht es aus­län­di­sche Di­rekt­in­ves­ti­tio­nen und Ex­port­ein­nah­men.

An «mensch­li­chem Ex­port­ma­te­ri­al» für die Welt­wirt­schaft wird es nicht man­geln. Mit ei­nem mitt­le­ren Al­ter von 22 Jah­ren ist die Be­völ­ke­rung der Phil­ip­pi­nen sehr jung und wird ge­mäss Uno-pro­gno­sen trotz hö­he­rem Wohl­stand schnell wei­ter wach­sen. Grund ist die Re­li­gi­on. Die ka­tho­li­sche Kir­che übt ei­nen enor­men Ein­fluss auf Po­li­tik und Ge­sell­schaft. Mass­nah­men zur Ge­bur­ten­kon­trol­le wer­den von der Kir­che ver­ur­teilt. So wird seit mehr als drei Jah­ren über ein Ge­setz zur Fa­mi­li­en­pla­nung durch Auf­klä­rung und Emp­fäng­nis­ver­hü­tung be­ra­ten – doch die Kle­ri­ker lau­fen da­ge­gen Sturm.

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