LTRO ent­spannt trotz Käl­te

ÜBER­SICHT Ei­ni­gung bei den Schul­den­ver­hand­lun­gen in Reich­wei­te

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - PE­TER ROHNER

Gut ein­ein­halb Jah­re nach dem ers­ten Ret­tungs­pa­ket be­wegt Grie­chen­land im­mer noch die Welt­fi­nanz­märk­te. Wäh­rend beim Tref­fen am Wo­che­n­en­de kei­ne Ei­ni­gung über den frei­wil­li­gen Schul­den­schnitt er­zielt wor­den ist und die Bör­sen ver­stimmt re­agier­ten, sorg­te die Mel­dung am Di­ens­tag­nach­mit­tag, wo­nach die Ver­hand­lun­gen kurz vor dem Durch­bruch sei­en, für Kurs­ge­win­ne. Die grie­chi­sche Re­gie­rung und in­ter­na­tio­na­le Gläu­bi­ger ar­bei­ten an ei­ner Ver­ein­ba­rung über Spar- und struk­tu­rel­le Mass­nah­men, da­mit das zwei­te Hilfs­pa­ket aus­ge­zahlt wer­den kann. Der Troi­ka-be­richt könn­te schon am Don­ners­tag fer­tig­ge­stellt sein.

Die Ak­ti­en­märk­te hol­ten die Ver­lus­te vom Mon­tag auf, der Eu­ro Sto­xx 50 schloss un­ver­än­dert, der S&P 500 leg­te seit Frei­tag 0,1% zu, und der Dow Jo­nes In­dus­tri­al no­tier­te drei St­un­den vor Bör­sen­schluss auf dem höchs­ten Stand seit Mai 2008.

Da­mit setzt sich die kräf­ti­ge Ral­ly fort, wel­che die Fi­nanz­sprit­ze (Lon­ger Term Re­fi­nan­cing Ope­ra­ti­on, LTRO) der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) für die eu­ro­päi­schen Ban­ken im De­zem­ber aus­ge­löst hat­te. Die Ren­di­ten zehn­jäh­ri­ger ita­lie­ni­scher Staats­an­lei­hen fie­len wei­ter auf 5,61%, die­je­ni­gen der spa­ni­schen zehn­jäh­ri­gen Bonds blie­ben fast un­ver­än­dert. Die Ent­span­nung am eu­ro­päi­schen An­lei­hen­markt lässt sich auch an den ver­öf­fent­lich­ten Zah­len der EZB zum Auf­kauf von Staats­ein­lei­hen ab­le­sen: Die Zen­tral­bank muss­te in den letz­ten Wo­chen we­ni­ger stark ein­grei­fen und nahm in der Be­richts­wo­che Käu­fe im Um­fang von nur noch 124 Mio. € vor.

Der Eu­ro, der am Mon­tag zum Dol­lar et­was schwä­cher no­tier­te, legt nach Durch­si­ckern der be­vor-

Aus­tra­li­scher Dol­lar ste­hen­den Ei­ni­gung bei den grie­chi­schen Schul­den­ver­hand­lun­gen kräf­tig zu. Die Ein­heits­wäh­rung klet­ter­te zum Dol­lar auf den höchs­ten Stand seit Mitte De­zem­ber und han­del­te am Frei­tag knapp un­ter 1.33 $/€. Der Eu­ro zeig­te sich am Frei­tag auch ge­gen­über dem Fran­ken stär­ker, er stieg von 1,206 auf gut 1,209 Fr./€. Na­tio­nal­bank­prä­si­dent ad in­te­rim Tho­mas Jor­dan hat­te in ei­ner Re­de be­kräf­tigt, die SNB wer­de die Eu­roun­ter­gren­ze mit un­li­mi­tier­ten Mit­teln ver­tei­di­gen.

Wäh­rend die Kon­junk­tur­da­ten aus den USA in den ver­gan­ge­nen Wo­chen auf ei­ne Ver­bes­se­rung der Kon­junk­tur­aus­sich­ten hin­deu­te­ten, zeich­nen eu­ro­päi­sche Da­ten ein eher düs­te­res Bild.

In Deutsch­land ist die In­dus­trie­pro­duk­ti­on im De­zem­ber 2011 über­ra­schend kräf­tig um 2,9% ge­gen­über dem Vor­mo­nat zu­rück­ge­gan­gen. Die Jah­res­ra­te blieb mit 1,3% nur knapp im po­si­ti­ven Be­reich. Auf­fal­lend war das gros­se Mi­nus im Bau­sek­tor trotz mil­der Tem­pe­ra­tu­ren im De­zem­ber.

Der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds (IWF) er­war­tet für Chi­na ein Wachs­tum von nur noch 8,25 statt 9%. Im ver­gan­ge­nen Jahr wuchs das Reich der Mitte noch 9,2%. Grund für die Ab­nah­me sind die ein­ge­trüb­ten Aus­sich­ten der Welt­wirt­schaft. In der zwei­ten Hälf­te die­ses Jah­res soll die Wirt­schaft wie­der et­was an Fahrt ge­win­nen. Als er­folg­reich wer­tet der Wäh­rungs­fonds auch die Mass­nah­men Pe­kings, den Häu­ser­markt ab­zu­küh­len. Das gröss­te Ri­si­ko sei ei­ne Es­ka­la­ti­on der Eu­ro­kri­se.

Da die aus­tra­li­sche Zen­tral­bank ent­ge­gen der Er­war­tung der In­ves­to­ren die Zin­sen nicht wei­ter senk­te, sprang der Wert des Aus­sies zum Dol­lar bin­nen we­ni­ger Mi­nu­ten um 1% auf den höchs­ten Stand seit sechs Mo­na­ten.

Der ja­pa­ni­sche Yen wer­te­te sich zu sämt­li­chen wich­ti­gen Wäh­run­gen leicht ab, nach­dem das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um die De­tails zu den mas­si­ven Wäh­rungs­in­ter­ven­tio­nen der Bank of Ja­pan im ver­gan­ge­nen Herbst be­kannt­ge­ge­ben hat­te.

Die in­ter­na­tio­na­len Roh­stoff­märk­te ten­dier­ten in den ver­gan­ge­nen Ta­gen fes­ter. Die Prei­se von Ener­gie und Agrar­gü­tern stie­gen we­gen der ex­tre­men Käl­te. Roh­öl der eu­ro­päi­schen Sor­te Brent no­tiert 116.57 $, so viel wie zu­letzt im Au­gust. Wei­zen avan­cier­te am Ter­min­markt aus Furcht vor Frost­schä­den in den An­bau­ge­bie­ten bin­nen drei Wo­chen um 25 € auf 220.50 € pro Ton­ne. Gold ten­dier­te am Di­ens­tag er­neut fes­ter, nach­dem es in den Ta­gen zu­vor we­gen Ge­winn­mit­nah­men Ab­ga­ben ver­zeich­net hat­te. Ei­ne Un­ze Gold kos­tet 1735.50 $, das sind 0,1% we­ni­ger als am Frei­tag letz­ter Wo­che.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.