Stroh­feu­er in den Fi­nanz­wer­ten

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Ver­kehr­te Welt: Die Bank­ak­ti­en ha­ben den Ge­samt­markt in den ers­ten sechs Wo­chen die­ses Jah­res über­flü­gelt, ob­schon die Bran­chen­aus­sich­ten mi­se­ra­bel sind. Wie schlecht es um die Ver­dienst­kraft gros­ser Fi­nanz­kon­zer­ne wie Deut­sche Bank, Bar­clays Ca­pi­tal, UBS und Cre­dit Suis­se steht, un­ter­ma­len die jüngs­ten Quar­tals­zah­len ein­drück­lich (vgl. Sei­ten 14 und 15). Auf den ers­ten Blick geht das nicht auf: War­um bloss grei­fen die In­ves­to­ren so be­herzt zu, wo doch of­fen­bar nur schma­le Ge­winn­stei­ge­run­gen lo­cken? Des Rät­sels Lö­sung hat vier Buch­sta­ben: LTRO. So lau­tet das Kür­zel für die Long Term Re­fi­nan­cing Ope­ra­ti­ons, mit de­nen die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) seit De­zem­ber Li­qui­di­tät ins Sys­tem pumpt. In der ers­ten Auk­ti­on kurz vor Weih­nach­ten teil­ten die Wäh­rungs­hü­ter 489 Mrd. € die­ser neu­ar­ti­gen Re­fi­nan­zie­rungs­mit­tel zu – ein Durch­bruch im Kampf ge­gen die Li­qui­di­täts­not der eu­ro­päi­schen Ban­ken. Die nächs­te Ltro-auk­ti­on folgt am 28. Fe­bru­ar, und die «Fi­nan­ci­al Ti­mes» mut­masst, die Ban­ken wür­den gleich dop­pelt so viel be­zie­hen wie beim ers­ten Mal. Fürs Ers­te kann es nicht scha­den, wenn sich die Ban­ken in den Wir­ren der Eu­ro­kri­se mit zu­sätz­li­chen Mit­teln be­stü­cken. Zu den­ken ge­ben soll­te ein an­de­rer Punkt: Ob Bar­clays, Deut­sche Bank, UBS oder CS – sie al­le re­du­zie­ren nach Kräf­ten ih­re ri­si­ko­ge­wich­te­ten Ak­ti­ven, wie es im Fach­jar­gon heisst. Auf die­se Wei­se set­zen sie Ei­gen­mit­tel frei und kön­nen die stren­ger wer­den­den Ka­pi­tal­vor­schrif­ten bes­ser er­fül­len. Dum­mer­wei­se ver­klei­nert sich da­bei das be­schei­de­ne Ge­winn­po­ten­zi­al zu­sätz­lich. Je we­ni­ger Ge­winn, des­to we­ni­ger bleibt für den Ka­pi­tal­auf­bau aus ei­ge­ner Kraft. Zu be­fürch­ten ist, dass die Ban­ken so nie wie­der auf ei­nen grü­nen Zweig kom­men und die Ka­pi­tal­aus­stat­tung (zu) ma­ger bleibt. Die Kurs­a­van­cen der ver­gan­ge­nen Wo­chen len­ken von die­sem Pro­blem ab.

Re­dak­tor zum The­ma zur Hausse im Ban­ken­seg­ment

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