No­bel-ei­g­ner im Re­gen

SCHWEIZ Im­plan­tat­her­stel­ler un­ter Druck – Tie­fe­re Di­vi­den­de

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG - DO­MI­NIK FELDGES

Für die Ak­tio­nä­re des Zahn­im­plan­tat­her­stel­lers No­bel Bio­ca­re gab es am Don­ners­tag ein bö­ses Er­wa­chen. Weil der Kon­zern die durch­schnitt­li­che Um­satz­er­war­tung der Ana­lys­ten leicht und die Ge­winn­pro­gno­se mar­kant ver­fehl­te, tauch­ten die Ak­ti­en am Don­ners­tag al­lein 13,5%. Bis Frei­tag­mit­tag fie­len die Ti­tel auf 10.33 Fr., wo­mit No­bel Bio­ca­re die ge­sam­ten Avan­cen seit Jah­res­be­ginn preis­ga­ben.

Nicht bes­ser er­ging es den Pa­pie­ren des Wett­be­wer­bers St­raumann: Auch hier wur­de der Zäh­ler ge­gen­über An­fang Jahr auf Null zu­rück­ge­stellt.

Nur 2 bis 4% mehr Um­satz

Die wach­sen­de Zahl von po­si­ti­ven Mel­dun­gen zur Us-wirt­schaft hat­te un­ter An­le­gern of­fen­bar die Hoff­nung ge­weckt, dass No­bel Bio­ca­re wie­der stär­ker wach­sen wür­de. Dar­aus wird vor­läu­fig je­doch nichts. Für das lau­fen­de Ge­schäfts­jahr stellt das Ma­na­ge- ment un­ter Richard Lau­be, der im April 2011 Do­me­ni­co Sca­la als Kon­zern­chef er­setz­te, auf Ba­sis kon­stan­ter Wech­sel­kur­se nur 2 bis 4% mehr Um­satz in Aus­sicht.

Der Be­triebs­ge­winn (Ebit) soll auf dem Stand von 2011 (72,1 Mio. €) sta­gnie­ren, was ei­ne leicht tie­fe­re ope­ra­ti­ve Mar­ge um 12% (2011: 12,7%) im­pli­ziert. In­ves­to­ren war­ten be­reits seit 2008 dar­auf, dass das Ge­schäft von No­bel Bio­ca­re wie­der auf Tou­ren kommt. Doch pas­siert ist nichts. Die Ebit-mar­ge hat sich im Ge­gen­teil fort­lau­fend ver­schlech­tert – im Re­kord­jahr 2007 hat­te sie noch 32,5% er­reicht.

Das Pro­blem von No­bel Bio­ca­re ist eben­so wie im Fall von St­raumann (rap­por­tiert am 22. Fe­bru­ar) nicht nur, dass das Ge­schäft mit Zahn­im­plan­ta­ten welt­weit kaum noch wächst. Da­mit Zahn­ärz­te ih­re Pa­ti­en­ten über­haupt noch zu die­ser ge­gen­über her­kömm­li­chen Zahn­er­satz­me­tho­den teu­re­ren Be­hand­lung über­re­den kön­nen, sind sie auf Ra­bat­te der Her­stel­ler an­ge­wie­sen.

In der Zwi­schen­zeit hat der Preis­druck auch die neus­ten Me­tho­den in der di­gi­ta­len Zahn­me­di­zin er­reicht. No­bel Bio­ca­re ge­währ­te 2011 auf Scan­ner-lö­sun­gen Ab­schlä­ge, was – zu­sam­men mit Ein­schrän­kun­gen in der Kun­den­aus­wahl – da­zu führ­te, dass der Um­satz der Pro­the­tik­spar­te No­belpro­ce­ra im Ver­gleich zum Vor­jahr um 9% ein­brach.

Licht­blick Us-markt

Im Kern­ge­schäft Im­plan­ta­te, das 2011 über 80% zum Kon­zern­um­satz von 569,1 (im Vor­jahr 576,6) Mio. € bei­trug, fie­len 1% hö­he­re Ein­nah­men an. Der Zu­wachs war je­doch aus­schliess­lich dem Us-ge­schäft zu ver­dan­ken. Ge­mäss Fi­nanz­chef Dirk Kirs­ten ex­pan­dier­te es im Im­plan­tat­be­reich mehr als 10%. Ins­ge­samt wuchs das Nord­ame­ri­ka­ge­schäft 2011 um 7,6%, wäh­rend der Um­satz in der wich­tigs­ten Ver­kaufs­re­gi­on Eu­ro­pa vor al­lem we­gen des für No­bel Bio­ca­re be­deut­sa­men Spa­ni­en­ge­schäfts, aber auch rück­läu­fi­ger Ein­nah­men in Frank­reich und des ver­lang­sam­ten Wachs­tums in Ita­li­en 5% auf 236,5 Mio. € fiel. In Asi­en blieb we­gen rück­läu­fi­ger Ver­käu­fe in Ja­pan eben­falls rund 5% we­ni­ger Um­satz üb­rig.

CEO Richard Lau­be be­müh­te sich an der Me­di­en- und Ana­lys­ten­kon­fe­renz sicht­lich, die Er­war­tun­gen an No­bel Bio­ca­re her­un­ter­zu­schrau­ben. Bis­her ist er be­hut­sam zu Werk ge­gan­gen und hat kei­ne grös­se­ren Ein­spa­run­gen an­ge­ord­net (vgl. ne­ben­ste­hen­des In­ter­view).

Sein Zu­ge­ständ­nis, im Fall wei­ter­hin sta­gnie­ren­der Um­sät­ze stär­ker an der Kos­ten­schrau­be zu dre­hen, nützt den An­le­gern nichts. Sie wol­len mehr Wachs­tum se­hen, das sich an­ge­sichts des zu­neh­mend un­güns­ti­gen Markt­um­felds in Eu­ro­pa und des erst be­schei­de­nen Schwel­len­markt­ge­schäfts aber wohl noch län­ger nicht ein­stel­len wird. No­bel Bio­ca­re lässt die Ak­tio­nä­re im Re­gen ste­hen, die sich – zu al­lem Übel – auch noch mit ei­ner kräf­ti­gen Di­vi­den­den­kür­zung von 0.35 auf 0.15 Fr. pro Ti­tel ab­fin­den müs­sen.

Der ehe­ma­li­ge Nest­lé-ma­na­ger, Richard Lau­be, führt seit gut ei­nem Jahr die Ge­schäf­te von Zahn­im­plan­tat­her­stel­le­rin No­bel Bio­ca­re.

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