Wo Syn­gen­ta noch wach­sen kann

SCHWEIZ Hö­he­re Men­gen und Prei­se füh­ren zu Re­kor­d­re­sul­tat – 2012 hat gut be­gon­nen – Ak­ti­en die Treue hal­ten

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - ANDRE­AS MEI­ER

Der Pes­ti­zid- und Saat­gut­her­stel­ler Syn­gen­ta hat 2011, wie es CEO Mi­ke Mack an­läss­lich der Me­di­en­kon­fe­renz vom Mitt­woch aus­drück­te, «a ter­ri­fic ye­ar», ein un­ge­heu­er gu­tes Jahr, er­lebt. Der Um­satz ist in Dol­lar, der Rech­nungs­wäh­rung von Syn­gen­ta, 14% auf 13,3 Mrd. $ ge­stie­gen. Wäh­rungs­be­rei­nigt be­trug der Zu­wachs 12%. Der Be­triebs­ge­winn stieg eben­falls rund 14% (vor Re­struk­tu­rie­rungs­kos­ten +17%; vgl. Un­ter­neh­mens­zah­len). Ge­tra­gen war die Re­sul­tats­ver­bes­se­rung von ei­nem sehr güns­ti­gen Markt­um­feld. Die auf ho­hem Ni­veau sta­bi­len Prei­se für Mais, So­ja, Raps und Wei­zen hiel­ten die In­ves­ti­ti­ons­be­reit­schaft der Bau­ern hoch. Zu­dem wächst vor al­lem Süd­ame­ri­ka be­son­ders stark, weil dort die In­dus­tria­li­sie­rung der Land­wirt­schaft schnell vor­an­geht. Syn­gen­ta hat dort 2011 erst­mals mit 3305 Mio. $ mehr Um­satz ge­ne­riert als in Nord­ame­ri­ka (3269 Mio. $). Das Wachs­tum im Sü­den des ame­ri­ka­ni­schen Kon­ti­nents war mit 19% (wäh­rungs­be­rei­nigt) fast dop­pelt so hoch wie im Nor­den.

Fort­schrit­te wur­den auch im Saat­gut­be­reich er­zielt. Hier zah­len sich die In­ves- ti­tio­nen der letz­ten Jah­re in gen­ver­än­der­te Sor­ten aus. Nach­dem noch 2007 im Saat­ge­schäft bloss ei­ne Ebitda-mar­ge von 5% re­sul­tier­te, wa­ren es 2011 17%. Und der Um­satz ist seit­her um 50% auf über 3 Mrd. $ ge­stie­gen. Im letz­ten Jahr be­trug der Zu­wachs wäh­rungs­be­rei­nigt 12%, gleich viel wie im Pflan­zen­schutz­be­reich.

Fran­ken­ge­winn sinkt leicht

Die gu­ten Markt­be­din­gun­gen lies­sen Preis­er­hö­hun­gen von 1% im Pflan­zen­schutz- und 3% im Saat­gut­ge­schäft zu – al­ler­dings erst im zwei­ten Halb­jahr. Zur Jah­res­mit­te mel­de­te Syn­gen­ta, je­den­falls im Pflan­zen­schutz­ge­schäft, noch Preis­druck. Fer­ner konn­te aus dem lau­fen­den Kos­ten­sen­kungs­pro­gramm 112 Mio. $ an Ein­spa­run­gen er­zielt wer­den; die­se fe­der­ten den ne­ga­ti­ven Ein­fluss des Fran­kens et­was ab. Der Fran­ken spielt in der Kos­ten­rech­nung für Syn­gen­ta durch­aus ei­ne Rol­le, denn das gröss­te Pro­duk­ti­ons­werk des Kon­zerns steht in Mon­they/vs, und in St­ein, un­weit Ba­sel, wird ein For­schungs­zen­trum un­ter­hal­ten.

Die Fran­ken­stär­ke ver­wan­delt das statt­lich an­mu­ten­de Ge­winn­plus von 14% in Dol­lar in ein leich­tes Mi­nus. Um­ge­legt auf Wer­te pro Ak­tie re­sul­tiert ein Ge­winn­rück­gang von knapp 2% auf 15.32 Fr. (vgl. Ak­ti­en­sta­tis­tik). Den­noch will Syn­gen­ta ei­ne um 1 Fr. er­höh­te Di­vi­den­de von 8 Fr. aus­zah­len. Und auch nächs­tes Jahr dürf­te die Aus­schüt­tung noch­mals stei­gen, wie Mack an­deu­te­te: «Das Ge­schäft ent­wi­ckelt sich ro­bust und wir ge­hen da­von aus, dass wir die Prei­se noch­mals um 2 bis 3% er­hö­hen kön­nen.» Zu­dem stün­den für 2012 rund 180 Mio. $ an wei­te­ren Ein­spa­run­gen auf dem Plan.

Doch län­ger­fris­tig wird auch Syn­gen­ta wie­der in Markt­be­din­gun­gen be­ste­hen müs­sen, die we­ni­ger fa­vor­a­bel sind. Zu­dem wird der Kon­kur­renz­kampf un­ter der Hand­voll gros­ser An­bie­ter an In­ten­si­tät ge­win­nen, wenn der Ge­samt­markt der­einst mal wie­der sta­gnie­ren oder gar schrump­fen soll­te. Dass Syn­gen­ta in Nord­ame­ri­ka be­reits ver­gleichs­wei­se be­schei­de­ne Zu­wäch­se auf­weist (+11%), ist teils auf das sehr kom­pe­ti­ti­ve Um­feld zu­rück­zu­füh­ren – dort sind die bei­den här­tes­ten Kon­kur­ren­ten, Monsan­to und die DuPont-toch­ter Pioneer, be­hei­ma­tet, die zu­dem in Sa­chen Gen­tech­no­lo­gie et­was wei­ter sind als Syn­gen­ta.

Nach den Pro­gno­sen von Mack soll Syn­gen­tas Um­satz von jetzt 12,4 Mrd. $ bis «nach» 2015 auf über 22 Mrd. $ stei­gen. Da­bei will Syn­gen­ta Jahr für Jahr 0,5%-Punk­te Markt­an­teil ge­win­nen (was 2011 ge­lun­gen sein soll). Be­son­ders gu­te Wachs­tums­chan­cen sieht der Bas­ler Kon­zern in Spe­zi­al­kul­tu­ren wie Zu­cker­rohr oder Reis, die heu­te erst sehr we­nig zum Um­satz bei­tra­gen.

In­dus­tria­li­siert op­ti­mie­ren

Da­bei soll die vor Jah­res­frist ge­star­te­te stär­ke­re Ver­zah­nung der Pflan­zen­schutz­mit den Saat­gut­ge­schäf­ten bei­tra­gen. Saat­gut und Spritz­mit­tel sol­len auf­ein­an­der ab­ge­stimmt als so­ge­nann­te in­te­grier­te Pa­ke­tlö­sun­gen an­ge­bo­ten wer­den, was den Land­wir­ten op­ti­mier­te Ern­te­er­trä­ge be­sche­ren soll. Nach­dem in Süd­ame­ri­ka die in­dus­tri­el­le Land­wirt­schaft auf Hoch­tou­ren läuft, bahnt sich ei­ne ähn­li­che Ent­wick­lung auch in Ost­eu­ro­pa, Russ­land und der Ukrai­ne an. 2011 hat der Um­satz mit in­te­grier­ten An­ge­bo­ten in den GUSStaa­ten um 55% zu­ge­nom­men. In Asi­en dürf­te die­se Ent­wick­lung in den kom­men­den Jah­ren eben­falls ein­set­zen.

Dem Ak­tio­när bie­ten sich folg­lich ge­nü­gend güns­ti­ge Per­spek­ti­ven, den Syn­gen­ta-ti­teln wei­ter­hin treu zu blei­ben.

Der An­bau von Zu­cker­rohr ist noch im­mer sehr ar­beits­in­ten­siv. Doch das än­dert: Syn­gen­ta et­wa bie­tet seit kur­zem Sys­te­me zur ma­schi­nel­len Pflan­zung von Zu­cker­rohr-steck­lin­gen an.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.