Die Füh­rung von Daim­ler bleibt zu­ver­sicht­lich

DEUTSCH­LAND Ab­satz und Um­satz sol­len 2012 wei­ter stei­gen – Be­triebs­ge­winn auf Re­kord­ni­veau von 2011 er­war­tet – Das Lkw-ge­schäft läuft wei­ter­hin gut

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - CHRIS­TI­AN BRAUN

Nichts scheint der­zeit die deut­schen Her­stel­ler von Pre­mi­um­au­to­mo­bi­len von der Stras­se des Er­folgs ab­brin­gen zu kön­nen. Egal ob Mer­ce­des-benz, BMW oder Au­di: Je­der von ih­nen ist mit un­ge­bro­che­nem Schwung ins neue Jahr ge­star­tet und hat den je­weils bes­ten Ja­nu­arab­satz al­ler Zei­ten ge­mel­det. Un­ter die­sen Vor­aus­set­zun­gen sind für die Ge­schäfts­ab­schlüs­se des Jah­res 2011 kei­ne Ent­täu­schun­gen zu er­war­ten. Das vom Mer­ce­des-mut­ter­kon­zern Daim­ler am Don­ners­tag prä­sen­tier­te Zah­len­werk ist ein ers­ter Be­leg da­für.

Ins­ge­heim hö­he­res Ziel

Das Un­ter­neh­men hat in sei­nem Ju­bi­lä­ums­jahr – «125 Jah­re Er­fin­der des Au­to­mo­bils» wur­den ge­fei­ert – auf brei­ter Front Re­kor­de ein­ge­fah­ren und die Er­war­tun­gen von Ana­lys­ten er­füllt oder über­trof­fen. Nie ist ein hö­he­rer Be­triebs­ge­winn (Ebit) er­zielt – im fort­ge­führ­ten Ge­schäft zog er 24% auf 8,98 Mrd. € an – und nie ein hö­he­rer Ge­winn ver­mel­det wor­den (vgl. Kenn­zah­len). Klam­mert man die Chrys­ler-epi­so­de aus, wur­den auch in Ab­satz und Um­satz Best­wer­te rea­li­siert. Im Ge­schäfts­jahr 2012 will Daim­ler die er­reich­ten Ni­veaus min­des­tens ver­tei­di­gen.

CEO Die­ter Zet­sche geht da­von aus, dass der Ab­satz 2012 wei­ter deut­lich stei­gen wird. Auch für den Um­satz stellt er ei­ne nicht nä­her quan­ti­fi­zier­te Zu­nah­me in Aus­sicht. Mehr Vor­sicht legt er aber in der Ebit-pro­gno­se an den Tag: Im fort­ge­führ­ten Ge­schäft soll sich der Be­triebs­ge­winn in der Grös­sen­ord­nung von 2011 be­we­gen. Der Blick auf die Er­war­tun­gen für die Seg­men­te nährt in­des den Ver­dacht, dass sich Daim­ler ins­ge­heim mehr er­hofft. Für Mer­ce­des-benz Cars steht das EbitZiel auf Vor­jah­res­ni­veau, doch für Daim­ler Trucks, Mer­ce­des-benz Vans und Daim­ler Bu­ses wird min­des­tens das Vor­jah­res­ni­veau an­ge­strebt; ein­zig das Fi­nan­zie­rungs­ge­schäft soll leicht nach­ge­ben.

Manch ein Ana­lyst sieht auf­grund der Kon­zern­pro­gno­se – und ih­rer Un­ter­maue­rung durch ei­nen über Er­war­ten ho­hen Di­vi­den­den­vor­schlag – für sei­ne Schät­zun­gen ei­nen Ad­jus­tie­rungs­be­darf nach oben. Doch es gibt auch kri­ti­sche Stim­men: «Ich ver­ste­he nicht, war­um sich das Ma­nage­ment so weit aus dem Fens­ter lehnt; da­mit hat es sein Pul­ver für die­ses Jahr sehr früh ver­schos­sen», lässt sich et­wa Arndt El­ling­horst von Cre­dit Suis­se durch Reu­ters zi­tie­ren. Cre­dit Suis­se er­war­tet für Daim­ler ei­nen Ebit von 8,3 Mrd. €.

Der Vor­stand von Daim­ler ist nicht be­kannt für ziel­ge­naue Pro­gno­sen. Ihm ist aber zu­gu­te­zu­hal­ten, dass er sich nicht da­vor scheut, über­haupt ei­ne Vor­her­sa­ge zu ma­chen; im heu­ti­gen Um­feld braucht das je nach Sicht­wei­se Mut oder Wa­ge­mut. Ei­ne wei­te­re Ver­schlech­te­rung der welt­wirt­schaft­li­chen La­ge ist leicht vor­stell­bar; Vor­sicht kann des­halb nicht scha­den. Doch mit den mo­men­ta­nen Licht­bli­cken der Us-wirt­schaft wir­ken die Er­war­tun­gen des Kon­zerns nicht un­rea­lis­tisch.

Wenn das Au­to­ge­schäft von Mer­ce­des­Benz in Chi­na und in den USA wei­ter an­spre­chend läuft, ist ein Dämp­fer in Eu­ro­pa

Die Seg­men­te im Über­blick ver­kraft­bar. Auch für das Lkw-ge­schäft sieht es dank der gu­ten Ver­an­ke­rung in Nord­ame­ri­ka und Ja­pan, wo wei­te­res re­spek­ti­ve neu­es Wachs­tum er­war­tet wird, gar nicht so schlecht aus. Wie gut es Daim­ler Trucks der­zeit läuft, zeigt der Auf­trags­ein­gang im vier­ten Quar­tal. Er nahm 13% zu, wäh­rend Vol­vo Truck (–7%) und vor al­lem Sca­nia (–27%) un­ter Vor­jahr ge­blie­ben sind (vgl. FUW vom 4. Fe­bru­ar).

Bei­fall an der Bör­se

An der Bör­se ka­men die Aus­füh­run­gen der Daim­ler-spit­ze dank der zu­ver­sicht­li­chen Pro­gno­sen gut an: Die Ak­ti­en ge­wan­nen am Don­ners­tag 4,6% auf 46.68 € (Dax: +0,6%). In ih­rem Schlepp­tau rück­ten auch BMW 3,7% vor. Zu Kur­sen um 47 € sind Daim­ler im his­to­ri­schen Ver­gleich im­mer noch an­ge­mes­sen, wenn auch nicht mehr übe­r­aus vor­teil­haft be­wer­tet; im Kon­kur­renz­ver­gleich fal­len sie we­der nach oben noch nach un­ten aus dem Rah­men.

Nach dem ho­hen Kurs­ge­winn seit Jah­res­be­ginn (vgl. Chart) und ein­ge­denk des Um­stan­des, dass die un­si­che­re Kon­junk­tur­la­ge ei­ne ent­spre­chen­de Ri­si­ko­prä­mie ver­langt, sind die gut ren­tie­ren­den Di­vi­den­den­pa­pie­re zwar nicht aus­ge­reizt, be­we­gen sich aber auf Sphä­ren zu, in de­nen die Luft zu­neh­mend dünn wird.

Daim­ler

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