Ems-che­mie weiss zu be­ein­dru­cken

SCHWEIZ Trotz Wäh­rungs­be­las­tung Best­wer­te in Um­satz und Er­geb­nis – Er­reich­te Ni­veaus sol­len 2012 ver­tei­digt wer­den – He­te­ro­ge­nes Markt­um­feld er­war­tet

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - CHRIS­TI­AN BRAUN

Mehr als be­acht­lich hat sich Ems-che­mie im an­spruchs­vol­len Jahr 2011 ge­schla­gen. Al­lein nach­tei­li­ge Wäh­rungs­ef­fek­te ha­ben den Be­triebs­ge­winn (Ebit) um 60 Mio. Fr. be­ein­träch­tigt; rech­net man die Be­las­tung durch hö­he­re Roh­stoff­kos­ten von 99 Mio. Fr. da­zu, sind be­reits 56% des Ebit von 2010 weg­ra­diert. Und den­noch hat der Her­stel­ler von Spe­zi­al­kunst­stof­fen im Be­richts­jahr ei­nen Ebit er­wirt­schaf­tet, der 4% hö­her ist als im Vor­jahr, wie Un­ter­neh­mens­che­fin Mag­da­le­na Mar­tul­lo an der Bi­lanz­me­di­en­kon­fe­renz vom Frei­tag dar­leg­te. In lo­ka­len Wäh­run­gen nahm er so­gar 26% zu; der glei­cher­mas­sen wäh­rungs­be­rei­nig­te Um­satz wuchs 16%.

Die gros­se Dis­kre­panz zu den Wachs­tums­ra­ten auf Fran­ken­ba­sis (vgl. Un­ter­neh­mens­zah­len) hat we­sent­lich mit der Pro­duk­ti­ons- und Ab­satz­struk­tur zu tun. So ver­kauft das Un­ter­neh­men nur 5% sei­ner Er­zeug­nis­se in der Schweiz, er­zielt aber knapp 51% sei­nes Um­sat­zes mit Pro­duk­ten aus in­län­di­scher Fer­ti­gung. Das ho­he Um­satz­wachs­tum in lo­ka­len Wäh­run­gen zeigt, wie Ems-che­mie den ne­ga­ti­ven Ein­fluss der Wech­sel­kur­se und vor al­lem der Roh­stoff­prei­se kom­pen­siert hat: über hö­he­re Prei­se und grös­se­re Men­gen. Preis­er­hö­hun­gen ha­ben 135 Mio. Fr. zum Ebit bei­ge­tra­gen, grös­se­re Men­gen und der Men­gen­mix 44 Mio. Fr.

«Für Prei­se zu­ver­sicht­lich»

Die Preis­stei­ge­run­gen zei­gen, dass Ems ei­nem ver­gleichs­wei­se ge­rin­gen Preis­druck un­ter­liegt. Das gilt vor al­lem für den grös­se­ren der bei­den Be­rei­che, Hoch­leis­tungs­po­ly­me­re (bis­her: Po­ly­me­re Werk­stof­fe). Er hat das Jahr 2011 denn auch mit mehr Um­satz (+6%, wäh­rungs­be­rei­nigt: +18%) und 9% mehr Ebit ab­ge­schlos­sen. Der Be­reich Spe­zi­al­che­mi­ka­li­en (bis­her: Fein­che­mi­ka­li­en/en­gi­nee­ring) hat die Prei­se zwar auch an­he­ben kön­nen, doch ist es ihm nicht ganz ge­lun­gen, al­le Be­las­tun­gen zu kom­pen­sie­ren, mit der Fol­ge dass Um­satz (–4%, be­rei­nigt: +6%) und Ebit (–13%) mehr un­ter Druck ka­men. Ins­ge­samt meint die Ems-che­fin aber: «Für die Prei­se sind wir zu­ver­sicht­lich.»

Zu­ver­sicht wahrt Mag­da­le­na Mar­tul­lo auch im Aus­blick, al­ler­dings nur ver­hal­te­ne und kei­nes­wegs un­ein­ge­schränk­te. Für die Leis­tung des Un­ter­neh­mens im lau­fen­den Jahr pro­gnos­ti­ziert sie auf an­spruchs­vol­ler Fran­ken­ba­sis ei­nen Um­satz und ei­nen Be­triebs­ge­winn (Ebit) auf dem ho­hen Vor­jah­res­ni­veau. Die Vor­her­sa­ge stützt sich auf die Er­war­tung ei­nes he­te­ro­ge­nen Markt­um­felds. Die USA könn­ten sich wirt­schaft­lich gut ent­wi­ckeln, und sie glau­be auch an Asi­en und Chi­na, meint die Un­ter­neh­mens­füh­re­rin.

Für We­st­eu­ro­pa malt sie da­ge­gen ein düs­te­res Bild: Aus­ser für Deutsch­land und die eben­falls ex­port­ori­en­tier­ten skan­di­na­vi­schen Län­der sei sie sehr, sehr skep­tisch. Für den west­eu­ro­päi­schen Au­to­markt er­war­tet sie für 2012 ei­nen Ab­satz­rück­gang im zwei­stel­li­gen Pro­zent­be­reich. Die Au­to­mo­bil­in­dus­trie steu­er­te im ver­gan­ge­nen Jahr 56% (i. V. 54) zum Um­satz der Ems-grup­pe bei, wo­bei vor al­lem Spe­zi­al­kunst­stof­fe – auch für Me­tal­ler­satz­an­wen­dun­gen – nach­ge­fragt wur­den.

Im lau­fen­den Jahr wer­de das Markt­um­feld aber auch durch stei­gen­de Ener­gie­kos­ten und Roh­stoff­prei­se ge­prägt sein – und durch das, was Mag­da­le­na Mar­tul­lo als «Do­mi­nanz der Po­li­tik» be­zeich­net. Von ihr gin­gen Un­si­cher­heit und In­sta­bi­li­tät aus, kurz: be­trächt­li­che Ri­si­ken.

Gross­zü­gi­ge Aus­schüt­tung

Ein zu­ver­sicht­li­ches Si­gnal, wenn auch nur für die ei­ge­nen Aus­sich­ten, setzt Ems-che­mie mit der Er­hö­hung der or­dent­li­chen Di­vi­den­de für 2011: Sie wird von 6.50 im Vor­jahr auf 7 Fr. er­höht. Mit ei­nem Li­qui­di­täts­pols­ter von mehr als 400 Mio. Fr. im Rü­cken – ei­nem Vier­tel der Bi­lanz­sum­me – braucht sich das Un­ter­neh­men da­für zwar nicht über­mäs­sig zu stre­cken. Den­noch er­rech­net sich dar­aus ei­ne be­acht­li­che Aus­schüt­tungs­quo­te (Pay-out Ra­tio), und auch die Di­vi­den­den­ren­di­te von gut 4% darf sich se­hen las­sen.

Ak­tio­nä­re wis­sen zu­dem, dass sie im­mer mal wie­der mit ei­ner Son­der­aus­schüt­tung rech­nen dür­fen. «Nicht in die­sem Jahr», winkt Mag­da­le­na Mar­tul­lo auf An­fra­ge hin ab, «spä­ter vi­el­leicht aber schon wie­der ein­mal.» Sie hat al­so durch­aus Grün­de, wenn sie sagt: «Ems-ak­tio­nä­re sind glück­li­che Ak­tio­nä­re.» Auch der Blick auf die Kurs­ent­wick­lung stützt die­se Ein­schät­zung. Güns­tig sind die Ak­ti­en al­ler­dings nicht: Die gän­gi­gen Kenn­zah­len zur Be­wer­tung zei­gen ein Ni­veau, das mit Blick auf die ab­seh­ba­re Um­satz- und Er­geb­nis­ent­wick­lung vo­r­erst we­nig Spiel­raum nach oben lässt. Un­ter Aus­schüt­tungs­ge­sichts­punk­ten sind die Ti­tel aber un­ver­än­dert at­trak­tiv und ver­die­nen von ih­ren Ei­g­nern Treue. Ems-che­mie N Ems-che­mie N

«Wir sind vor­be­rei­tet, falls es schlech­ter kommt als er­war­tet», sagt Mag­da­le­na Mar­tul­lo.

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