Ir­ri­tie­ren­de Aus­sa­gen aus der Bran­che

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - CB

Die che­mi­sche In­dus­trie zeich­net sich seit ei­ni­gen Jah­ren durch ein or­dent­li­ches Mass an Dis­zi­plin aus. Die Ka­pa­zi­tät ist mit Be­dacht aus­ge­baut und die Pro­duk­ti­on je­weils rasch an Nach­fra­ge­schwan­kun­gen an­ge­passt wor­den; bei­des mit dem Ziel, ein Über­an­ge­bot zu ver­mei­den. Da­mit zu­sam­men­hän­gend war auch die Preis­dis­zi­plin hö­her als noch vor we­ni­gen Jah­ren, be­son­ders in der Spe­zi­al­che­mie.

In jüngs­ter Zeit sind nun aber un­ter dem Stich­wort Preis­dis­zi­plin aus der Bran­che teils ir­ri­tie­ren­de Aus­sa­gen zu ver­neh­men. So hat der Us-rie­se Dow Che­mi­cal auf den Nach­fra­ge­rück­gang im vier­ten Quar­tal nicht nur mit Ka­pa­zi­täts­kür­zun­gen ge­ant­wor­tet, son­dern auch di­ver­se Pro­duk­te ag­gres­siv ra­bat­tiert. Be­trof­fen sind vor al­lem die Ar­beits­fel­der Elek­tro­nik, Plas­tik und Far­ben/ Be­schich­tun­gen. CEO And­rew Li­ve­ris mach­te am Ran­de der Zah­len­prä­sen­ta­ti­on vom 2. Fe­bru­ar ge­gen­über Reu­ters kei­nen Hehl dar­aus: «Wir ha­ben schnell ein­ge­grif­fen und be­gon­nen, den Ab­satz an­zu­kur­beln, wo­bei wir un­se­re Preis­dis­zi­plin im Prin­zip auf­ge­ge­ben ha­ben.»

Ähn­lich hat­te es we­ni­ge Ta­ge zu­vor von Wa­cker Che­mie ge­klun­gen, und zwar mit Blick auf das Ge­schäft mit Po­ly­si­li­ci­um für die So­lar- und Elek­tro­nik­in­dus­trie: «Wir sind in ei­nem har­ten Wett­be­werb und brau­chen Kun­den, die un­ser Po­ly­si­li­ci­um kau­fen. Wir ha­ben da­her un­se­re Prei­se durch Mehr­lie­fe­run­gen an­ge­passt», wird Fi­nanz­chef Rau­hut von Reu­ters zi­tiert. «Das be­deu­tet für un­se­re Kun­den bes­se­re Prei­se, auch nied­ri­ge­re Prei­se, und für uns nied­ri­ge­re Mar­gen.»

Sind das nun ers­te Vor­bo­ten ei­ner in der ge­sam­ten Bran­che ero­die­ren­den Preis­dis­zi­plin? Nicht zwin­gend, auch wenn ei­ni­ges da- rauf hin­deu­tet, dass das Markt­um­feld här­ter wird. Die Krux scheint sich bis­her auf ein­zel­ne pro­ble­ma­ti­sche Ge­bie­te zu be­gren­zen und vor al­lem Mas­sen­wa­re zu be­tref­fen, die dem ein­zel­nen An­bie­ter we­nig Dif­fe­ren­zie­rungs­mög­lich­kei­ten bie­tet.

Im Um­kehr­schluss be­deu­tet das: Pro­duk­te und Sys­tem­lö­sun­gen, die Kun­den kla­re Vor­tei­le bie­ten und ein Markt­be­dürf­nis be­die­nen, sind we­ni­ger ge­fähr­det – und mit ih­nen auch ih­re Her­stel­ler; Ems-che­mie ist da­für ein Bei­spiel, ein an­de­res ist Lan­xess. Vor­aus­set­zung ist al­ler­dings, dass die Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tät schnell und fle­xi­bel an­ge­passt wer­den kann. All das än­dert aber nichts dar­an, dass die Preis­ent­wick­lung in der Che­mie im Au­ge zu be­hal­ten ist. Die kom­men­den Jah­res­ab­schlüs­se bie­ten da­zu ei­ne Ge­le­gen­heit; das Zah­len­werk 2011 von Cla­ri­ant folgt am 15. Fe­bru­ar.

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