Die Post-pc-ära ist an­ge­bro­chen

Smart­pho­nes und Ta­blets set­zen den Com­pu­ter­markt un­ter Druck – Pc-wachs­tums­ra­ten neh­men kon­ti­nu­ier­lich ab – Mo­bi­li­tät ist wei­ter­hin ge­fragt – Auch die un­zäh­li­gen Zu­lie­fe­rer sind ge­for­dert

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - FRANK HEINIGER

Es gibt ei­nen Welt­markt für vi­el­leicht fünf Com­pu­ter», soll Tho­mas J.wat­son 1943 ge­sagt ha­ben. Nie hät­te sich der da­ma­li­ge IBM-CHEF er­träumt, dass sich mit Rech­nern ein­mal ein Jah­res­um­satz von 250 Mrd. $ er­zie­len lässt. Von frü­he­ren Boom­pha­sen ist die Pc-in­dus­trie al­ler­dings weit ent­fernt: Wäh­rend der Ab­satz zwi­schen 1995 und 2000 um fast 20% pro Jahr zu­leg­te, hat sich das Wachs­tum seit­her ste­tig ab­ge­schwächt (vgl. Gra­fik 1). Die Post-pc-ära ist an­ge­bro­chen.

Die Schwä­che ist der Kon­kur­renz aus an­gren­zen­den Spar­ten zu­zu­schrei­ben. Mo­bil­te­le­fo­ne (Smart­pho­nes) wer­den im­mer leis­tungs­fä­hi­ger. Häu­fig rei­chen sie für all­täg­li­che Auf­ga­ben wie Sur­fen im In­ter­net aus. Auch die Ta­blets ha­ben sich nach an­fäng­li­cher Skep­sis ei­nen re­spek­ta­blen Platz im Markt ge­si­chert. Die neu­en Platt­for­men ha­ben bin­nen kur­zer Zeit ei­ne sol­che Po­pu­la­ri­tät er­langt, dass sie hin­sicht­lich Stück­zah­len bald an den PC vor­bei­zie­hen dürf­ten (vgl. Gra­fik 2).

Das heisst frei­lich nicht, dass tra­di­tio­nel­le Com­pu­ter von der Bild­flä­che ver­schwin­den. Viel eher dürf­ten sie ih­ren Sta­tus als Mul­ti­funk­ti­ons­ge­rä­te ver­lie­ren. Die Post-pc-ära ist des­halb nicht als Un­ter­gang zu ver­ste­hen, son­dern als En­de der bis­he­ri­gen Wachs­tums­ge­schich­te.

Deut­lich sicht­bar ist der Trend zur Mo­bi­li­tät. Die Ver­kaufs­zah­len von Note­books stei­gen wei­ter­hin an, wäh­rend die Desk­tops sta­gnie­ren (vgl. Gra­fik 3). Stück­wachs­tum be­deu­tet al­ler­dings nicht Um­satz­wachs­tum: Der un­barm­her­zi­ge Kon­kur­renz­kampf drückt auf die Prei­se. Die Mar­ken­kon­zer­ne müs­sen sich des­halb in den kom­men­den Jah­ren auf sin­ken­de Ein­nah­men ge­fasst ma­chen (vgl. Gra­fik 4).

Mit die­ser neu­en Rea­li­tät se­hen sich auch die di­ver­sen Zu­lie­fe­rer kon­fron­tiert. Nicht in je­dem Seg­ment sind die Rah­men­be­din­gun­gen al­ler­dings gleich trist – was zur Fol­ge hat, dass in der Pc-in­dus­trie durch­aus at­trak­ti­ve An­la­ge­mög­lich­kei­ten zu fin­den sind (vgl. Text rechts).

In­tel hält AMD auf Dis­tanz

Zen­tra­les – und häu­fig teu­ers­tes – Ele­ment je­des PC bleibt sein Mi­kro­pro­zes­sor. Seit Jah­ren wird das Ge­schäft von In­tel do­mi­niert, de­ren Markt­an­teil um 80% pen­delt. Kon­kur­rent AMD (Ad­van­ced Mi­cro De­vices) hat es bis­lang kaum ge­schafft, den Markt­füh­rer in Be­dräng­nis zu brin­gen. Im Ge­gen­teil: Der Um­bruch und die lan­ge Su­che nach ei­nem neu­en CEO ha­ben die Num­mer zwei ten­den­zi­ell ge­schwächt.

In­tel nutzt sei­ne Ska­len­vor­tei­le und treibt den tech­no­lo­gi­schen Fort­schritt vor­an. Im Früh­ling dürf­ten erst­mals Pro­zes­so­ren auf den Markt kom­men, die ei­ne Struk­tur­grös­se von 22 statt wie bis­her 32 Na­no­me­ter (nm) auf­wei­sen – mit vor­teil­haf­tem Ef­fekt auf den Platz- und Strom- ver­brauch. In­tel setzt gros­se Hoff­nun­gen auf die neue Ge­rä­te­ka­te­go­rie der Ul­tra­books, die ein dün­nes, leich­tes Ge­häu­se mit re­spek­ta­bler Re­chen­leis­tung kom­bi­nie­ren. Die It-pu­bli­ka­ti­on «Di­gi­ti­mes» schätzt, dass im Jah­res­ver­lauf rund hun­dert Mo­del­le al­ler nam­haf­ter Her­stel­ler auf den Markt kom­men wer­den.

Ge­fahr für In­tel geht von AMD kaum aus. Mehr Sor­gen dürf­te dem Gi­gan­ten be­rei­ten, dass Com­pu­ting im­mer häu­fi­ger über Smart­pho­nes und Ta­blets ge­schieht. In den meis­ten die­ser Ge­rä­te kom­men Pro­zes­so­ren von Qual­comm, Nvi­dia oder Te­xas In­stru­ments zum Ein­satz. Sie bau­en nicht auf die x86-ar­chi­tek­tur von In­tel, son­dern nut­zen das im Mo­bil­funk ver­wur­zel­te Chip­de­sign der bri­ti­schen Arm Hol­dings. In­tel hat sei­ne Be­mü­hun­gen in­ten­si­viert und ei­ne neue Schwer­punkt­ab­tei­lung für mo­bi­le Tech­no­lo­gi­en ge­grün­det. Im zwei­ten Quar­tal dürf­te Le­no­vo ein ers­tes Smart­pho­ne mit In­tel-pro­zes­sor auf den Markt brin­gen. In­tel hat da­mit die rich­ti­gen Schrit­te ein­ge­lei­tet, wird je­doch kaum je ei­ne ähn­li­che Do­mi­nanz wie im Pc-ge­schäft erlangen.

Spei­cher-sek­tor un­ter Druck

Zwar er­mög­licht Cloud Com­pu­ting zu­neh­mend, Da­ten über Netz­wer­ke ab­zu­le­gen und ab­zu­ru­fen. Oh­ne ei­ge­nes Spei­cher­me­di­um kommt je­doch kein Rech­ner aus. Die häu­figs­te Lö­sung blei­ben vo­r­erst – dank tie­fer Kos­ten pro Gi­ga­byte – die Fest­plat­ten (HDD). Wie wich­tig die ro­tie­ren­den Ma­gnet­schei­ben noch im­mer sind, mach­ten die durch die Flu­ten in Thai­land aus­ge­lös­ten Lie­fer­eng­päs­se deut­lich. Al­ler­dings ist der Hdd-markt ge­sät­tigt. Mar­gen­druck und Über­ka­pa­zi­tä­ten ha­ben vor Jah­ren ei­ne Kon­so­li­die­rung aus­ge­löst, die sich auch 2011 fort­setz­te: Wes­tern Di­gi­tal über­nahm Hit­a­chi GST, wäh­rend Sea­ga­te die Fest­plat­ten­spar­te von Samsung ak­qui­rier­te. Der Markt ist da­mit prak­tisch zum Duo­pol ge­wor­den.

Gleich­zei­tig se­hen sich die Hard­dis­kFer­ti­ger mit ei­nem Tech­no­lo­gie­wech­sel auf So­lid Sta­te Dri­ves (SSD) kon­fron­tiert. Die auf Flash-chips ba­sie­ren­de Al­ter­na­ti­ve ist zwar noch re­la­tiv teu­er und kommt ge­mäss den Markt­for­schern von TSR erst bei knapp über 5% der Note­books zum Ein­satz. Spe­zi­fi­sche Stär­ken und ein sin­ken­der Auf­preis dürf­ten je­doch die Markt­auf­nah­me för­dern. An­ders als HDD wer­den Da­ten durch elek­tri­sche La­dung in Spei­cher­zel­len ab­ge­legt. Durch das Feh­len be­weg­li­cher Tei­le sind sie re­sis­ten­ter ge­gen Er­schüt­te­rung, brau­chen we­ni­ger Platz und Strom und wei­sen schnel­le­re Zu­griffs­ra­ten auf. Zwar ha­ben sich Wes­tern Di­gi­tal und Sea­ga­te eben­falls im SSDSeg­ment po­si­tio­niert. Füh­rend sind hier aber Samsung und To­shi­ba, die gleich­zei­tig zu den wich­tigs­ten Pro­du­zen­ten der zu­grun­de­lie­gen­den Flash-chips ge­hö­ren. Ne­ben ei­ner Hard­disk oder SSD weist je- der PC ei­nen Ar­beits­spei­cher auf, der sich aus Dram-chips zu­sam­men­setzt. Die­se Bran­che lei­det seit Jah­ren un­ter Über­ka­pa­zi­tä­ten. Hin­zu kommt, dass der DramGe­halt pro Ge­rät nicht mehr so stark ex­pan­diert wie frü­her. Zur­zeit gibt es kaum ei­ne wich­ti­ge Ap­pli­ka­ti­on, in der mehr Ar­beits­spei­cher dem Nut­zer ei­ne spür­ba­re Leis­tungs­stei­ge­rung er­laubt.

Da die Ver­kaufs­prei­se der Dram-chips teil­wei­se un­ter die Pro­duk­ti­ons­kos­ten ge­fal­len sind, schrei­ben Bran­chen­ver­tre­ter wie Hy­nix und El­pi­da ro­te Zah­len. Nur ge­ra­de Samsung er­zielt ge­gen­wär­tig Ge­win­ne. Das ver­dan­ken die Süd­ko­rea­ner der ef­fi­zi­en­ten Fer­ti­gung: Mit enor­men In­ves­ti­tio­nen ha­ben sie be­reits über die Hälf­te ih­rer Dram-pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tät auf Halb­lei­ter von 35 nm Struk­tur­grös­se um­ge­stellt. So fin­den auf ei­ner Si­li­zi­um­schei­be ( Wa­fer) mehr Chips Platz, was die Stück­kos­ten re­du­ziert. Bis zum En­de des lau­fen­den Jah­res dürf­te Samsung be­reits 80% der Fa­b­ri­ken mi­griert ha­ben.

Pa­nel-fer­ti­ger in Ver­lust­zo­ne

Mit Über­ka­pa­zi­tä­ten kämpft auch die Pa­nel-in­dus­trie (Bild­schir­me). Die gros­sen Wett­be­wer­ber LG Dis­play, Chi­mei In­no­lux, AU Op­t­ro­nics so­wie die Dis­play­spar­te von Samsung ha­ben in den letz­ten vier Quar­ta­len Ver­lus­te ein­ge­fah­ren. Das liegt al­ler­dings auch dar­an, dass das zwei­te wich­ti­ge Ein­satz­ge­biet – Fern­seh­ge­rä­te –

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