Se­lek­ti­ve Ti­tel­wahl ent­schei­dend

Im kom­ple­xen Ge­flecht der Pc-zu­lie­fe­rer gibt es zahl­rei­che Ver­lie­rer, aber auch ei­ni­ge Pro­fi­teu­re

Finanz und Wirtschaft - - INDUSTRIE - FH

Die Pc-bran­che hat schon bes­se­re Zei­ten er­lebt. Doch nicht je­der Wett­be­wer­ber lei­det glei­cher­mas­sen un­ter der Sta­gna­ti­on: Wäh­rend et­wa die Pa­nel-fer­ti­ger Ver­lus­te schrei­ben, pro­fi­tie­ren an­de­re Zu­lie­fe­rer von Tech­no­lo­gie­trends – und ha­ben da­mit selbst im schwie­ri­gen Um­feld Er­folg. Ei­ne se­lek­ti­ve Ti­tel­wahl ist für An­le­ger des­halb von zen­tra­ler Be­deu­tung.

Com­pu­ter­nut­zer wol­len mög­lichst mo­bil blei­ben. Auf die­sem Wunsch ba­sie­ren die neu­en Ul­tra­books: Ge­mäss den Spe­zi­fi­ka­tio­nen von In­tel dür­fen die Ge­rä­te ma­xi­mal 21 Mil­li­me­ter dick sein und 1,4 Ki­lo­gramm wie­gen. Gleich­zei­tig müs­sen sie über ge­nü­gend Leis­tung ver­fü­gen, um für al­le wich­ti­gen An­wen­dun­gen ge­rüs­tet zu sein. Da­mit set­zen sie sich bei­spiels­wei­se auch von der – schliess­lich ge­schei­ter­ten – Pro­dukt­ka­te­go­rie der Net­books ab.

In­tel rech­net, dass die Ul­tra­books bis En­de Jahr rund 40% des Note­book­mark­tes für Pri­va­te er­obern. Zwar scheint die­se Schät­zung viel zu op­ti­mis­tisch. Die star­ke Prä­senz an der Elek­tro­nik­mes­se CES 2012 lässt al­ler­dings auf ei­ne re­spek­ta­ble Markt­auf­nah­me schlies­sen – vor al­lem wenn sich die Prei­se wei­ter er­mäs­si­gen.

Qua­li­tät der Ak­kus wich­tig

Der Trend zu hö­he­rer Mo­bi­li­tät und dün­ne­ren Rech­nern dürf­te die Ver­brei­tung von Li­thi­um-po­ly­mer-ak­kus be­güns­ti­gen. In äl­te­ren, zy­lin­dri­schen Note­book-bat­te­ri­en ist die zen­tra­le Sub­stanz (das Elek­tro­lyt) flüs­sig. In Li­thi­um-po­ly­mer-ak­kus wird es in Kunst­stoff ge­bun­den. Bat­te­ri­en kom­men da­mit oh­ne Me­tall­ge­häu­se aus und kön­nen in fast je­der Form ge­fer­tigt wer­den. Das heisst: be­son­ders flach.

Zu den welt­weit füh­ren­den Ak­ku­pro­du­zen­ten zählt Sim­plo Tech­no­lo­gy aus Tai­wan. Be­reits wird rund ein Vier­tel al­ler Note­books mit sei­nen Bat­te­ri­en be­stückt. Spe­zi­ell im wachs­tums­träch­ti­gen Li­thi­um­P­o­ly­mer-ge­schäft ist das Un­ter­neh­men do­mi­nant. Hier wirkt sich vor­teil­haft aus, dass so­wohl die Ein­tritts­bar­rie­ren als auch die Mar­gen hö­her lie­gen. Al­le nam­haf­ten Mar­ken­kon­zer­ne und Auf­trags­fer­ti­ger ge­hö­ren zu Sim­plos Kun­den. Wich­tigs­tes Ein­satz­ge­biet sind zur­zeit die Pro­duk­te von App­le, die 2011 für 30% der Nach­fra­ge ver­ant­wort­lich zeich­ne­ten. Mit ei­nem Kurs-ge­winn-ver­hält­nis (KGV) 2012 von 14 sind Sim­plo noch nicht aus­ge­reizt.

Me­tall­ge­häu­se im Trend

Im Trend lie­gen auch me­tal­li­sche Ge­häu­se. Seit App­le an­no 2006 erst­mals ei­nen Com­pu­ter mit Alu­mi­ni­um­chas­sis lan­cier­te, hat die ge­sam­te Kon­kur­renz nach­ge­zo­gen. Zahl­rei­che Ul­tra­books dürf­ten aus Alu­mi­ni­um-le­gie­run­gen ge­fer­tigt sein – selbst wenn ei­ni­ge Her­stel­ler be­reits an­ge­deu­tet ha­ben, bei ei­ni­gen Mo­del­len aus Kos­ten­grün­den wie­der zu Kunst­stoff oder Glas­fa­ser zu­rück­zu­keh­ren.

Es gibt kaum Zu­lie­fe­rer, die die be­nö­tig­ten Men­gen in der vor­ge­ge­be­nen Prä­zi­si­on fer­ti­gen kön­nen. Ei­ne Aus­nah­me ist Cat­cher Tech­no­lo­gy aus Tai­wan. Zu­sam­men mit Hon Hai Pre­ci­si­on (Fox­conn) do­mi­niert sie 60% des Me­tall­ge­häu­seMark­tes. Bei­de Kon­zer­ne be­sit­zen ei­ne In­fra­struk­tur von über 10 000 Cnc-fräs­ma­schi­nen (Com­pu­te­ri­zed Nu­me­ri­cal Con­trol), was Ska­len­vor­tei­le bringt und ei­ne ra­sche, fle­xi­ble Pro­duk­ti­on er­mög­licht.

Seit Jah­ren ar­bei­tet Cat­cher Tech­no­lo­gy eng mit App­le zu­sam­men. Die Ka­li­for­ni­er re­spek­ti­ve ih­re Part­ner dürf­ten vo­r­erst die gröss­ten Ab­neh­mer blei­ben. Zum Kun­den­stamm zäh­len al­ler­dings – bis auf Hon Hai – auch die an­de­ren gros- sen Auf­trags­fer­ti­ger. Mit ei­nem KGV 2012 von 12 sind die Va­lo­ren an­ge­sichts des ho­hen Wachs­tums nicht zu teu­er. Zu den Plus­punk­ten zählt, dass Cat­cher gleich­zei­tig die Fer­ti­gung von Me­tall­ge­häu­sen für Smart­pho­nes und Ta­blets for­ciert.

Le­no­vo und App­le er­folg­reich

Von den Mar­ken­kon­zer­nen ist vor al­lem Le­no­vo gut in Form. Im drit­ten Quar­tal 2011 sind die Chi­ne­sen in punc­to Markt­an­teil erst­mals an Dell vor­bei­ge­zo­gen und auf den zwei­ten Rang vor­ge­stos­sen (vgl. Gra­fik). Vie­les spricht da­für, dass die­se Ent­wick­lung wei­ter­geht. Dar­auf las­sen die über den Pro­gno­sen aus­ge­fal­le­nen Quar­tals­er­geb­nis­se von Don­ners­tag schlies­sen. In Chi­na, dem in­zwi­schen gröss­ten PCAb­satz­markt der Welt, konn­te die Füh­rung wei­ter aus­ge­baut wer­den. Auch steigt Le­no­vo ins Ge­schäft mit Smart­pho­nes und Ta­blets ein. Ein wich­ti­ger Schritt, selbst wenn zu Be­ginn gros­se In­ves­ti­tio­nen in For­schung und Ent­wick­lung fäl­lig wer­den. Trotz ei­nes re­la­tiv ho­hen KGV 2012 von 14 sind Le­no­vo at­trak­tiv.

App­le ist im Com­pu­ter­ge­schäft eben­falls äus­serst er­folg­reich. Noch im­mer pro­fi­tie­ren die Ka­li­for­ni­er vom «ha­lo ef­fect» (Hei­li­gen­schein): Kun­den stei­gen über güns­ti­ge­re Pro­duk­te wie das ipho­ne in die App­le-welt ein und kom­men so auf

Ent­wick­lung der Markt­an­tei­le

Eck­da­ten wich­ti­ger Ver­tre­ter der Pc-in­dus­trie den Ge­schmack, sich spä­ter ei­nen Mac zu leis­ten. Fast un­be­merkt vom Er­folg der ipho­nes und ipads hat auch App­les Com­pu­ter­spar­te ei­nen Re­kord auf­ge­stellt: Al­lei­ne im ver­gan­ge­nen Quar­tal gin­gen 3,7 Mio. Note­books und 1,5 Mio. Desk­tops über den La­den­tisch. Mit ei­nem durch­schnitt­li­chen Ver­kaufs­preis von rund 1270 $ konn­te zu­dem ei­ne Prei­se­ro­si­on ver­mie­den wer­den. Für das Ge­schäfts­jahr 2012 wei­sen App­le ein KGV von 12 auf. An­ge­sichts der zu er­war­ten­den Pro­dukt­neue­run­gen (ipho­ne 5 und ipad 3) so­wie dem Markt­po­ten­zi­al in den Schwel­len­län­dern ist noch Kur­s­po­ten­zi­al vor­han­den. Nach der jüngs­ten Ral­ly dürf­ten die Ti­tel al­ler­dings ei­nen Zwi­schen­halt ein­le­gen.

Aus An­le­ger­sicht blei­ben In­tel in­ter­es­sant. Der Chip­gi­gant scheint durch­aus in der La­ge zu sein, die op­ti­mis­ti­schen Pro­gno­sen für 2012 zu er­fül­len: CFO St­a­cy Smith hat­te jüngst in Aus­sicht ge­stellt, den Um­satz im ho­hen ein­stel­li­gen Pro­zent­be­reich zu stei­gern. Ne­ben Markt­an­teils­ge­win­nen ge­gen­über AMD dürf­te die Ser­ver­chip-spar­te be­flü­geln. Denn die Kon­zern­bud­gets für It-in­fra­struk­tur schei­nen zur­zeit in bes­se­rer Ver­fas­sung zu sein als die pri­va­ten Kon­sum­aus­ga­ben. Mit ei­nem KGV 2012 von 11 sind die Va­lo­ren nicht zu teu­er. Aus­ser­dem bie­ten In­tel ei­ne Di­vi­den­den­ren­di­te von 3,1%, die für ei­nen ITKon­zern nicht zu ver­ach­ten ist.

Mar­ken­kon­zer­ne

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