Wer will schon Cs-ak­ti­en kau­fen

SCHWEIZ Cre­dit Suis­se ver­trös­tet die In­ves­to­ren er­neut – Bran­chen­aus­blick düs­ter – Nut­zen des kost­spie­li­gen Um­baus un­ge­wiss

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - JAN BAU­MANN

Für ein En­ga­ge­ment in Cre­dit Suis­se (CS) sind mit bes­tem Wil­len kaum Grün­de zu er­ken­nen. Selbst­ver­ständ­lich sieht CSChef Bra­dy Dou­gan das an­ders und hat ei­ne «Sto­ry» pa­rat, mit der er In­ves­to­ren bei der Stan­ge hal­ten will: Er­neut ver­trat er am Don­ners­tag an der Jah­res­me­di­en­kon­fe­renz die The­se, die zweit­gröss­te Schwei­zer Bank ha­be die Stra­te­gie früh und kon­se­quent ans neue Um­feld an­ge­passt. Doch selbst wenn dem so wä­re, mach­te es die Ak­ti­en nicht wirk­lich at­trak­ti­ver. Denn in eben die­sem Um­feld – ge­prägt von strik­te­ren Ka­pi­tal­vor­schrif­ten (Ba­sel III) und sehr vo­la­ti­len Märk­ten – wird die Ri­si­ko­nah­me für al­le Ban­ken ten­den­zi­ell im­mer spär­li­cher ent­schä­digt.

Zu­dem steht es um die Ver­dienst­kraft der CS schlecht: Des­halb zieht das Ma­nage­ment ein har­tes Spar­pro­gramm durch, das die im Bran­chen­ver­gleich ho­he Kos­ten­ba­sis (vgl. da­zu Sei­te 15) sen­ken soll. Ab dem ers­ten Quar­tal 2012 bringt ei­ne Mi­schung aus Ef­fi­zi­enz­stei­ge­rungs­mass­nah­men, Stel­len­ab­bau im Seg­ment der hoch be­zahl­ten In­vest­ment­ban­ker, ge­rin­ge­ren Bo­ni (2011 im Schnitt 41% we­ni­ger für al­le Mit­ar­bei­ter, 57% we­ni­ger für die Ge­schäfts­lei­tungs­mit­glie­der) und dem Rück­zug aus un­ren­ta­blen Ak­ti­vi­tä­ten Ein­spa­run­gen von rund 1,2 Mrd. Fr. Ab En­de 2013 soll das Spar­pro­gramm jähr­lich et­wa 2 Mrd. Fr. ein­brin­gen.

Kos­ten noch im­mer zu hoch

In die­sem Zu­sam­men­hang steht auch die vol­le In­te­gra­ti­on der Pri­vat­bank­toch­ter Cla­ri­den Leu, die im No­vem­ber an­ge­kün­digt wor­den war und von der es am Don­ner­tag le­dig­lich hiess, sie ver­lau­fe «nach Plan». Das ist gut so, denn wie drin­gend die Kos­ten­re­duk­ti­on ge­ra­de im Cs-pri­va­te-ban­king ist, zeigt das bis­he­ri­ge Kos­tenEr­trags-ver­hält­nis der Spar­te von 78,9% im vier­ten Quar­tal 2011. Zum Ver­gleich: Das Wealth Ma­nage­ment der UBS ar­bei- te­te im Schluss­quar­tal 2011 mit «nur» 71,9% Kos­ten­quo­te.

Noch ei­ni­ges tris­ter sieht es mit Blick auf die Kos­ten im In­vest­ment Ban­king der CS aus: Im vier­ten Quar­tal be­trug die Auf­wand­quo­te 202,6%, und im Ge­samt­jahr 2011 wa­ren es 98,6%. Mit an­de­ren Wor­ten: Von je­dem Fran­ken, den die Spar­te 2011 ein­nahm, gin­gen 99 Rap­pen als Auf­wand weg. Bes­ser lief das Ge­schäft im As­set Ma­nage­ment, wo die ent­spre­chen­de Quo­te im Ge­samt­jahr 74,2% be­trug. Auf Kon­zern­stu­fe er­gab sich ein Kos­ten-er­trags­ver­hält­nis von 88,5%.

Gros­se Stü­cke hält Kon­zern­chef Dou­gan auf ei­nen Ab­bau der ri­si­ko­ge­wich­te­ten Ak­ti­ven, der schnel­ler als ge­plant ab­lau­fen soll. Die for­cier­te Re­duk­ti­on kos­tet zu­nächst Geld und trug mass­geb­lich da­zu bei, dass die CS 2011 die Er­war­tun­gen ans Er­geb­nis ent­täusch­te. Im Ge­gen­zug setzt der Ab­bau aber Ei­gen­mit­tel frei, so­dass die Ka­pi­tal­aus­stat­tung ge­mes­sen an den ein­ge­gan­ge­nen Ri­si­ken kom­for­ta­bler wird. Das ver­gan­ge­ne Jahr hat die CS mit ei­ner Kern­ka­pi­tal­quo­te ( Tier 1) un­ter dem gel­ten­den Re­gel­werk Ba­sel 2.5 von 15,2% ab­ge­schlos­sen. Die so­ge­nann­te har­te Kern­ka­pi­tal­quo­te – oh­ne Hy­bridka­pi­tal ge­rech­net – be­lief sich aber le­dig­lich auf 10,7%. Im Ver­gleich zur UBS mit 14,1% Co­re Tier 1 Ra­tio (eben­falls ge­mäss Ba­sel 2.5) ist das ma­ger.

Mehr Ka­pi­tal muss her

Die CS hat ei­nen wei­ten Weg vor sich, bis sie so gut ka­pi­ta­li­siert ist, wie sie im künf­ti­gen re­gu­la­to­ri­schen Um­feld un­ter Ba­sel III sein will. Für den Ver­wal­tungs­rat ist die Stär­kung der Ka­pi­tal­kraft der­mas­sen wich­tig, dass die Aus­rich­tung der Di­vi­den­de in ih­ren Di­enst ge­stellt wird: Die Bank schlägt der Ge­ne­ral­ver­samm­lung am 27. April die Aus­schüt­tung aus Re­ser­ven aus Ka­pi­tal­ein­la­gen von 0.75 Fr. je Ak­tie vor (steu­er­frei für in der Schweiz an­säs­si­ge An­teils­eig­ner).

Wahl­wei­se kön­nen die An­le­ger die Auf­schüt­tung statt in bar auch in Form neu­er Cs-ak­ti­en be­zie­hen. Sie pro­fi­tie­ren da­bei von ei­ner Ermässigung von et­wa 8% (die ge­nau­en Mo­da­li­tä­ten wer­den vor­aus­sicht­lich am 20. März pu­blik ge­macht). Nimmt man an, dass für rund die Hälf­te der aus­ste­hen­den Ak­ti­en die­se Va­ri­an­te zum Zug kommt, flies­sen aus der Bank knapp 0,5 Mrd. Fr. we­ni­ger Ei­gen­mit­tel ab als mit ei­ner voll­stän­di­gen Aus­zah­lung in bar.

Mit ei­nem Ge­winn­rück­gang von 62% ist 2011 für die CS als mi­se­ra­bles Jahr ab­zu­bu­chen. Es soll­te ihr 2012 ge­lin­gen, das Er­geb­nis je Ak­tie von 1.36 auf 2.80 Fr. zu stei­gern. Im Vor­jahr hat­ten 3.89 Fr. her­aus­ge­schaut. Mit Blick auf die­ses mäs­si­ge Po­ten­zi­al sen­ken wir das Fuw-ra­ting für das Wachs­tum von B auf B–. Wie ge­sagt: Die Ak­ti­en sind nicht kau­fens­wert.

Cs-chef Bra­dy Dou­gan er­war­tet schwie­ri­ge Zei­ten für al­le glo­ba­len Ban­ken.

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