Deut­sche Bank hat UBS und CS über­holt

SCHWEIZ Die drei Gross­ban­ken zei­gen wach­sen­de Un­ter­schie­de in Pro­fil und Stra­te­gie – Gros­ser An­pas­sungs­druck – Va­lo­ren his­to­risch nied­rig be­wer­tet

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ - AR­NO SCHMOCKER

Die An­le­ger be­wie­sen ei­nen gu­ten Rie­cher. Im ver­gan­ge­nen Jahr ver­lo­ren Cre­dit Suis­se (CS) 41%, wäh­rend die Pa­pie­re von UBS (–27%) und Deut­sche Bank (–25%) we­ni­ger hef­tig nach­ga­ben. Die un­ter­schied­li­che Per­for­mance an der Bör­se spie­gelt sich er­staun­lich ge­nau in den Un­ter­neh­mens­zah­len, wie sich jetzt zeigt. Die Deut­sche Bank hat die schwie­ri­gen Rah­men­be­din­gun­gen am bes­ten be­wäl­tigt, ob­schon auch ih­re In­vest­ment­bank im letz­ten Quar­tal ro­te Zah­len schrieb.

Das Jahr 2011 war auf Stu­fe Vor­steu­er­ge­winn das zweit­schwächs­te der letz­ten sechs Jah­re (vgl. Bal­ken­gra­fik rechts). Im­mer­hin: An­ders als 2008, als der Markt nach dem Kon­kurs von Leh­man Bro­thers völ­lig aus den Fu­gen ge­riet, wur­den Jah­res­ver­lus­te ver­mie­den. Die mehr­jäh­ri­ge Be­trach­tung der Zah­len be­stä­tigt im Üb­ri­gen die Ver­mu­tung, dass die CS wohl 2009 als Ge­win­ne­rin aus der Kri­se her­vor­ging, den Vor­sprung aber aus den Hän­den ge­ge­ben hat. Der de­tail­lier­te Ver­gleich 2011 legt so­gar den Schluss na­he, dass sie die schwächs­te Leis­tung der drei Gross­ban­ken ab­lie­fer­te (vgl. Ta­bel­le). «Sehr ent­täu­schend» war denn auch das At­tri­but vie­ler Ana­lys­ten­kom­men­ta­re.

Ex­akt las­sen sich die Zah­len nicht ver­glei­chen. Die Kon­zern­rech­nun­gen sind al­le­samt ge­spickt mit aus­ser­or­dent­li­chen Pos­ten. Zu­dem wird der Spiel­raum, den die Buch­hal­tungs­re­geln ge­wäh­ren, weid­lich ge­nutzt: Wäh­rend die Rech­nung der Schwei­zer Ban­ken er­heb­lich durch ei­nen Ge­winn auf ei­ge­nen Schul­den auf­ge­peppt wur­de, pro­fi­tier­te die Deut­sche Bank von ei­ner frü­he­ren Um­klas­sie­rung von Wert­schrif­ten. So viel zum The­ma Trans­pa­renz und Kon­ti­nui­tät.

«Noch viel Freu­de»

Die Ge­fahr, dass sich In­ves­to­ren im Zah­lend­schun­gel der Gross­ban­ken ver­ir­ren, war noch nie so ge­ge­ben wie jetzt. Auf­schluss­rei­cher ist es, die Un­ter­schie­de in der Stra­te­gie und im Pro­fil her­aus­zu­schä­len. Sie sind prä­gnan­ter ge­wor­den, auch be­dingt durch die so­wohl kon­junk­tu­rel­le wie struk­tu­rell be­ding­te Schwä­che des In­vest­ment Ban­kings.

Die Vo­lu­men in die­sem Ge­schäft sind 2011 deut­lich ge­schrumpft. Zu­dem fah­ren UBS und CS es aus stra­te­gi­schen Mo­ti­ven zu­rück und stei­gen aus be­son­ders ka­pi­tal­in­ten­si­ven und ri­si­ko- (aber auch er­trags-) rei­chen Be­rei­chen ganz aus. Bei­de ha­ben den Pro­zess des Ab­baus von ri­si­ko­ge­wich­te­ten Ak­ti­ven (RWA) ge­gen das Jah­res­en­de be­schleu­nigt, vor al­lem die CS, mit ent­spre­chend ho­hen Kos­ten im letz­ten Quar­tal (ver­glei­che Ar­ti­kel links).

In Frank­furt klingt es ein we­nig an­ders. «Die Deut­sche Bank be­kennt sich wei­ter voll zum In­vest­ment Ban­king», be­ton­te CEO Jo­sef Acker­mann an der Bi­lanz­pres- se­kon­fe­renz. Er sei si­cher, dass die Bank «nach er­folg­ter Markt­kon­so­li­die­rung auch in Zu­kunft viel Freu­de» an die­sem Ge­schäft ha­ben wer­de, auch wenn der Er­trag frü­he­rer Spit­zen­zei­ten auf ab­seh­ba­re Zu­kunft aus­ser Reich­wei­te sei. Aus ei­nem klei­ne­ren Ku­chen wer­de die Deut­sche Bank ein grös­se­res Stück her­aus­schnei­den. Das gröss­te Geld­haus Deutsch­lands ist im In­vest­ment Ban­king, be­zo­gen auf den Ge­büh­ren­pool, 2011 vom fünf­ten auf den drit­ten Platz welt­weit vor­ge­stos­sen. Der An­teil des Ge­schäfts am Vor­steu­er­ge­winn ist un­ter 50% ge­fal­len (vgl. Ku­chen­gra­fik). Das hat auch mit Über­nah­men zu tun, die erst­mals ganz in die Rech­nung flos­sen. Na­ment­lich durch die Post­bank

Ge­winn vor Steu­ern 2011 sind Ge­schäfts­mix und Bi­lanz­sta­bi­li­tät des Kon­zerns ver­bes­sert wor­den.

Die Schwei­zer Gross­ban­ken, vor al­lem die UBS, kön­nen an­der­seits die Ver­mö­gens­ver­wal­tung in die Waag­scha­le wer­fen. Die­se Ak­ti­vi­tä­ten ste­hen zwar auch un­ter be­trächt­li­chem Mar­gen- und Re­struk­tu­rie­rungs­druck. Doch der Vor­teil, dass sich im Pri­va­te Ban­king und teil­wei­se im As­set Ma­nage­ment mit ver­hält­nis­mäs­sig we­nig Ka­pi­tal gu­tes Geld ver­die­nen lässt, ist des­we­gen nicht ein­fach ver­schwun­den (vgl. FUW Nr. 8 vom 28. Ja­nu­ar). Die UBS-VER­mö­gens­ver­wal­tungs­ein­hei­ten ha­ben 2011 den Vor­steu­er­ge­winn fast 30% er­höht. Trotz­dem gilt vor­der­hand: Die Schwan­kun­gen im Kon­zern­re­sul­tat al­ler drei In­sti­tu­te wer­den in ers­ter Li­nie vom In­vest­ment Ban­king ver­ur­sacht. UBS und CS müs­sen mehr tun, um dem Ein­druck ent­ge­gen­zu­wir­ken, dass ihr In­vest­ment Ban­king in der Hausse we­ni­ger gut mit­schwimmt, in der Baisse aber ge­nau­so ge­trof­fen wird.

Ach­tung Alt­las­ten

Das wür­de, zu­sam­men mit der noch nied­ri­ge­ren Be­wer­tung der Ak­ti­en, ei­ne Emp­feh­lung für die Deut­sche Bank na­he­le­gen. Doch der Dis­count (Ab­schlag) an der Bör­se kommt nicht von un­ge­fähr. Die An­sicht, dass der Kon­zern ka­pi­tal­mäs­sig – im Un­ter­schied zur mitt­ler­wei­le so­li­den UBS – auf nicht be­son­ders fes­tem Grund steht, ist un­ter Fi­nanz­ana­lys­ten weit ver­brei­tet. In Zü­rich ist von ei­nem gros­sen Ban­ker gar zu ver­neh­men, die Deut­sche Bank sei «das gröss­te Kar­ten­haus Eu­ro­pas».

Da­mit ist im­pli­zit das The­ma Alt­las­ten an­ge­spro­chen. Kei­ne der drei Gross­ban­ken ist auf be­rei­nig­ter Ba­sis ins 2012 ge­star­tet. Die Be­wäl­ti­gung ver­gan­ge­ner Sün­den aus der Boom­zeit vor 2007 und die Neu­aus­rich­tung auf ein Ge­schäfts­mo­dell, das we­ni­ger Ri­si­ken birgt und ste­ti­ge­re Ge­win­ne bringt (brin­gen soll), wer­den noch ei­ni­ge Zeit in An­spruch neh­men. So ge­se­hen ist es für ein (tak­ti­sches) En­ga­ge­ment in Gross­bank­ak­ti­en zu früh, auch wenn his­to­risch be­schei­de­ne Be­wer­tun­gen lo­cken.

CS Group N seit Herbst ab­ge­hängt

Vor al­lem im In­vest­ment Ban­king sind die Gross­ban­ken mit sehr her­aus­for­dern­den Rah­men­be­din­gun­gen kon­fron­tiert.

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